Alternative Antriebe: Noch keine 5.000 „echten“ Käufer

Alternative Antriebe
Noch keine 5.000 „echten“ Käufer

Seit Jahren sind sie im Gespräch, doch noch führen E-Autos ein Nischendasein. Auch die Zahl neu zugelassener Hybride bleibt niedrig. Hersteller wie VW und Audi motzen die magere Statistik mit Eigenzulassungen auf.
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DüsseldorfWenn man 2,5 mal so viele Autos verkauft hat wie im Jahr zuvor, dann ist das eigentlich eine Erfolgsmeldung wert. Und Erfolgsmeldungen sind bei alternativen Autoantrieben derzeit selten, weil Neuwagenkäufer angesichts niedriger Spritpreise Elektroautos und Hybride links liegen lassen.

Die Marken Audi, BMW, Ford, Mercedes, Opel, Porsche und VW haben für das Jahr 2014 insgesamt 8.463 Fahrzeuge mit Hybrid, Plug-In-Hybrid oder reinem Elektroantrieb als Neuwagen in der Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) ausgewiesen. Und das sind eben mehr als doppelt so viele „Alternative“ wie noch 2013, weswegen der Herstellverband VDA auch erfreut von einer „Markthochlauf-Phase“ spricht.

Was die Hersteller lieber verschweigen: Selbst dieser Mini-Erfolg der in Deutschland schwer verkaufbaren Antriebsalternativen ist überwiegend hausgemacht, denn es wird massiv mit Eigenzulassungen auf Händler und Hersteller gearbeitet.

Wie eine aktuelle Studie des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen zeigt, stehen den 8.463 Autos der genannten Hersteller im vergangenen Jahr 1,87 Millionen Neuzulassungen gegenüber, die mit konventionellen Antrieben fahren, also Diesel- oder Benzin-Verbrenner.

Und selbst diese 8.463 weniger umweltschädlichen Autos waren etwa zur Hälfte auf Mitarbeiter der Autobauer, als unternehmenseigene Testwagen oder als sogenannte Tageszulassungen von Händlern zugelassen.

CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer rechnet vor, dass je nach Marke bis zu 92 Prozent der Alternativ-Autos Eigenzulassungen sind, und nur 4.814 Zulassungen von Hybriden, Plug-In-Hybriden und reinen Elektroautos in 2014 auf Privatkunden oder Unternehmen erfolgten.

Obwohl 59 verschiedene alternative Fahrzeugmodelle aller Automarken aktuell in Deutschland im Angebot sind, hätten die deutschen Anbieter pro Modell monatlich nur 14 Fahrzeuge „an echte Kunden“ verkauft, sagt Dudenhöffer.

Einige Beispiele von Verkäufen an Plug-In Hybriden illustrieren die deprimierende Verkaufssituation. So hat Volkswagen vom Modell Golf GTE, also der Plug-In-Version, seit der Einführung 2014 bis Ende Februar 2015 in Deutschland knapp 900 Fahrzeuge in die Zulassung gebracht. Mehr als 800 Fahrzeuge davon (also 91 Prozent) waren laut CAR Eigenzulassungen.

Beim E-Golf, der rein batteriegetriebenen Version, wurden etwas mehr als 1.200 Fahrzeuge neu zugelassen, 62 Prozent waren Eigenzulassungen. Nicht viel besser fällt die Bilanz des Audi A3 Plug-In Hybrid aus: Seit seiner Einführung wurden in Deutschland 675 Fahrzeuge zugelassen, davon waren 571 Eigenzulassungen, das sind 85 Prozent.

Vom Opel Ampera wurden in den vergangenen 14 Monaten nur 119 Fahrzeuge zugelassen, davon waren 64 Prozent Eigenzulassungen. Auch bei den Importeuren sieht die Bilanz nicht besser aus. So wurden etwa vom Mitsubishi Outlander in der Plug-In-Version 1.300 Fahrzeuge in die Zulassung gebracht, davon waren knapp 850 Fahrzeuge oder 65 Prozent Eigenzulassungen.

Und auch bei Porsche wachsen die Plug-In-Träume nicht in den Himmel. Von 2014 bis Ende Februar 2015 wurden 201 Panamera Plug-In Hybrid zugelassen, Eigenzulassungsanteil: 65 Prozent.

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99 Prozent würden kein aktuelles Elektroauto kaufen

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  • @All
    Wer ein reines Elektroauto kauft, ist ein schlimmerer Umweltverschmutzer, als einer der mit Verbrennungsmotor fährt!
    Und zwar aus ganz einfachen Gründen, die Batterien der Fahrzeuge sind Hochgiftig und lassen sich nicht Recyclen! Dass führt über Kurz oder Lang, zu hochgiftigen Müllhalden bzw. Endlagern und zu massiver Umweltverschmutzung!
    Deshalb Elektroauto NEIN, NIEMALS, NICHT GESCHENKT!

  • @Adolf Wolf
    Sie Träumer...das E-Auto gibt es bereits so lange wie den Dieselmotor. Die E-Mobilität scheitert an der Physik und dies ist schon seit über Hundert Jahren bekannt!

  • Es ist schon ein Anachronismus mit den SeniorenUndVersehrten Straßenpanzern auf den Straßen, und all die anderen Diesel- und Benzinerstinkern.
    Feinstaub und Lärm wohin man in einer Stadt schaut.
    Aber schon kleinste Änderungen werden bekämpft, als ob es um das Abendland geht.
    eMobility ist cool und – wer es täglich nutzt – genial, keine Tankstellenstopps (Duft der Benzole, etc.) mehr, dafür Aufladen im Schlaf oder beim Mittagessen.
    Perfekt für den Pendler und/oder als Zweitwagen, natürlich noch nicht für den Außendienstmitarbeiter und den Pendler zwischen Städten/Orten, insbesondere wenn der ÖNPV zu wünschen übrig lässt. Aber auch der konventionelle PKW hat auch mehrere Jahrzehnte gebraucht um sich zu entwickeln und hat Steuervergünstigungen auf seiner Seite, zB. beim Diesel.
    Aber es ist auch richtig, die ePKW’s sind zu teuer, die liegt aber nicht an den Komponenten (der Motor deutlich einfacher, kein Getriebe vorhanden, etc.), sondern an der Ertragsoptimierung der Hersteller und den tausenden und abertausenden von „Maschinenbauern“, die gefüttert werden müssen.
    Der erste Hersteller, der hier eine optimierte und kostengünstige Alternative bringt „Dacia mit eMotor“, wird den Markt aufrollen.

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