Angelockt vom Erfolg des Renault-Billigautos Logan
GM will mit Mini punkten

Wenige Wochen nach Volkswagen hat auch der Opel-Mutterkonzern General Motors angekündigt, einen neuen Kleinstwagen zu entwickeln. Der US-Autobauer werde ein solches Auto in Europa unter dem Label Chevrolet noch im Laufe dieses Jahrzehnts anbieten, sagte Wayne Brannon, GM-Europachef der Marke Chevrolet auf dem Opel-Testgelände in Dudenhofen bei Frankfurt. Eine Studie werde bereits nächste Woche in New York unter dem Namen Chevrolet Trax Concept vorgestellt.

DUDENHOFEN. Für die Konzernmarke Opel sei aber kein neues Modell in diesem Wachstumssegment unterhalb des Corsa und Agila geplant, sagte Alain Visser, GM-Europa-Marketingchef. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen stößt dies auf den Unwillen der deutschen Tochter Opel. Ein GM-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren. Der VW-Rivale hätte damit kein Fahrzeug, mit dem er den Wolfsburgern in diesem Segment Paroli bieten könnte. Der neue VW-Boss Martin Winterkorn hatte kürzlich einen neuen günstigen VW-Kleinstwagen unterhalb des VW Fox bereits für das Jahr 2009 angekündigt.

Angelockt vom Erfolg des Renault-Billigautos Logan in den Schwellenländern springen damit immer mehr Autohersteller auf den Trend auf, günstige Autos für das Einstiegssegment anzubieten. Auch der japanische Autokonzern Toyota hatte Ende Januar die Fertigung eines eigenen Billigautos angekündigt. Der Preis für diese Fahrzeug soll unter dem des Dacia Logan, der in der einfachen Version für Schwellenländer in Osteuropa, Südamerika und Afrika um die 5 000 Euro kostet, in der Version für Westeuropa ist er deutlich teurer. Renault-Chef Carlos Ghosn hat vor, etwa die Hälfte der von Renault beabsichtigten Absatzsteigerung um 800 000 Fahrzeuge bis 2009 allein mit der Logan-Modellreihe zu erzielen.

Winterkorn hatte angekündigt, dass der neue VW Kleinwagen ein Viersitzer für weniger als 8 000 Euro werden soll. Ziel sei „ein Volkswagen im besten Sinne des Wortes, kein Billigauto“, so der Vorstandschef. Der Wagen werde Heckantrieb haben und solle seine Kundschaft auch in den Ballungszentren von Europa finden. Ein noch preisgünstigeres Auto für Schwellenmärkte wie Russland und Indien soll dagegen bei der VW-Tochter Skoda entwickelt werden.

Zu den Details des geplanten GM-Kleinstwagens wollte sich GM-Europachef Carl-Peter Forster noch nicht äußern. GM verfügt in Europa neben Opel mit Chevrolet über eine preisgünstige Einstiegsmarke, die vor allem in Osteuropa gegen preisaggressive Konkurrenten aus Asien ins Rennen geschickt wird. Der billigste Chevrolet kostet derzeit 8 490 Euro.

Für die einzelnen Marken weist GM keine Ergebnisse mehr aus, aber nach Angaben aus Konzernkreisen ist Opel 2006 nach sieben Verlustjahren wieder deutlich in die Gewinnzone gefahren. Der Opel-Mutterkonzern reduzierte 2006 seinen Verlust von 10,4 auf zwei Mrd. Dollar.

Eine Auseinandersetzung droht bei GM nicht nur wegen der Entscheidung, Opel einen Kleinstwagen zu verwehren. So soll nach den Worten Forsters noch in diesem Jahr entschieden werden, wo die neue Generation des Opel-Bestsellers Astra gebaut werden soll. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern darüber haben bereits begonnen. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sagte in Dudenhofen, er rechne mit einer Einigung nach der Sommerpause. Forster schloss eine Werksschließung nicht aus. Neben den Astra-Werken in Bochum, Antwerpen und dem britischen Ellesmere Port haben sich auch die Werke im polnischen Gleiwitz und dem schwedischen Trollhättan beworben.

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Hintergrund: Kleine ganz groß

Märkte: Die zunehmende Motorisierung in Schwellenländern fordert neue Fahrzeugkonzepte. Auf Wachstumsmärkten wie Indien spielen kleine, günstige Autos für die Massenhersteller eine große Rolle.

Moden: Auch auf den etablierten Märkten wie in Europa geht die Nachfrage nach traditionellen Fahrzeugen wie der Kompakt- und Mittelklasse tendenziell zurück. Dagegen erfreuen sich Kleinst- und Kleinwagen neben familienfreundlichen Vans und Geländewagen einer wachsenden Fangemeinde. Außerdem sehen Marktforscher auch hier einen steigenden Bedarf an bezahlbaren Kleinwagen.

Emissionen: Auch die wieder aufgeflammte Diskussion um die Umweltverträglichkeit des Straßenverkehrs wird nach Meinung der Automobilhersteller die Nachfrage nach kleinen, verbrauchsarmen Autos weiter steigen lassen.

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