Aston Martin
Golf-Konflikt im automobilen Oberhaus

Die Edelmarke Aston Martin, Hersteller des Dienstwagens von Kult-Filmheld James Bond, ächzt unter ihrem neuen Eigentümer aus Kuwait. Was wie ein Automärchen aus 1001 Nacht aussah, könnte sich schon bald als Problemfall erweisen: Die Verhandlungen zwischen dem Mehrheitseigner Dar und Aston Martin stocken. Im Mai laufen die Verträge aus.

DÜSSELDORF. Der Lack europäischer Edelkarossen von Aston Martin über Rolls -Royce bis zu Porsche erstrahlt hell unter der Sonne Dubais. Der Golfstaat boomt - und mit ihm die Nachfrage nach flotten Flitzern. Hinter den Kulissen zeigt der schöne Schein im Fall der britischen Traditionsmarke Aston Martin, Hersteller des Dienstwagens von Filmheld James Bond, allerdings Kratzer.

Im März vergangenen Jahres hatte ein Konsortium um die kuwaitische Beteiligungsgesellschaft Dar die Mehrheit am Unternehmen dem klammen amerikanischen Ford -Konzern abgekauft. Dar übernahm 50 Prozent des Kapitals. Der Wert des Luxusautobauers wurde mit insgesamt 925 Mill. Dollar angesetzt.

"Dar hat viel zu viel Geld bezahlt", sagt Stefan Spruck, Manager von Middle East Aston Martin. Das Unternehmen hält die Händlerrechte für die Marke in der Boomregion des Nahen Ostens. Ein glänzendes Geschäft: Gut 200 Luxuskarossen vom DB 9 oder Volante hat Sprucks Firma im Jahr 2007 verkauft. Durchschnittspreis: knapp unter 200 000 Dollar.

Der Haken am Automärchen aus 1001 Nacht: Der Vertrag läuft im Mai aus, die Verhandlungen mit Aston Martin und Mehrheitseigner Dar stocken. "Dar ignoriert die bestehenden Verträge", sagt Spruck. "Als Händler sollen wir uns an der Aston-Martin-Finanzierung beteiligen - und das zu einem Aufpreis auf den hohen von Dar gezahlten Betrag. Das rechnet sich hinten und vorne nicht."

Die Händler würden zudem vom Hersteller abhängig und verlören ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit. Spruck zufolge beobachteten auch die europäischen Aston-Martin-Händler "die Entwicklung mit größter Sorge". Aston Martin war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Fall zeigt, wie schwer sich Finanzinvestoren selbst mit der Übernahme kleinerer Autobauer tun. In den USA kämpft der Investor Cerberus damit, Chrysler zum Laufen zu bringen. Experten sehen den Höhepunkt des Einflusses von Private Equity auf Autounternehmen als überschritten an. "Die Welle ist eigentlich vorbei", sagt Horst Schneider, Autoanalyst von HSBC. "Private Equity hat die Lage leichter eingeschätzt, als sie jetzt ist. Und die Finanzierung von Deals wird noch schwieriger." Derzeit zeichne sich eine industrielle Konsolidierung ab. So gilt die Übernahme der britischen Ford -Tochter Jaguar durch den indischen Hersteller Tata in Unternehmenskreisen als sicher.

Aston Martin will die Jahresproduktion von zuletzt 7 000 Fahrzeugen auf 8 000 Autos in den Jahren 2008 und 2009 steigern. Eigner Dar spricht dazu nach eigenen Angaben mit Mercedes -Benz über eine Kooperation.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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