Atomprozessoren
Autos werden zu fahrenden Laptops

Mal zu heiß, mal zu kalt - der Innenraum eines Autos galt lange als ungeeignet für empfindliche IT. Doch sogenannte Atom-Prozessoren, wie sie auch in Netbooks eingesetzt werden, könnten die Autos nun ins Computer-Zeitalter befördern - und die Mittelkonsole zum Notebook machen.
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MÜNCHEN. Hellrote Schrift auf dunkelrotem Grund: Selbst in neuen Autos sehen die Instrumente heute oft aus wie PC-Monitore vor 25 Jahren. Doch das könnte sich nun ändern: Die führenden IT-Konzerne drängen mit ihrem Know-How aus der Computerwelt in die Fahrzeuge und versuchen sich so einen neuen Markt zu erschließen. Die Offensive gestaltet sich aber schwierig, die Autobauer brauchen Jahre, ehe sie die Neuerungen einbauen. Das sind Microsoft & Co aus der schnelllebigen Elektronikindustrie nicht gewohnt.

„Wir sind nicht so weit, wie wir gerne wären“, gibt Hannes Schwaderer, Deutschland-Chef von Intel, unumwunden zu. Die Prozessoren des größten Chipherstellers der Welt sind zwar in 80 Prozent aller Rechner dieser Welt zu finden. In den Autos hingegen spielen die Halbleiter des Konzerns kaum eine Rolle. Zu teuer und zu störungsanfällig angesichts der extremen Temperaturschwankungen im Wageninneren waren die Gehirne der PCs bislang.

Das hat sich nach Ansicht des Managers jetzt aber geändert. Mit den sogenannten Atom-Prozessoren, wie sie auch in den populären Netbooks eingesetzt werden, habe Intel endlich die Produkte, um die Autos ins Computer-Zeitalter zu befördern.

Nicht nur Intel tut sich schwer mit der Autobranche. Auch die anderen führenden Anbieter der IT-Welt haben den Sprung auf die Straße bis heute nur ansatzweise geschafft. Die Analysten von I-Suppli sind jedoch überzeugt, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird. Der Grund: Schon heute stellten die Fahrer immer höhere Anforderungen an die Informationssysteme im Auto. Die Kunden würden gerne mit einem Handgriff ihren iPod anschließen, schnell per Freisprechanlage eine Telefonverbindung aufbauen oder das Kartenmaterial des Navigationsgeräts auf dem neuesten Stand halten, kurz, sie würden im Auto gerne das machen, was sie auch mit PC oder Handy anstellen. Doch das ist selbst in neuen Modellen meist unmöglich.

Für I-Suppli Analyst Richard Robinson steht deshalb fest, dass „die Designer der Mittelkonsole aus der Entwicklung der PC-Branche viel lernen können“. Der Computerindustrie ist es nach Ansicht des auf Autoelektronik spezialisierten Experten in den letzten zwei Jahrzehnten gelungen, viele verschiedene Anwendungen auf standardisierter Hardware laufen zu lassen. Dies sei auch ein Weg für Fahrzeughersteller, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Die Pkw-Produzenten sehen das ähnlich: „Unsere Autos werden zu fahrenden Laptops“, sagt ein IT-Manager der deutschen Autoindustrie.

Für die IT-Industrie sind die Autos strategisch wichtig. „Es ist das noch fehlende Puzzlestück zwischen der Wohnung, wo wir stark vertreten sind, und dem Büro, das ohne IT nicht denkbar wäre“, sagt Intel-Manager Schwaderer.

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