Audi 100 Coupé S
Der Wagen für den Boss

Manchmal ist es ganz einfach: Wenn sich der Chef ein Auto wünscht, wird es einfach gebaut - ganz ohne Marktanalyse. So wie 1969 beim Audi 100 Coupé S. Doch mit dessen Design setzten die Ingenieure Maßstäbe.
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IngolstadtLudwig Kraus hatte ein Faible für schöne Autos. Besonders die sportlich geschnittenen Modelle hatten es dem Direktor der Entwicklungsabteilung und späteren Vorstandsmitglied der Auto Union angetan. Das Problem: In den 1960er Jahre hatte Audi noch nichts dergleichen im Programm. «Kraus wollte aber unbedingt ein Coupé als Dienstwagen», erzählt Ralf Friese von Audi in Ingolstadt. Die Lösung: «Der Chef beauftragte einfach seine Mitarbeiter, ein solches Auto zu entwickeln.» Das Ergebnis ist auch noch aus heutiger Sicht beeindruckend schön: das Audi 100 Coupé S.

«Kraus hatte ziemlich klare Vorstellungen davon, wie der Wagen aussehen soll» erzählt Heiko Feindt, Vorsitzender des Audi 100 Coupé S Clubs Deutschland (A.C.C.D.). Beim Design sollte sich der langjährige Audi-Chefstylist Hartmut Warkuß an den sportlichen Coupés aus Italien orientieren, denn die waren in den 60er und 70er Jahren stilbildend. Kein Wunder, dass das steil abfallende Heck an den Fiat Dino oder den Maserati Ghibli erinnert.

Bei der Entwicklung des Autos griffen die Ingenieure auf hauseigene Produkte zurück. «Das Coupé basiert auf der Bodengruppe der Limousine, deren Radstand allerdings um 115 Millimeter verkürzt wurde», erzählt Friese. «Bis zur A-Säule sind die Karosserieteile identisch.» Ab der B-Säule neigt sich das Dach des Coupés in elegantem Schwung leicht nach unten. Lufteinlässe hinter den Seitenscheiben, Doppelscheinwerfer und zwei Auspuffrohre unterstreichen den sportlichen Charakter des Autos.

Ausgestattet war das Audi 100 Coupé S, das 1969 auf der IAA der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, mit einem 85 kW/115 PS starken 1,9-Liter-Vierzylindermotor und leistete damit etwas mehr als die Limousine.

Geschafft hatten die Ingenieure diesen Kunstgriff mit Hilfe einer vergrößerten Zylinderbohrung und einer Solex-Zweivergaseranlage. Aufgrund verschärfter Abgasgesetzgebung wurden im Herbst 1971 allerdings geänderte Vergaser eingebaut. Die Motorleistung fiel dadurch auf 82 kW/112 PS.

Mit einem Spitzentempo von 185 km/h gehörte das Coupé auf der Autobahn zu den schnelleren Autos. Doch nach dem Fahrvergnügen kam mitunter die Ernüchterung: «Lange Vollgasfahrten vertrug der Wagen nicht», sagt Friese. «Oft gab es danach einen Motorschaden.» Zielgruppe für den Wagen waren vor allem gut verdienende Individualisten. «Das Wort Familie tauchte in den Prospekten immer ganz hinten auf», erzählt Friese. Dabei bietet das Auto vier Personen ausreichend Platz. «Und auch der Kofferraum ist riesig.»

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