Audi-Tochter
Lamborghini – Fesselnde Familienbande

Italien ist bekannt für Mütter, die ihre Nachkommen verhätscheln und auch noch lange in deren Leben hineinreden. Im Falle des Sportwagenherstellers Lamborghini dagegen hat es eine italienische Tochter mit einer deutschen Mutter zu tun – mit Audi.

MAILAND. Nach den guten alten Vorurteilen deutet das auf ein eher distanziertes Verhältnis zwischen Audi und Lamborghini hin, eine längere Leine mit mehr Freiraum für die italienische Tochter. Doch trifft das im Fall Lamborghini zu? Klar ist, dass Audi viel Geld in den italienischen Sportwagenbauer gesteckt hat und dafür auch Resultate sehen will. Dass die sich schon abzeichnen, hat das erste Halbjahr gezeigt. Unklar ist aber, wie die zum Volkswagenkonzern gehörende Mutter langfristig zu ihrer lieben Kleinen steht. Denn klein wird Lamborghini mit einer Stückzahl von 2000 auch in diesem Jahr bleiben.

Da stellt sich die Frage: Wie viel freien Raum lässt Audi der Tochter, sich nach ihren eigenen Plänen zu entwickeln? Die Tatsache, dass Audi mit dem R8 selbst einen Sportwagen auf den Markt bringt, lässt leichte Zweifel an der Mutterliebe aufkommen. Bei Lamborghini heißt es zwar, der neue Wagen sei keine Konkurrenz, weil er in einer ganz anderen Kategorie – sprich: einer niedrigeren Preisklasse – angesiedelt sei. Aber gelegentlich soll es ja Konkurrenzgefühle auch zwischen Müttern und Töchtern geben.

Selbst, wenn die Sportflitzer der beiden nicht um die selbe Kundengruppe buhlen, bleibt die Frage, wie weit die Eigeninteressen der Mutter die Entwicklungsarbeit der Tochter beeinflussen könnten. Was geschähe zum Beispiel, wenn Lamborghini seine Produktpalette von bisher zwei Sportwagen-Modellen, Murciélago und Gallardo, ausweiten wollte? Diese Frage ist umso heikler, als mittlerweile nicht nur Volkswagen im Gespann mit Audi ein Wörtchen mitzureden hat, sondern wohl auch Porsche. Mit der Entscheidung, sich als Großaktionär an VW zu beteiligen, zogen die Porsche-Vertreter auch in den Aufsichtsrat der Wolfsburger ein. Und so ist nicht mehr auszuschließen, dass die Stuttgarter versuchen könnten, ein Wort bei der Modellentwicklung mitzureden – auch bei der kleinen, schnellen Tochter südlich der Alpen.

Die Lamborghini-Führung wiegelt ab. Sie sieht keine Überschneidungen der Produktpaletten. Und sollte je ein drittes Modell gebaut werden, so heißt es, werde dies keins sein, das das heutige Sportwagensegment nach unten ausweiten, also mit Porsche direkt konkurrieren würde.

Die Stuttgarter haben sicherlich kein Interesse daran, die italienische Verwandtschaft in die Segmente der bezahlbaren Sportwagen oder der Luxus-SUVs (Sport Utility Vehicles, von Porsche mit dem Cayenne erfolgreich besetzt) vordringen zu lassen. So dürfte das zwei Jahre alte SUV-Modell, das in Lamborghinis Design-Büro steht, tatsächlich nur ein Entwurf bleiben.

Aber auch in Sant'Agata bei Modena denkt man über neue Modelle nach. Nur: welche Möglichkeiten bleiben, wenn Audi, Volkswagen und Porsche fast die gesamte Palette abdecken? Will Lamborghini seinen Ursprüngen treu bleiben, ist das Unternehmen mit dem Stier im Wappen ohnehin auf das hochpreisige Luxussegment festgelegt. Dort macht es vor allem den Roten von Ferrari Konkurrenz.

Angesichts der verzwickten Familienverhältnisse im VW-Verbund wäre der Verkauf von Lamborghini eine Alternative. Nachdem Audi so viel Geld in die Tochter hineingesteckt hat, erscheint das allerdings kaum sinnvoll – jetzt, da das Unternehmen wieder Gewinne abwirft.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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