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Ausbruch aus der Elektronik-Falle

Elektronik im Auto ist etwas Schönes. Sie steuert den Motor, bringt den Fahrer mit dem Navigationssystem ans Ziel und hilft, Unfälle zu verhindern. Das Problem: Sie arbeitet oft nicht wie vorgesehen.

dpa/gms STUTTGART. Elektronik im Auto ist etwas Schönes. Sie steuert den Motor, bringt den Fahrer mit dem Navigationssystem ans Ziel und hilft, Unfälle zu verhindern. Das Problem: Sie arbeitet oft nicht wie vorgesehen.

Elektronik-Macken nehmen einen immer größeren Anteil bei den Pannen-Ursachen ein. Hersteller und Zulieferer arbeiten verstärkt an Konzepten, dies zurückzuschrauben.

Wie groß das Ärgernis ist, hat Prof. Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) der Fachhochschule Gelsenkirchen untersucht - auf Basis der Adac-Pannenstatistik. Er nahm Aussetzer junger Modelle im Alter von drei bis fünf Jahren unter die Lupe. Bei ihnen haben Elektronik-Pannen einen Anteil von fast 60 Prozent. Der Anteil ist rasant gestiegen: 1999 wurden erst 50,5 Prozent der Pannen auf entsprechende Mängel zurückgeführt.

Nicht nur bei der Panne unterwegs ist die Elektronik ein Thema. „Auch in den Werkstätten wächst der Anteil der Elektronik-Arbeiten in Hinblick auf Wartung und Reparatur“, sagt Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn. Auch hier geht es vornehmlich um junge Autos.

Mit Elektro-Pannen ist nicht immer ein Schaden in einem wichtigen Steuergerät verbunden. „Bei 30 bis 40 Prozent handelt es sich um Probleme mit der Batterie“, sagt Stephan Kraus vom Zulieferer Bosch in Stuttgart. Die Batterie komme wegen der Elektronik oft an ihre Leistungsgrenze.

Daneben gibt es Probleme, die wirklich in den Tiefen der Systeme stecken. Daher engagieren sich Hersteller und Zulieferer im Rahmen des Projekts Autosar (Automotive Open System Architecture) für die Entwicklung einer Standard-Systemarchitektur für Fahrzeuge - im Prinzip ein einheitliches Betriebssystem. Es soll es vereinfachen, neue Technologien an diese Basis anzupassen.

Außerdem wird künftig wohl nicht mehr jede mögliche Spielerei zum Einsatz kommen. Laut Kraus ist Elektronik zwar nicht mehr aus dem Auto wegzudenken. „Doch man muss sich fragen, was notwendig ist und was nicht.“ Die Abgase könnten ohne Elektronik nie so gut gereinigt werden. Auch auf ABS, Airbags oder das Stabilitätssystem ESP will wohl niemand verzichten.

Dass es aber Verzichtbares gibt, hat unter anderem Daimler-Chrysler erkannt. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 2003 mehr als 600 Funktionen wieder entfernt, weil niemand sie brauchte. „Es gab einen Windabweiser am Schiebedach, dessen Anstellwinkel geschwindigkeitsabhängig verändert wurde“, nennt Sprecherin Edith Meissner ein Beispiel. Und immer noch habe eine S-Klasse heute mehr Elektronik an Bord, als zur Mondlandung notwendig gewesen ist.

Doch Autokäufer müssen nicht warten, bis die Hersteller alles ins Reine gebracht haben: So weist Jochen Hövekenmeier vom Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main auf die zweijährige Sachmängelhaftung hin. Wenn etwa eine Batterie wegen der Elektronik versagt, sei das ein Sachmangel. „Dann hat man Anspruch darauf, dass ein solcher Mangel beseitigt wird.“ Wenn alle Werkstatt-Kunst nicht hilft, könnte am Ende ein Rückgängigmachen des Kaufs anstehen.

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