Außer Mode oder der Zeit voraus
Autodesign braucht Mut

Mit dem Auto ist es wie mit der Mode - irgendwie und irgendwann ist alles schon einmal da gewesen. Der technologische Fortschritt eröffnet immer wieder neue Möglichkeiten, und die Freiheiten der Designer wachsen mit jeder Neuentwicklung in Marketing und Materialforschung.

dpa/gms GELSENKIRCHEN/PFORZHEIM. Doch für fast alle aktuellen Trends am Automobilmarkt gibt es Vorbilder aus den vergangenen 50 Jahren. So sind die Hersteller auf der Suche nach neuen Nischenmodellen zwar kreativ, werten aber häufig ihre eigenen Archive aus: „Die Idee von der kompakten Großraumlimousine zum Beispiel hat Fiat bereits mit dem Fiat 600 Multipla der sechziger Jahre vorweg genommen“, sagt Marktforscher Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. „Auch das Cabriocoupé des Peugeot 206 CC basiert auf einer Idee aus den dreißiger Jahren: dem Peugeot 402 Eclipse.“

Ebenfalls einen geistigen Paten in der Vergangenheit haben laut Dudenhöffer der VW Polo Fun, der Rover Streetwise oder der Honda HR-V: „Einen PKW mit der Optik eines Geländewagens hat es mit dem Talbot Rancho schon in den siebziger Jahren gegeben.“

Diese Liste lässt sich auch mit Blick auf die bevorstehende Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt fortsetzen: Das gerüchteweise geplante, „Shooting-Break“ genannte Kombi-Coupé auf Basis des BMW Z4 ginge in die Richtung des geschlossenen Z3 und des legendären „Schneewittchensargs“ von Volvo. Und falls VW in Frankfurt tatsächlich einen Geländewagen auf Golf-Basis präsentiert, ist das zumindest indirekt der Nachfolger des Golf Country von 1990.

Schon damals urteilte das Fachmagazin „Off-Raod“, dass sich der Wagen „exakt in die Lücke einfügt, die sich dann auftut, wenn man Geländewagen nach herkömmlicher Interpretation und straßengebundene Allrad-PKW etwas weiter auseinander rückt.“ Schade für VW, dass sich in dieser Lücke jetzt viele andere Anbieter breitgemacht haben.

Auch unter dem Blech erleben viele Entwicklungen eine Wiederkehr. Zum Beispiel ist das elektronisch gesteuerte Kurvenlicht nach Angaben von Citroën-Sprecher Thomas Albrecht keine echte Innovation. Mit mechanischen Mitteln habe es das schon vor 30 Jahren im Citroën DS gegeben. Und noch eine Entwicklung haben die Franzosen damals vorweggenommen: „Das Auto verfügte über eine hydropneumatische Federung – ein Thema, das mit der Luftfederung in Geländewagen und bei Limousinen wieder hoch aktuell ist“, sagt Dudenhöffer.

Auch das im VW-Konzern derzeit hoch gelobte DSG-Getriebe ist nicht neu. „Die Idee von der Doppelkupplung gab es bei Ferdinand Porsche schon vor 50 Jahren“, erläutert Audi-Sprecher Jochen Grüten in Ingolstadt. „Doch erst mit der heutigen Elektronik konnte das System so konstruiert werden, dass es nicht nur im Gelände oder auf der Rennstrecke, sondern auch im Alltag komfortabel funktioniert.“

Für vermeintliche Flops der Gegenwart sieht Dudenhöffer deshalb durchaus eine Zukunft: „So könnte das gescheiterte Van-Coupé Avantime von Renault mit gefälligerem Design und besserer Qualität durchaus in den aktuellen Trend von Crossover und Raumökonomie passen“. Und auch für den Audi A2 gibt der Experte die Hoffnung nicht auf.

Dass vor allem ein Design nicht immer auf Anhieb gefällt, liegt nach Einschätzung von Hasip Girgin, Design-Dozent an der Fachhochschule Pforzheim, in der Natur der Sache. „Wer Design macht, der muss Neues ausprobieren und auch mal provozieren, selbst wenn er damit einen Flop riskiert.“

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