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Auto-Absatztrends: SUV = Senioren und Versehrte

Glaubt man Marketingabteilungen und der Werbung, so haben alle Autohersteller junge Kunden. Die Realität sieht anders aus. Und das bringt die gute alte Stufenheck-Limousine vielleicht in ein frühes Grab. Ein Kommentar.

Erfüllen sich die Hoffnungen von Limousinen- und Sportwagen-Fans, dann landen SUV möglichst bald im Museum. Leider ist im Moment das Gegenteil der Fall, sie verstopfen Straßen und Parkhäuser. Quelle: dapd
Erfüllen sich die Hoffnungen von Limousinen- und Sportwagen-Fans, dann landen SUV möglichst bald im Museum. Leider ist im Moment das Gegenteil der Fall, sie verstopfen Straßen und Parkhäuser. Quelle: dapd

DüsseldorfDie Springer-Kollegen haben ja so was von recht. SUV stehe gar nicht für Sports Utility Vehicle, hieß es neulich in der Auto Bild, die drei Buchstaben bedeuteten Senioren und Veteranen. Sorry, liebe Tiguan-Fahrer, aber das stimmt und dafür gibt es neue Beweise.

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Den ersten liefert Auto-Professor Dudenhöffer, der aktuell in einer Untersuchung belegt, dass die aufgeplusterten Möchtegern-Geländewagen 2011 allen anderen Fahrzeugformen bei den Zulassungen weit enteilten. Die klassische Stufenheck-Limousine droht bald sogar auszusterben, angeblich finden nur Chinesen und schrullige Youngtimer-Sammler die Sänftenform von Santana bis Phaeton noch so richtig geil.

15,7 Prozent Marktanteil für SUVs im Januar 2012 bei den Neuzulassungen, das ist ein eindeutiger Trend. Und wer kauft so was? Der Erfahrungsaustausch mit anderen Auto-Journalisten zeigt: Junge Menschen ganz gewiss nicht. Selbst bei flammneuen Wunschautos, die die Hersteller den Redaktionen für 14-tägige Testfahrten vorbeibringen, vollgetankt vor die Tür stellen und wieder abholen, winken (fast) alle ab, wenn es um Off-Roader für die Stadt geht.

Viele könnten sich privat die überdimensionierten Spritschlucker sowieso nicht leisten, sie leben in Großstädten mit Parkplatznot, sind an Fahrrad, Zug, Kleinwagen und Car-Sharing gewöhnt, da fällt es schon schwer positive Argumente aufzuschreiben.

Handelsblatt Online-Redakteur Frank G. Heide
Handelsblatt Online-Redakteur Frank G. Heide

Die fallen meinem Nachbarn dafür sofort ein, er kann gar nicht mehr damit aufhören, seitdem er seinen alten 7er BMW gegen einen X3 eingetauscht hat. Den Wagen braucht der rüstige selbstständige Unternehmer, der pro Jahr weniger als 10.000 Kilometer fährt, weil er jetzt offiziell das Rentenalter erreicht hat. Seit zwei Jahren und trotz drei Operationen schmerzt zudem das rechte Knie.

Offen gibt er zu, dass sein Auto Eindruck auf andere machen soll, aber er schätzt auch den bequemen Einstieg, die erhabene Sitzposition und das Gefühl, sicher aufgehoben zu sein in einem deutschen Premiumprodukt, das stets in Übereinstimmung mit geltenden Verkehrsvorschriften bewegt wird. Allradantrieb sei ja auch sicherer, verrät er mir, vor allem im Winter. Winter? In Krefeld? In Urlaub fährt er mit dem Auto ja nicht, ist einfach zu weit. Auch wegen des Knies.

Klar, der X5 wäre ihm schon noch lieber gewesen, der macht ja auch mehr her. Probe gefahren hat er ihn. Und mir verraten: Der Wagen passt nur knapp in die alte Garage, die Türen würden aber an der Wand anschlagen, schon beim rückwärts raussetzen wäre er unsicher. Zu unübersichtlich das Trumm.

Da war ich dann wieder ein bisschen beruhigt. Ist das der Anfang vom Ende der SUV-Dinosaurier? Nicht der Klimawandel, der Spritverbrauch, die Stoßstange auf Höhe eines Kleinkindkopfes oder der überflüssige Vierradantrieb. Nein, die schiere Größe, ist es, die nun auch die Senioren erschreckt. Dabei haben die als einzige noch das Geld.

Statistisch gesehen erreichen SUV-Absätze ja gerade ein neues Allzeithoch. Und Autoexperte Dudenhöffer spricht sogar von 18 Prozent SUV-Neuwagenanteil bis 2015.

Ich glaube, es geht bald abwärtsmein ganz persönlicher Rentner-Indikator spricht dafür. Haltet durch, liebe Limousinen und Sportwagen, noch gibt es Hoffnung.

  • 04.04.2012, 23:33 UhrAnonymer Benutzer: W.Zimmermann

    Das Witzeln über Rentner und Versehrte ist reichlich unpassend. Leben sie mal "auf dem Dorf", sind im Seniorenalter und haben einen Ehepartner, der auf den Gehwagen angewiesen ist. Das Ereignis des Tages für ein solches altes Paar besteht in der gemeinsamen Fahrt zu Aldi und anschließendem Kaffee nebenan bei Tchibo. Als Tagesereignis für beide funktioniert das dank des Gehwagens, den frau ohne Ladekante und ohne Falt- und Klapp-Gehampel hinten in den SUV stellen kann.

  • 27.03.2012, 11:58 UhrAnonymer Benutzer: Olof

    Wahrscheinlich waeren die Ressentiments gegen Suff-Fahrer kleiner, wenn die Herrschaften (oder Blondchen), die diese Fahrzeuge lenken, es mal schaffen wuerden, ihre Scheinwerfer so einzustellen, dass sie nicht alle anderen Fahrer auf Autobahnen blenden wuerden (locker 80% aller Autos, die nachts auf Autobahnen von hinten so richtig reinblenden, sind Suffs), und sich an die geltende Verkehrsordnung zu halten.
    Das hilft dann zwar immer noch nicht dagegen, dass man ueber die Dinger von hinten nicht druebersieht, sie in Parkhaeusern mal locker 1,5 Parkplaetze besetzen (durch doofes Parken..."macht ja nichts, mir gehoert die Welt"). Zum Glueck muss nicht jeder sein Ego auf der Strasse spazierenfahren.

  • 27.02.2012, 12:57 UhrGaestle

    ...Oder einen Golf Plus. Den fahren verschiedene Rentner und Versehrte in meinem Bekanntenkreis.

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