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Erste Hilfe soll einfacher werden

Erste Hilfe soll einfacher werden. Das haben neue Leitlinien des Europäischen Beirats zur Wiederbelebung zum Ziel.

dpa/gms MüNSTER/MüNCHEN. Erste Hilfe soll einfacher werden. Das haben neue Leitlinien des Europäischen Beirats zur Wiederbelebung zum Ziel.

Damit soll den bisher unübersichtlichen Empfehlungen für die Herz-Lungen-Wiederbelebung ein Ende bereitet und die Hemmschwelle gesenkt werden, im Notfall Hilfe zu leisten. So sollen künftig die Zahl der Helfer und das Alter des Unfallopfers keine Rolle mehr spielen.

In den Erste-Hilfe-Kursen spiegeln sich die Änderungen noch nicht wider. Derzeit würden bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste die Lehrpläne abgestimmt, sagt Daniela Schwenk vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Berlin. „Bis Januar 2007 sollen sich alle neuen Richtlinien in den Lehrunterlagen und Kursen wiederfinden.“

Die Regeln betreffen vor allem die Herzdruckmassage. Sie wird angewendet, wenn bei einem Bewusstlosen die Atmung und das Herz zum Stillstand gekommen sind. „Untersuchungen haben belegt, dass sich viele bei der Ersten Hilfe zurückhalten, besonders wenn es um die Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) geht“, erläutert Rico Kuhnke, Teamleiter Rettungsdienst an der Johanniter-Akademie in Münster.

Ob ein oder zwei Helfer da sind, mache künftig keinen Unterschied mehr, sagt Almut Schönermarck, Verkehrsmedizinerin des Adac in München. Die bisherige Empfehlung, nach der ein Helfer je fünf Mal aufs Herz drückt, während der andere das Opfer dazwischen je zweimal beatmet, fällt weg. Stattdessen sollen sich zwei Helfer im Verhältnis 30 zu zwei abwechseln. Damit arbeiten sie in exakt dem Rhythmus, der nun auch einzelnen Helfern geraten wird. Statt 15 zu zwei gilt somit auch für diese: jeweils 30 Herzdruckmassagen im Wechsel mit zwei Atemspenden.

Unerheblich ist laut den Leitlinien des Europäischen Beirats zur Wiederbelebung (ERC) künftig auch das Alter des Opfers: „Wenn sie bei allen 30 zu zwei machen, ist das besser, als wenn sie verunsichert sind und gar nichts machen“, erläutert Kuhnke von der Johanniter-Akademie.

Ebenfalls neu ist, dass nicht mehr zuerst der Puls geprüft werden muss. Ist der Verunglückte nicht ansprechbar und ist seine Atmung sichtbar abnormal oder fehlt ganz, sollte laut Kuhnke sofort mit der Massage begonnen werden. „Selbst wenn ein Herzschlag noch vorhanden ist, hat die Herzdruckmassage keinen negativen Einfluss darauf.“

Den Start der HLW markiert künftig die Herzdruckmassage. Auf das bisher übliche zweimalige Beatmen vor dem ersten Drücken kann verzichtet werden. „Das Wichtigste ist, Zeit zu sparen und möglichst schnell einen kontinuierlichen Kreislauf herzustellen“, erklärt Adac-Ärztin Schönermarck.

Auch der empfohlene Druckpunkt – die Stelle, an der der Handballen auf dem Brustkorb aufsetzt – wurde neu definiert: Er befindet sich nun etwa auf der Mitte des Brustkorbs. „Es macht keinen Unterschied, ob der Druckpunkt einen Zentimeter höher oder tiefer liegt“, sagt Kuhnke. Wichtiger ist, dass das Drücken korrekt ausgeführt wird: senkrecht von oben und bei einem Erwachsenen fünf Zentimeter tief.

Die Notwendigkeit, selbst Erste Hilfe leisten zu müssen, kann früher eintreten, als den meisten lieb ist. Und nicht immer sind es Fremde, deren Leben vom sicheren Beherrschen der Rettungsmaßnahmen abhängt: „Herzkreislaufstörungen wie Infarkte treten häufiger im häuslichen Umfeld als im Straßenverkehr auf“, sagt Schönermarck. „Man tut im Zweifel also seinen Angehörigen etwas Gutes.“

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