Auto
Motor-Tuning birgt Risiken

Der Gebrauchte ist nicht gerade in bestem Zustand. Er hat schon rund 170 000 Kilometer auf dem Buckel. Doch der Käufer will für ein neues Auto nicht viel Geld ausgeben und das Gesparte lieber in Tuning-Zubehör investieren.

dpa/gms KLETTWITZ. Der Gebrauchte ist nicht gerade in bestem Zustand. Er hat schon rund 170 000 Kilometer auf dem Buckel. Doch der Käufer will für ein neues Auto nicht viel Geld ausgeben und das Gesparte lieber in Tuning-Zubehör investieren.

Eine so richtig heiß gemachte Kiste - für manche Tuning-Fans endet dieser Traum allerdings mit bösem Erwachen: Nach Ansicht von Experten birgt Motor-Tuning bei älteren Fahrzeugen erhebliche Risiken.

Je länger ein Fahrzeug in Betrieb ist, desto größer ist nach Angaben von Joachim Wein, Sachverständiger beim TÜV Nord in Hannover, der Verschleiß. Motor, Getriebe und Fahrwerk zeigen mit zunehmendem Alter und Kilometerstand mehr Abnutzungserscheinungen. Hinzu kommt, dass laut Wein eine Leistungssteigerung etwa durch Chiptuning den Verschleißvorgang beschleunigt.

Wie stark Chiptuning die Technik beanspruchen kann, lässt sich aus Tests des Dekra-Prüflabors in Klettwitz (Brandenburg) schlussfolgern. Die Sachverständigen haben die Auswirkungen von Chiptuning-Sätzen für einen VW Golf V untersucht. Dabei wurden laut Dekra-Experte Steffen Schmidt Abgastemperaturen von 200 Grad über der Serientemperatur gemessen. Außerdem wurden Turbolader-Drehzahlen festgestellt, die 10 000 Umdrehungen pro Minute über der Werksauslegungsdrehzahl lagen. „Wenn ich ein Fahrzeug in diesen Ausmaßen tune, ist das mit einer spürbaren thermischen Mehrbelastung verbunden“, erklärt Schmidt.

Nach Angaben von Jens Hadler, Leiter der Dieselmotorenentwicklung bei VW in Wolfsburg, sind die Folgeschäden von Motor-Tuning in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. So gingen mittlerweile ein Drittel bis die Hälfte der in VW-Vertragswerkstätten festgestellten Schäden an Turboladern auf Chiptuning zurück.

Pauschale Aussagen, ab welcher Laufleistung ein Motor-Tuning für Fahrzeuge riskant wird, lassen sich laut Dekra-Experte Schmidt nicht machen. Ein hoher Kilometerstand ist nicht zwangsläufig bedenklich: „Die Laufleistung der Serienmotoren wird immer größer. 200 000 bis 300 000 Kilometer sind bei sorgfältiger Wartung keine Seltenheit mehr“, sagt Schmidt.

Tuning-Anbieter gewähren für das Umrüsten älterer Fahrzeuge mit hohem Kilometerstand keine Garantie. In der Regel gibt es sie nur für maximal zwei Jahre alte Autos mit einer Laufleistung bis 100 000 Kilometer. Das ist auch bei Abt Sportsline in Kempten so. „Das Risiko ist einfach größer“, sagt Abt-Sprecherin Marieke Teunissen. Die Verantwortung, ob einem Gebrauchten ein Motor-Tuning zuzumuten ist, liegt daher beim Besitzer. Er allein trägt auch das Risiko - und zwar auch für nach dem Tuning-Eingriff aufgetretene Schäden an der übrigen Technik, wie Arnulf Volkmar Thiemel vom Adac-Technikzentrum in Landsberg (Bayern) zu bedenken gibt.

Um die Risiken genauer abschätzen zu können, müsste ein älteres Fahrzeug zunächst komplett durchgecheckt werden - inklusive Motor- und Ölanalyse. „Das muss aber der Kunde machen“, sagt Abt-Sprecherin Teunissen. Adac-Experte Thiemel rät, auf den Zustand des Fahrzeugs zu achten: „Wenn der Motor schon leckt, macht es wenig Sinn, noch Geld in ein Motor-Tuning zu investieren.“

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