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Neue Ideen für mehr Verkehrssicherheit

Sehen und gesehen werden: Darauf kommt es nicht nur in Szenelokalen, sondern auch im Straßenverkehr an. Denn die Unfallstatistik spricht eine deutliche Sprache: Autofahrten bei Dämmerung und Dunkelheit sind ebenso anstrengend wie gefährlich.

dpa/gms NEUSS/STUTTGART. Sehen und gesehen werden: Darauf kommt es nicht nur in Szenelokalen, sondern auch im Straßenverkehr an. Denn die Unfallstatistik spricht eine deutliche Sprache: Autofahrten bei Dämmerung und Dunkelheit sind ebenso anstrengend wie gefährlich.

Unfallforscher von Mercedes in Stuttgart haben ermittelt, dass die Nachtstunden im Unfallgeschehen überrepräsentiert sind: „Obwohl das Verkehrsaufkommen durchschnittlich 80 Prozent geringer ist als am Tag, geschieht in Deutschland in dieser Zeit jeder vierte schwere Unfall. Etwa ein Drittel aller Unfallopfer kommen nachts zu Tode.“

Die Autoindustrie reagiert darauf und will den Fahrern mit „intelligenten Scheinwerfern“ und so genannten Nachtsichtsystemen buchstäblich die Augen öffnen. Weil die Scheinwerfer ihren Lichtkegel der Fahrsituation anpassen und Infrarot-Kameras den Sichtbereich teilweise mehr als verdoppeln, sollen Fahrer die Gefahrenquellen früher erkennen und entsprechend besser darauf reagieren können.

Außerdem sorgen neue Rück- und Bremslichter dafür, dass auch der nachfolgende Verkehr besser sieht als bisher. Statt Glühbirnen kommen zum Beispiel Leuchtdioden zum Einsatz, die nach Angaben von Audi in Ingolstadt schneller reagieren und früher wahrgenommen werden. Bei BMW vergrößert sich die Leuchtfläche jeweils mit der Bremskraft, bei der neuen Mercedes-E-Klasse beginnt sie bei einer Gefahrenbremsung zu blinken. „Dieses Blinken nimmt der Hintermann deutlich früher wahr und spart so bei Tempo 90 eine Fahrzeuglänge Bremsweg, die mitunter entscheidend sein kann“, sagt Mercedes-Baureihenchef Michael Krämer.

Doch so hilfreich der technische Fortschritt auch ist: Bislang sind solche Systeme fast nur von der Mittelklasse an aufwärts und in Gebrauchtwagen überhaupt nicht verfügbar. Außerdem lässt sich die Sicherheit nicht nur mit einer besseren Sicht, sondern auch mit einer besseren Sichtbarkeit erhöhen, heißt es beim Automobilclub Adac in München. Dort raten die Experten Autofahrern ebenso wie Radlern und Fußgängern, dafür zu sorgen, dass sie bei Dämmerung und Dunkelheit rechtzeitig von anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen werden.

So empfiehlt der Adac Fußgängern reflektierende Accessoires oder Kleidungsstücke mit eingearbeiteten Reflektoren. „Dunkle Kleidung ist aus maximal 30 Metern Entfernung zu sehen, helle dagegen reflektiert aus 150 Metern Abstand“, so ein Adac-Sprecher. Für Radfahrer gibt es neben den vorgeschriebenen Reflektoren jetzt zum Beispiel neuartige reflektierende Fahrradspeichen. Sie sind mit einer Spezialfolie beklebt und werfen das Scheinwerferlicht zurück. Der Hersteller 3M in Neuss erhofft sich davon ein deutliches Sicherheitsplus. Schließlich weise die Unfallstatistik für 2004 fast 75 000 Unfälle mit Radfahrern aus - jeder fünfte ereignete sich während der Dämmerung oder nachts.

Auch für das Auto sehen die Entwickler neue Möglichkeiten. 3M hat zum Beispiel ein selbst leuchtendes Kfz-Kennzeichen entwickelt, das gerade an 300 Fahrzeugen seinen letzten Test absolviert. Es soll dem Unternehmen zufolge zum Jahresende für Preise zwischen 70 und 90 Euro als Nachrüstset für das Heck des Fahrzeugs angeboten werden und in einigen Jahren auch bei Neuwagen verfügbar sein. Bei dem neuen Schild wird die Helligkeit mit Licht emittierenden Dioden (LED) und einer reflektierenden Kunststofffolie auf dem Kennzeichen verteilt. Damit werde das Kennzeichen gleichmäßiger beleuchtet, so dass Buchstaben und Ziffern besser lesbar sind. Bei schlechtem Wetter, Dunkelheit oder Verschmutzungen sei sogar das ganze Fahrzeug besser zu erkennen.

Noch weiter geht der japanische Motorradhersteller Yamaha mit dem Elektroroller EC-02, der gerade auf den Markt gebracht wird. Er verfügt laut dem Unternehmen über eine völlig neue Folienbeschichtung mit einer phosphoreszierenden Oberfläche, die tagsüber Sonnenlicht speichert und den Roller nachts buchstäblich aufglühen lässt. Damit könnte das Zweirad nicht nur zu einem Star vor den Szenelokalen werden, sondern vor allem auf dunklen Strecken besser zu sehen sein.

Während die Technologien zur Verbesserung der Sichtbarkeit bei Zweirädern und Autos noch in den Kinderschuhen stecken, sind sie bei Lastwagen in Modellversuchen bereits weit verbreitet. So laufen seit einigen Jahren Projekte, bei denen die LKW-Rückseiten mit reflektierenden Konturmarkierungen und leuchtender Werbung bedruckt werden. Studien der Technischen Universität Darmstadt haben ergeben, dass die Zahl nächtlicher Aufprallunfälle mit LKW-Beteiligung dadurch um gut 90 Prozent gesenkt werden könnte, erklärt der Reifenhersteller Continental aus Hannover, der an den Versuchen beteiligt ist.

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