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Reisemobile: Es muss nicht immer Nutzwert sein

dpa/gms DüSSELDORF. Es könnte auch um Küchen gehen: Würde jemand die Neuheiten-Präsentationen der großen Hersteller auf dem Caravan Salon in Düsseldorf mit geschlossenen Augen verfolgen, dann wären Gedanken an Küchenschränke nicht auszuschließen.

Die Moderatoren bemühen fleißig Begriffe wie Nutzwert und Stauraum, sprechen von Flexibilität und Funktionalität. So etwas wie Emotionen kommt eher am Rande vor - wenn beispielsweise von der vollverglasten Bughaube geschwärmt wird, die eine Art Cabriogefühl auf der großen Tour vermitteln soll.

Tatsächlich gibt es aber auch Reisemobil-Anbieter die nicht nur den reinen Nutzen, sondern Luxus und edles Design bei ihren Fahrzeugen in den Vordergrund stellen - nur zeigen sich solche Aussteller eher zurückhaltend und leise. Es sind oft die hinteren Ecken der Hallen, in denen die eigentlichen Traummobile versteckt sind. Doch gerade diese Orte sind es, an denen Besucher mit oft träumerischem Blick verharren. Der Stand des Herstellers Volkner aus Wuppertal zum Beispiel: Hier zeigen schon von weitem die wuchtigen Karossen der Fahrzeuge, dass etwas Besonderes zu sehen ist - zum Beispiel ein knapp elf Meter langer fahrbarer Wohnraum mit allen erdenklichen Extras.

Das Ungewöhnlichste an einem gerade erst fertig gewordenen Mobil findet sich allerdings zwischen den Rädern. Während andere Hersteller von Luxusmobilen ihren Kunden bestenfalls die Möglichkeit bieten, in einer Heckgarage ein Kleinstmobil vom Schlage eines Smart Fortwo mitzunehmen, geht man hier einen Schritt weiter. Weil die verwöhnte Kundschaft im Alltagsleben schließlich auch einen entsprechenden PKW bewegen möchte, kann das Volkner-Mobil sogar einen SLK von Mercedes oder einen BMW Z4 mit auf die Reise nehmen. Der findet unterwegs in einer eigens patentierten Garage Platz, die zwischen den Rädern des „Mutterschiffs“ unterhalb des Wohnraums hängt.

Natürlich hat so etwas seinen Preis - das ausgestellte Fahrzeug wird für 855 000 Euro angeboten. Der Kundenkreis ist dementsprechend recht exklusiv. „Viele unsere Kunden sind Industrielle, die ihren Urlaub oft nicht weit im Voraus planen können“, sagt Stephanie Emgen von Volkner. „Diese Menschen möchten sich eben dann, wenn gerade einmal Zeit ist, in ihr Wohnmobil setzen und losfahren können.“

Die absolute Krönung des Reisemobilbaus ist aber selbst ein solches Fahrzeug nicht. Die Teschner Motorhome Manufacture aus Brehna (Sachsen-Anhalt) stellt mit dem XL II Ultimate Class Prevost ein nach Kundenwunsch gefertigtes Reise-Schloss vor, das einen Wert von 1,7 Mill. Euro darstellt. Schon äußerlich unterscheidet sich das Einzelstück nicht nur durch seine zwölf Meter Länge von herkömmlichen Modellen: Schwarzer Lack und eine Beplankung aus glänzendem Edelstahl lassen es Respekt einflößend und edel wirken.

Die Innenausstattung steht einer teuren Hotelsuite in nichts nach. Flauschige Teppiche, Leder sowie zwei ausfahrbare Erker zählen zu den Selbstverständlichkeiten. Im Bad des Schaustücks fließt das Wasser gar aus den sprichwörtlichen goldenen Hähnen. Es gibt den XL II übrigens auch in einer so genannten Standardausstattung - die kostet dann nur 1,2 Mill. Euro.

Um sich ein Reisemobil der besonderen Art zu gönnen, muss zwar durchweg recht tief in die Tasche gegriffen werden - aber nicht immer gleich so tief wie beim XL II. Der Labrador der gleichnamigen Firma aus Neumarkt in Österreich zum Beispiel soll keine Kunden ansprechen, die Wohnkomfort auf Villen-Niveau suchen, sondern solche, die Monate oder Jahre lang die entlegensten Winkel der Erde erkunden wollen. „Die Idee dafür ist entstanden, als wir uns selber nach einem Fahrzeug für solche Unternehmungen umgeschaut haben“, erklärt Firmenchef Anton Nösch. Weil man aber nichts fand, das den Ansprüchen gerecht wurde, machte der Ingenieur sich selbst ans Werk.

Entstanden ist ein geländetaugliches Fahrzeug auf Basis des Mercedes Unimog, das nun in Düsseldorf seine Weltpremiere erlebt. Wert gelegt hat Nösch vor allem auf Langlebigkeit - was sich auch dadurch ausdrückt, dass Wasserleitungen und Ähnliches nicht etwa aus Kunststoff sind, sondern wie beim Gebäudebau unter anderem aus Edelstahl bestehen. Rohre wurden außerdem verschweißt. „Die Preise für den Labradoror beginnen bei rund 200 000 Euro“, sagt Nösch. Nach oben sind aber kaum Grenzen gesetzt. „Im Moment entwickeln wir gerade eine Version für einen Scheich.“ Für den dürften die Summen von mehr als 300 000 Euro kein Problem sein.

Eine Alternative in der Kategorie der „preiswerten“ Luxus-Mobile findet sich beim Norwegischen Anbieter Hatcher Norge: Der versorgt Europa mit US-amerikanischen Reisemobilen der Marke Dynamax. Ein Fahrzeug wie das Modell Grand Sport kommt auf eine Länge von elf Metern, wird von einem 224 kW/300 PS starken Motor mit 7,2 Litern Hubraum angetrieben und hat Unmengen von Luxus an Bord.

Den 23-Zoll-Fernseher gibt es ebenso wie Lederpolster, Bodenfliesen, einen Kühlschrank mit Eismaschine oder sogar die Waschmaschine samt Trockner. Und wer den Gedanken an den XL II von Volkner nicht loswird, dürfte spätestens beim Preis ins Nachdenken kommen. Schließlich gibt es für den Preis des Volkner-Riesen in der Basisausstattung mindestens drei dieser Autos - der Grand Sport kostet „nur“ 350 000 bis 400 000 Euro.

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