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Auto-Schiebetüren werden elektrisch

Das Ein- und Aussteigen in engen Parklücken gerät leicht zur akrobatischen Einlage. Umso komplizierter wird es, wenn auch noch Einkaufstüten durch den Türspalt zu bugsieren sind. Elektrische Schiebetüren bieten in solchen Fällen Vorteile.

dpa/gms WUPPERTAL/MÜNCHEN. Das Ein- und Aussteigen in engen Parklücken gerät leicht zur akrobatischen Einlage. Umso komplizierter wird es, wenn auch noch Einkaufstüten durch den Türspalt zu bugsieren sind. Elektrische Schiebetüren bieten in solchen Fällen Vorteile.

Weil sie sich per Knopfdruck parallel zum Auto öffnen, ist das Fahrzeug auch in engen Lücken noch bequem zugänglich - und die Einkäufe müssen dazu nicht einmal mehr aus der Hand gelegt werden. Darüber hinaus bieten die High-Tech-Türen mit einem automatischen Einklemmschutz ein nützliches Sicherheitsmerkmal.

Waren elektrische Schiebetüren bislang den Großraumlimousinen vorbehalten, werden sie wegen des Komfortvorteils nun auch in Kleinwagen eingebaut. Jüngstes Beispiel ist der Peugeot 1 007, den der französische Hersteller von Mitte 2005 an in Deutschland verkaufen will. Statt vorne angeschlagener Türen besitzt die 3,73 Meter lange „Minivan-Limousine“ auf beiden Seiten elektrische Schiebetüren. Sie erlauben laut Peugeot Deutschland in Saarbrücken „eine nie gekannte Zugangsfreiheit“ und machen sich beim Einparken unbemerkbar: Sie gleiten nach Betätigen der Fernbedienung langsam zurück, ohne die Länge des Autos und die Breite der Außenspiegel zu überschreiten.

Die „Sésame“-Türen werden in Schienen entlang der Karosserie geführt. Der Antrieb erfolgt über einen Elektromotor, der durch einen Seilzug mit der Tür verbunden ist. Einen ähnlichen Mechanismus hatte Peugeot bisher nur als Extra in der Großraumlimousine 807 eingebaut. Auch die nahezu baugleichen Vans Fiat Ulysse, Lancia Phedra und Citroën C8 sowie der T5 Multivan von Volkswagen besitzen in einigen Ausstattungsvarianten derartige Türsysteme. In den Klassen darunter ist die Technik - noch dazu als Serienausstattung - aber ein Novum.

Im Vergleich zu mechanischen Schiebetüren, die in engen Parklücken nicht weniger praktisch sind, besitzt die elektrische Variante einen entscheidenden Sicherheitsvorteil: Mechanische Schiebetüren müssen oft mit „einem gewissen Ruck“ zugezogen werden, sagt Hubert Paulus vom Technikzentrum des Adac in Landsberg (Bayern). „Dabei ist die Verletzungsgefahr höher.“ Insbesondere Kinder könnten sich leicht die Finger einklemmen, wenn sie sich zum Beispiel am Türholm festhalten.

Die Elektrotüren des Peugeot 1 007 besitzen nach Angaben von Peugeot-Sprecher Gordian Heindrichs zudem einen Einklemmschutz: Trifft die Tür beim Schließen auf ein Hindernis - zum Beispiel eine Hand - stoppt sie automatisch und fährt wieder auf. Erkannt werden Hindernisse mit Hilfe von geschwindigkeitsabhängigen Sensoren, erklärt Thomas Aurich, Pressesprecher des Zulieferers Delphi in Wuppertal, der unter anderem für die Peugeot-Türen die elektronischen Komponenten liefert. Wird der Schließvorgang in irgendeiner Weise „gebremst“, stoppe der Mechanismus innerhalb von 15 Millisekunden.

Gesteuert werden könne ein Einklemmschutz auch über Drucksensoren, sagt Aurich. Dabei komme es jedoch darauf an, ab welchem Gegendruck ein Hindernis erkannt wird. Bei einem Kinderfinger könne das kritisch werden, so der Delphi-Sprecher: „Wenn das System einen Gegendruck zu spät registriert, ist der Finger unter Umständen schon zerquetscht.“

Um das zu verhindern, reagieren die Sensoren des Einklemmschutzes am VW Multivan laut Lothar Brune sehr empfindlich auf Druck. Sie befinden sich nach Angaben des Pressesprechers von VW Nutzfahrzeuge in Hannover in einer „Kontaktleiste“, die entlang der Türdichtung verläuft. Registrieren die Sensoren einen Druck, stoppt der Elektromotor, der die Tür bewegt. Dieser stellt sich laut Brune auch dann ab, wenn er einen bestimmten Kraftaufwand überschreiten müsste: „Das Prinzip ist ähnlich wie bei einem elektrischen Fensterheber.“

Damit die Insassen nach einem Unfall, bei dem die Elektronik versagt, noch aus dem Fahrzeug kommen, lassen sich elektrische Schiebetüren grundsätzlich auch per Hand öffnen, sagt Delphi-Sprecher Aurich. Dazu werde etwa beim Delphi-System bei einem Crash die Tür-Verriegelung innerhalb von 20 Millisekunden freigegeben.

Das ist nicht zuletzt deshalb beruhigend, weil der Adac und die Sachverständigenorganisation Dekra bei Crash-Tests festgestellt haben, dass Schiebetüren bei einem Aufprall eher zum Verklemmen neigen als Türen mit Scharnieren, wie Adac-Experte Paulus erläutert: „Der Schiebemechanismus wird bei einem Unfall meist so verbogen, dass ein Öffnen der Tür nicht mehr möglich ist. Umso wichtiger ist es, dass Insassen auf der anderen Seite noch hinaus kommen können.“

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