Auto
Vergessener Traum: der 8er von BMW

Das Ziel war durchaus hochgesteckt: Nichts anderes als das beste Auto der Welt sollte es werden, ein echter Traumwagen. Doch am Ende erwies sich der 8er von BMW als veritabler Misserfolg - nicht nur wegen der schlechten Startbedingungen.
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dpa/tmn MÜNCHEN. BMW scheute tatsächlich keinen Aufwand, um aus der 8er-Reihe das optimale Auto zu machen. Die Sache hatte nur einen Haken: Kaum jemand wollte den 1989 vorgestellten 8er kaufen.

Beim Stichwort Herbst 1989 erinnern sich die meisten an andere Ereignisse als an die Premiere eines Luxusautos: Zum Beispiel an den 30. September, an dem Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft die Ausreisegenehmigung für DDR-Flüchtlinge in der Botschaft verkündet. Oder den 9. November, an dem die Berliner Mauer und die innerdeutschen Grenze geöffnet wurden. Dass diese Ereignisse dem neuen Luxusmobil von BMW den Start ein wenig verhagelten, dürfte außer Frage stehen. Für den Misserfolg und das rasche Vergessen der 8er-Reihe gab es aber auch andere Gründe.

Dabei waren die Grundvoraussetzungen gar nicht so schlecht. Denn der 8er war tatsächlich ein Auto, das es mit den besten der Welt aufnehmen konnte. Die Auflistung der Eigenschaften spricht für sich: Vor allem war da der Zwölfzylinder unter der Motorhaube. Ein technisches Wunderwerk mit rund fünfeinhalb Litern Hubraum und einer Leistung von 220 kW/300 PS, das den schicken Zweitonner in 6,8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigte und dessen Vortrieb erst bei 250 Stundenkilometern elektronisch abgeregelt wurde.

Die weiteren technischen Angaben lesen sich wie bei einem Auto von heute: Geschaltet wurde mit einem Sechsganggetriebe, ein ABS gehörte ebenso zu den Selbstverständlichkeiten, wie eine Automatische Stabilitäts- plus Traktionskontrolle (ASC+T). In der Mittelkonsole fand sich ein Infosystem, die Klimaanlage hatte einen Filter und mit der Integral-Hinterachse gab es eine passive Hinterachs-Lenkung. Beim Design der Karosserie hatte BMW sich ebenfalls Mühe gegeben: Die Frontpartie erinnerte mit ihren Klappscheinwerfern an den zu dieser Zeit schon legendären BMW-Sportwagen M1.

Nur war irgendwie vergessen worden, wer die Zielgruppe sein sollte. Der reine Sportwagen-Liebhaber, der mit Ferrari oder Porsche liebäugelte? Der sah den 8er eher etwas schief an - zwei Tonnen Gewicht und fast fünf Meter Länge zeugen nicht von einem drahtigen Sportgerät. Also doch der vermögende Coupé-Liebhaber, der bisher zu den zweitürigen S-Klasse-Derivaten von Mercedes griff? Dem könnte missfallen, dass ein 8er zwar komfortabel fuhr, im Innenraum aber doch mehr Zweisitzer als viersitziges Coupé war.

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