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Zehn Jahre Crashtests bei Euro Ncap

„Sex sells“ lautet bei vielen Waren das Motto. Bei Autos sind vielen Fahrern allerdings die Sterne eines Crashtests wichtiger als blanke Haut. Daher gilt bei vielen Herstellern längst die Devise „Safety sells“.

dpa/gms BRüSSEL. „Sex sells“ lautet bei vielen Waren das Motto. Bei Autos sind vielen Fahrern allerdings die Sterne eines Crashtests wichtiger als blanke Haut. Daher gilt bei vielen Herstellern längst die Devise „Safety sells“.

„Sicherheit ist bei der Wahl des nächsten Wagens zum alles bestimmenden Kaufkriterium geworden“, heißt es bei der Vereinigung European New Car Assessment Programme (Euro Ncap) in Brüssel, die Ende 2005 ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert hat. Sie unterzieht mittlerweile fast alle neuen Fahrzeuge einer aufwendigen Prüfprozedur und vergibt Sterne für den Insassen- und Fußgängerschutz.

Insgesamt wurden laut Pressesprecherin Cordelia Wilson bisher 240 Fahrzeugtypen gegen Barrieren oder Pfähle gefahren, seitlich gerammt und in Unfälle mit Fußgänger-Dummys verwickelt. „Dabei wurden bislang 581 Autos gecrasht“, zitiert Cordelia Wilson aus der Statistik.

Die Crashtests werden bei Euro Ncap selbst und auch bei einigen Mitgliedsorganisationen vorgenommen, zu denen Automobilclubs sowie Verbraucherschutzverbände, Behörden und Ministerien zählen. Das Testprogramm rückt nach Worten von Generalsekretär Adrian Hobbs nicht nur die Sicherheit an sich ins Blickfeld. „Vielmehr werden sich die Konsumenten damit auch zunehmend bewusst, dass es Unterschiede zwischen einzelnen Fahrzeugen gibt.“

Laut einer aktuellen, von Euro Ncap in Auftrag gegebenen Studie zählt die Sicherheit inzwischen zu den wichtigsten Argumenten bei der Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Modell. Von rund 1 000 Befragten aus sieben europäischen Ländern nannten 94 Prozent die Sicherheit als wesentlichen Aspekt. „Dabei achten die Käufer nicht nur auf den Schutz des Fahrers, sondern zunehmend auch auf die Sicherheit für Passagiere und Fußgänger“, heißt es in der Auswertung.

Am wichtigsten ist den Käufern der Schutz in der ersten Reihe, den 83 Prozent als Kriterium angeben. Die Sicherheit von Kindern und anderen Fahrgästen im Fond halten jeweils rund 70 Prozent für bedeutsam. Die Überlebenschancen für Kinder und Erwachsene außerhalb des Autos nehmen 61 beziehungsweise 56 Prozent der Käufer ins Kalkül.

Auch die Hersteller messen den Crashtests große Bedeutung bei. So sehen etwa die Sicherheitsentwickler bei Renault in den neutralen Bewertungen eine gute Möglichkeit, die Arbeit der eigenen Ingenieure zu verdeutlichen. „Damit machen wir das hohe Sicherheitsniveau unserer Produkte der Öffentlichkeit auf eine leicht zu verstehende Art zugänglich“, sagt Sprecher Thomas May-Englert in Brühl bei Köln.

Opel-Sprecher Manfred Daun in Rüsselsheim (Hessen) bestätigt, der Euro-Ncap-Test sei von den Kunden als Gütesiegel anerkannt. „Denn dort bestätigt ein neutraler Sachverständiger, dass das Fahrzeug höchste Sicherheitsansprüche erfüllt.“ Entsprechend tief verankert ist das Prozedere in der Entwicklung: „Die Tests von Verbraucherschutzorganisationen und Euro Ncap sind ein fester Bestandteil der Entwicklungsprogramme“, sagt Daun.

Doch mit den Prüfverfahren aus Brüssel alleine ist es nicht getan: „Sie machen nur einen kleinen Teil der gesamten Lastfälle aus, die für ein sicheres Auto erforderlich sind“, erläutert Manfred Daun. „Die Unfallsimulationen von Euro Ncap können nur einen bestimmten Teil von Frontal- und Seitenunfällen repräsentieren“, sagt auch Renault-Sprecher May-Englert. Der Heckaufprall und zum Beispiel das Durchtauchen der Passagiere unter dem Gurt - das „Submarining“ - würden bei den Prüfungen nicht erfasst.

„Die Jahrzehnte lange Erfahrung in der Unfallforschung zeigt, dass standardisierte Tests die Vielfalt von Unfalltypen im realen Verkehr nur unvollständig abbilden können“, sagt Mercedes-Sprecher Norbert Giesen in Stuttgart. Deshalb würden bei Mercedes das Crashverhalten und die Sicherheitssysteme nicht nur nach Tests und Berechnungen, sondern auch auf der Basis von mehr als 3 500 untersuchten Realunfällen entwickelt.

Außerdem sei Euro Ncap nur ein Prüfprogramm von vielen, schränkt Giesen ein. Er verweist unter anderem auf drei wichtige Ratings in den USA, die interkontinental verkaufte Modelle erfüllen müssen. Diese Tests würden mit verschiedenen Messmethoden und Dummys vorgenommen. „Teilweise ergeben sich daraus widersprüchliche Anforderungen an das Rückhaltesystem“, erläutert Norbert Giesen. Deshalb arbeiten nach seinen Angaben viele Hersteller eng mit den Ratingagenturen zusammen.

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