Autobauer
Alarmstimmung vor Pariser Autosalon

In Europa sehen die Autobauer kein Licht am Ende des Tunnels. Das trifft Opel, Peugeot oder Fiat, aber auch Daimler hat Probleme. Experten sind überzeugt: Beim Pariser Autosalon droht dicke Luft.
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ParisEuropas Automarkt ist im Sinkflug, eine Trendwende nicht in Sicht. Im Gegenteil: Experten sehen schwarz und sagen beim Absatz ein 20-Jahres-Tief voraus. Vor dem Pariser Autosalon (29.9. bis 14.10.) ist die Stimmung schlecht - obwohl einige Konzerne wie Volkswagen oder BMW weiter Rekorde feiern.

„Im Moment gibt es eine Zweiteilung“, sagt Autoexperte Stefan Bratzel. Die einen setzten wie auch Hyundai oder Toyota ihren Höhenflug fort - sie können die Absatzkrise in Europa andernorts kompensieren. „Und dann gibt es die, die ihr Hauptabsatzgebiet in Europa haben: Denen geht es dramatisch schlecht.“ Selbst Daimler musste seine Gewinnziele kappen, was Konzern-Chef Dieter Zetsche mit zunehmend schwierigen Marktbedingungen in Europa begründet, aber auch mit Schwierigkeiten in China.

Allzu große Erwartungen werden dementsprechend nicht einmal in neue Modelle gesetzt. Zwar präsentieren die Hersteller auf dem Autosalon in Paris viele davon. Etwa den VW Golf, den Renault Clio oder den Opel Adam. Ford stellt den neuen Mondeo vor, Citroën ein DS3 Cabrio und Toyota einen Auris Kombi. Die Experten warnen allerdings vor allzu großen Erwartungen. „Jede Menge neue Modelle, die eigentlich den Markt bewegen könnten - wenn da nicht die Schuldenkrise wäre“, kommentiert Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer. „Die Automärkte in Südeuropa befinden sich im ungebremsten Fall.“

Dudenhöffer erwartet, dass 2013 das schlechteste Verkaufsjahr in Westeuropa seit 1993 wird - mit 11,6 Millionen Auto-Verkäufen nach 11,9 Millionen in diesem Jahr. Er befürchtet Ratlosigkeit bei der Messe in Paris. Bratzel prognostiziert Krisenmanagement statt Aufbruchstimmung. „Die Hersteller werden sich eher überlegen, wie sie es halbwegs schaffen, bei dem enormen Wettbewerbsdruck ihren Kopf über Wasser zu halten“, lautet der Expertenkommentar. „Wir sehen mindestens in den kommenden vier bis fünf Jahren keine Rückkehr zum Absatz auf Vorkrisenniveau“, sagt Ian Fletcher, Analyst bei IHS Automotive.

Besonders groß sind die Sorgen beim französischen PSA-Konzern. Der Autobauer mit den Marken Peugeot und Citroën leidet extrem unter seiner Abhängigkeit vom schrumpfenden europäischen Markt. Um aus der Verlustzone zu kommen, will die Unternehmensspitze nun ein Werk bei Paris schließen. Landesweit sollen 8.000 Jobs gestrichen werden.

Die Regierung und die Gewerkschaften laufen allerdings Sturm gegen die Pläne. Sie werfen dem Management schwerwiegende strategische Fehlentscheidungen vor. Statt in Wachstums- und Schwellenländer zu investieren, habe es lieber höhere Dividenden gezahlt und eigene Aktien aufgekauft, lautet einer der Kritikpunkte.

Auch bei Opel wird mal wieder intensiv über einen Zukunftsplan verhandelt - dabei geht es auch um das Aus des Standorts Bochum mit rund 3.200 Beschäftigten. Rückenwind von den Märkten erwartet Opel-Interimschef Thomas Sedran jedenfalls nicht: „Wir gehen nicht davon aus, dass das zweite Halbjahr besser wird als das Erste.“ 2013 werde der Gesamtmarkt sogar noch etwas schwächer werden.

Die Opel-Mutter General Motors und PSA waren im Frühjahr eine Allianz eingegangen, um über Kooperationen etwa in den Bereichen Einkauf und Produktentwicklung Kosten in Europa zu senken. Dass es wie allgemein erwartet auch Pläne für eine gemeinsame Fertigung gibt, verweist die Adam Opel AG ins Reich der Fabeln - noch. Ein möglicher Grund für die Zurückhaltung: „Angesichts des geplanten Abbaus von Tausenden Stellen bei PSA wollen die Franzosen nicht hören, dass Peugeots und Citroëns in Deutschland gebaut werden könnten“, ist Dudenhöffer überzeugt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Autos kaufen eben keine Autos

    So so, Alarmstimmung bei den Autobauern, erst hat man sich die billigen Arbeitskräfte (Werksvertrag u. Leiharbeiter)
    politisch bestellt damit die Ingenieurgehälter der Montagearbeiter kompensiert werden können. Und dennoch genügend Stammtarifbeschätigte vorhanden sind aus welchem man den Beamten u.ÖTV-Tarif ableiten kann. Hernach die Abwrackprämie gepaart mit immer billigerem Geld. Um am Ende festzustellen: Autos kaufen eben keine Autos.
    Gewachsen sind in den letzten Jahren mit Sicherheit die Bilanzsummen der Autobauer.
    Und die ach so beachtlichen Gewinne nach denen die Boni u. Topgehälter sich berechneten, könnte man sich in anderer Form als HGB Ergebnis meist auf der letzten Seite anschauen.
    Aber zum Schluss wird der Steuerzahler oder das VW-Gesetz bemüht werden -weil es ja um Arbeitsplätze geht.
    Und wenn sie nicht gestorben sind...

  • Der Basis-Golf kostet in USA mit 2,5 5Zyl.170 PS inkl. Komfortausstattung umgerechnet knapp 14.500,-€. In D-land dagegen ein in Leistung und Ausstattung vergleichbarer Golf inkl. ÜF 27.000,-€ LP. Logische Folge: Hier bietet man den neuen Golf VII schon vor Verkaufsstart auf Onlineplattformen mit bis zu 25% Nachlass an.

    VW spart beim neuen GOLF VII durch den MQB ca. 30% an Entwicklungs- und Produktionskosten im Vergleich zum Vorgänger. Der LP bleibt gleich. Der Neue hat in Grundausstattung zwar ein paar Features mehr, gleichwohl liegt deren Wert im unteren dreistelligen Eurobereich. Durch den Einsatz der billigen Verbundlenkerachse aus GOLF I bis GOLF IV zahlt der Kunde für den neuen effektiv mehr.

    Ich war kürzlich in einem Audi Zentrum einer rheinischen Großstadt. Dort stand ein neuer 3-tg. A 3 mit 2.0 TDI (150 PS) für sage und schreibe 52.200,- €. Über 20.000,-€ hatte der an SA. In 3 Jahren ist der mit ca. 60.000 km noch gut die Hälfte wert. Das sind monatlich mehr als 700,- € Abschreibung zzgl. Fix- und Betriebskosten. Macht rund einen Tausender für einen etwas edleren Golf. Voll
    über den Wolken.

    Für Privatleute lohnen sich in D-Land neue Autos unter 10.000km Laufleistung p.a. kaum noch, es sei denn man nimmt einen Dacia. Autos und Autofahren sind überall in EU zu teuer geworden. Bei uns funktioniert noch der gewerbliche Markt. Damit die heimischen hochwertigen Arbeitsplätze der dt. Marken Porsche, VW, Audi, MB und BMW möglichst aud Dauer erhalten bleiben, subventioniert man diesen Absatzkanal so stark wie nirgendwo in EU.

    Ob der Privatkunde sich auf Dauer überhaupt noch ein Auto leisten kann, interessiert die EU-Staaten nicht. Im Verkehrs-Weißbuch 2050 der EU von 2011 wird sogar die Abschaffung des privaten Autobsitzes angestrebt. Da kaum noch neue Straßen und AB geben wird, müssen die vorhandenen auf Sicht dem gewerblichen PKW-/LKW-Verkehr vorbehalten bleiben. Die Privatleute sollen sich auf neuartige Mobilitätskonzepte ohne Autobesitz umstellen.



  • Nur Firlefanz wird in die neuen Modelle eingebaut.
    Für wichtige, sinnvolle Details muss man immer noch
    extra bezahlen.
    Im übrigen entwickelt und konstruiert die Autoindustrie immer noch an den tatsächlichen Bedürfnissen vorbei.
    Sprit koste über € 170/l, Diesel über 1,50/l.
    Wer soll das bezahlen können?
    40 Jahre nach der ersten Enrgiekrise ist man nicht
    wesentlich weiter gekommen.
    Im übrigen was kostet denn ein gutes Mittelklasse Auto?
    Vergleichen wir doch mal mit den Preise vor der Euroeinführung.
    Dieser war Betrug am VOLK. (1:1.95583)
    Was verdient Zetsche ? Was verdient ein mittlerer Angestellter oder Arbeiter, im Vergleich zu den Verdiensten
    vor der Euroeinführung? Verbrechen wohin man schaut.
    Die Miniersparnisse der Bürger werden mit max. 2% verzinst,
    davon muss er auch noch 25% Steuern abführen.
    Wie soll man da denn Autos kaufen können und diese auch
    noch fahren?

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