Autobauer geht auf Nummer sicher - Designkritik verstummt
"Neuer 3er BMW ist großer Schritt nach vorne"

BMW hat in den vergangenen Jahren die Autofans mit der gewagten Linienführung und dem mutigen Design seiner neuen Modellen polarisiert.

HB MÜNCHEN/GENF. Bei der neuen 3er-Reihe, die ab diesen Samstag (5. März) verkauft wird, gab es nun wohlwollende Stimmen von allen Seiten. „Inzwischen versteht man unsere Designpolitik immer mehr“, ist der Design-Chef der Marke BMW, Adrian van Hooydonk, überzeugt. Nach Einschätzung in der Branche ist der weiß-blaue Autobauer bei seinem wichtigsten Volumenmodell aber auch auf Nummer sicher gegangen.

So sagt Automobilwirtschafts-Professor Ferdinand Dudenhöffer: „Beim 3er-Design folgt BMW alten Tugenden und setzt moderate Form-Akzente.“ Beim umstrittenen 7er habe BMW dagegen vor vier Jahren die konservative Kundschaft verschreckt. Mit einer überarbeiteten 7er-Version, die ebenfalls in den kommenden Tagen auf dem Genfer Autosalon (bis 13. März) zu sehen ist, hat BMW aber teilweise zurückgerudert.

Für Designer van Hooydonk ist auch der neue 3er aus Design-Sicht ein großer Schritt nach vorne. „Wir haben ein Design auf die Beine gestellt, dass sich über die Jahre halten wird.“ Das neue Modell sei mit schärferen Sicken und Linien „skulptureller gestaltet“. Das zurückhaltende Design sei keinesfalls eine Reaktion auf die Kritik, die in den vergangenen Jahren teilweise an den neuen BMW-Modellen geübt worden sei. Die Stärke des neuen BMW-Designs sei, dass die einzelnen Baureihen sich nicht mehr nur in der Größe unterschieden. „Wir wollen, dass jedes Fahrzeug seinen eigenen Charakter bekommt.“ Ein Spaßauto wie der Z4 sehe da anders aus als ein 3er, bei dem es auch den Touring für die gesetzte Familie gebe. Allerdings sagt auch van Hooydonk: „Wir sind uns schon der wirtschaftlichen Bedeutung der 3er-Reihe für den Konzern bewusst.“

BMW hatte mit Einführung der 7er-Reihe allen Modellen schrittweise ein neues Gesicht verpasst. Die wuchtig geratene 7er-Reihe mit einem aufgesetzten Kofferraumdeckel sorgte vor allem auf dem deutschen Heimatmarkt für Kritik. „Harte Ecken, hohe Kanten, asymmetrische Formen stören, wenn Agilität, Harmonie und Eleganz ausgestrahlt werden sollen“, kritisiert Auto-Experte Dudenhöffer von der FH Gelsenkirchen. BMW sei wegen der provokativen Formen des 7er gegenüber dem neuen Audi A8 und der alten Mercedes S-Klasse nach hinten geworfen worden.

Allerdings verkaufte sich das Modell zum Beispiel auf den aufstrebenden asiatischen Märkten ausgesprochen gut. Auch BMW-Chef Helmut Panke räumte kürzlich aber „Inbalances“ (Unausgewogenheiten) beim 7er ein. Das Facelift kommt nun optisch schlanker daher, die Spur ist breiter, die Motorhaube und die Frontscheinwerfer modifiziert und auch der umstrittene Kofferraumdeckel ist abgemildert.

Van Hooydonk hatte das Außendesign des 7er mitentwickelt. Das Facelift stelle das Grundkonzept des Fahrzeugs nicht in Frage, betont er. „Die Fugen laufen, wo sie immer liefen.“ Es gebe nun auch kräftigere Motoren, dem werde man auch beim Design mit den Veränderungen gerecht. Das Auto wirke nun sportlicher.

Die heftige Diskussion in Deutschland um das neue BMW-Design hat van Hooydonk nicht wirklich überrascht. „Die Marke BMW gehört hier fast zum Kulturgut.“ Daher wolle bei einem so großen Designschritt auch jeder mitreden. Letztendlich gelte immer: „Der Markt entscheidet.“ Für den Niederländer sind der 3er und der 7er aber ohnehin schon längst Geschichte. „Als Designer arbeitet man immer drei Jahre vorneweg. In Gedanken sind wir schon wo ganz anders.“

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