Autobauer Skoda
Yetis für China

Die VW-Tochter Skoda soll in China junge Käufer gewinnen und in Europa die Billigkonkurrenz auf Abstand halten. Die Doppelstrategie birgt Risiken, doch ein Erfolg könnte Skoda-Chef Winfried Vahland die Karriere veredeln.
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Die Stimmung ist gut in der Lobby des Konferenz-Centers im tschechischen Mlada Boleslav. Die angereisten Skoda-Vertragshändler schlendern scherzend zu ihrem Seminar. Während draußen die Nachmittagssonne Werkshallen und Heimatstadt des Autobauers Skoda in warmes Licht taucht, sonnt sich die internationale Händlerschar drinnen im Erfolg. Ihre Autos verkaufen sich wie geschnitten Brot, die Showrooms werden demnächst im frischen Markendesign erstrahlen, und Skoda-Vorstandschef Winfried Vahland hat einen bunten Reigen neuer Modelle versprochen.

Solche Schulungen für Händler aus aller Welt gehören zur neuen Strategie des Unternehmens. Vahland, seit Herbst 2010 Steuermann bei Skoda, hat große Pläne mit der tschechischen Volkswagen-Tochter: Alle sechs Monate soll ein neues Modell auf den Markt rollen. Der Jahresabsatz soll sich bis 2018 auf 1,5 Millionen Stück verdoppeln, Skoda zur echten Weltmarke werden. Dazu will der ehrgeizige Chef vor allem auf den Wachstumsmärkten Indien, Russland und besonders China die Schlagzahl deutlich erhöhen.

Doch diese Pläne bergen Risiken. Der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn und sein Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch haben Skoda in ihrer Konzernstrategie eine schwierige Zwitterrolle als Angreifer und Verteidiger zugleich zugedacht: Auf den Schwellenmärkten, insbesondere in China, soll Skoda Erstkäufer aus der konsumfreudigen jungen Mittelschicht gewinnen. Dazu braucht Skoda-Chef Vahland möglichst imposante Modelle, die zum Statussymbol taugen. Auf den gesättigten europäischen Märkten hingegen sollen die Tschechen defensiv mit günstigen und eher schlichten Modellen Herausforderer wie die rumänische Renault-Tochter Dacia und den koreanischen Aufsteiger Hyundai-Kia auf Distanz halten. Vahland muss mit seiner Modellpolitik zwischen zwei Märkten balancieren, die gegensätzlicher kaum sein könnten.

Im Erfolgsfall erwarten den ehrgeizigen Manager höchste Weihen: Er gilt neben Audi-Chef Rupert Stadler, Wolfsburgs China-Statthalter Karl-Thomas Neumann und Porsche-Chef Matthias Müller als Anwärter auf das Amt des Volkswagen-Vorstandsvorsitzenden, wenn Winterkorns Vertrag in vier Jahren ausläuft. Gelingt Vahland der Spagat, Skoda zur globalen Volumen-Marke zu machen und zugleich die Flanken der Muttermarke zu schützen, ohne ihr mit allzu anspruchsvollen Produkten in die Quere zu kommen, hat er eine echte Chance. Aber die Unwägbarkeiten sind groß, bis 2015 kann viel passieren im Volkswagen-Universum, und Vahland stehen schwierige Prüfungen bevor.

Bisher hat der 54-Jährige mit dem durchdringenden Blick unter eisgrauem Schopf tadellose Ergebnisse abgeliefert. Mit einer Steigerung der Verkaufszahlen um 20 Prozent weltweit und um 33 Prozent in China hat Skoda im ersten Halbjahr 2011 das stärkste Wachstum unter den Volkswagen-Pkw-Marken vorgelegt. Obwohl erst seit 2007 in China präsent, verkauften die Tschechen dort 2010 bereits mehr als 180.000 Autos. Vahland kennt sich auf seinem größten Markt bestens aus: Als China-Chef des Volkswagen-Konzerns fädelte er 2005 den Skoda-Markteintritt ein. Als oberster Skoda-Lenker will er nun zusätzlich zu drei bereits lokal produzierten Modellen den geländegängigen Yeti bei Shanghai Volkswagen vom Band laufen lassen.

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