Autobranche
Energieversorger setzen auf das Elektroauto

Die deutsche Energiebranche sieht in der Entwicklung des Elektroautos großes Potenzial. Rund zwei Drittel der Versorger schätzen die Bedeutung der Elektromobilität in den nächsten zehn bis 15 Jahren als sehr hoch oder hoch ein. Dies ist das Ergebnis einer Befragung von über 100 Unternehmen, die die Essener Unternehmensberatung Conenergy im März und April durchgeführt hat und die dem Handelsblatt vorliegt.

DÜSSELDORF. Laut Studie sei bereits jetzt jeder zehnte deutsche Versorger in dem Bereich aktiv. Weitere 15 Prozent wollten in den nächsten Jahren nachziehen.

Die großen Energiekonzerne und die Autokonzerne treiben zur Zeit die Entwicklung der Elektromobilität entschlossen voran. Jeder große Versorger kooperiert mit namhaften Autoherstellern, RWE beispielsweise mit Daimler und Eon mit BMW und Volkswagen. In großen Städten wie Berlin werden die ersten Ladestationen aufgebaut. Damit sich ein Massenmarkt entwickeln kann, müssen die Autohersteller aber noch die Batterie-Technik voranbringen und die Versorger eine flächendeckende Infrastruktur aufbauen.

Conenergy rechnet aber für 2012 mit dem Einstieg in den Massenmarkt. Die Berater schätzen, dass 2020 in Deutschland schon 1,6 Millionen Elektroautos fahren werden. Das Unternehmen ist selbst mit fünf Prozent am Schweizer Elektroauto-Projekt Mindset beteiligt. Die Prognosen schwanken aber stark. RWE kalkuliert mit 2,4 Millionen Fahrzeugen, die Bundesregierung konservativ mit einer Million. Die Unternehmensberatung McKinsey hatte sich jüngst in einer Studie dagegen ausgesprochen pessimistisch geäußert. Sie rechnet 2020 allenfalls mit 750 000 Elektroautos – weltweit.

Der Studie zufolge schätzen aber nicht nur die großen Energiekonzerne, sondern auch viele kleinere Versorger den Markt optimistisch ein. Für die Branche stelle die Entwicklung andererseits auch eine große Herausforderung dar. Wer sich nicht rechtzeitig auf die Verbreitung des Elektroautos vorbereite und entsprechende Produkte anbiete, müsse damit rechnen, Kunden an Anbieter zu verlieren, die auch Fahrstrom anbieten. Denkbar sei auch, dass Anbieter aus fremden Branchen auf den Markt drängen – wie Mineralölkonzerne mit ihren Tankstellenketten oder Abrechnungsdienstleister.

Es gibt aber auch Versorger, die vor einem Engagement zurückschrecken, weil sie den finanziellen Aufwand als zu hoch einschätzen. Andere setzen eher auf Erdgas als Brennstoff. Viele wollen die Entwicklung erst noch abwarten.

Auf der Hannover-Messe in dieser Woche hatte das Thema Elektromobilität schon eine große Rolle gespielt. Viele Energieunternehmen präsentierten ihre Projekte, nicht nur die großen Konzerne. Der Oldenburger Regionalversorger EWE etwa zeigte ein Modell eines Prototyps, den er gemeinsam mit dem Autobauer Karmann entwickelt. Gleichzeitig wurde erstmals ein einheitlicher Stecker präsentiert, auf den sich eine Arbeitsgruppe von 20 Energie- und Autokonzernen geeinigt hat und der den Aufbau einer einheitlichen Infrastruktur erleichtern soll.

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