Autoclubs befürchten Aus für Normalbenzin
Autoclubs werfen Ölkonzernen Abzocke vor

Wegen des immer geringeren Preisunterschiedes von Super- und Normalbenzin fürchten Automobilclubs das Ende des günstigeren Sprits.

HB HAMBURG. „Es deutet alles auf die mittelfristige Abschaffung von Normalbenzin hin. Super wird das neue, dann aber teurere Normal“, sagte der Präsident des Automobilclubs von Deutschland (AvD), Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg, der „Bild“-Zeitung einem Bericht zufolge. Die Ölkonzerne hatten ohne Ankündigung den Preisvorteil von Normalbenzin gegenüber Super halbiert. Seit zwei Wochen beträgt der Abstand nur noch einen Cent.

Ysenburg forderte ein Eingreifen des Kartellamtes. „Dieses unverschämte Abkassierprogramm bedeutet eine neue, eiskalte Abzocke zulasten des Normalverbrauchers.“ Auch ADAC-Präsident Peter Meyer kritisierte die Ölkonzerne. „Den Mineralölfirmen geht es bei dieser Maßnahme natürlich nur um eines: Ertragssteigerung.“ Ein anderer Grund für die Verringerung der Differenz sei nicht erkennbar.

ADAC-Sprecher Klaus Reindl weitete die Kritik noch aus: „Das ist in der Tat eine krasse Preiserhöhung, die eigentlich nicht gerechtfertigt ist, nachdem es europaweit ja noch sehr viele Länder gibt, in denen Normalbenzin nach wie vor sehr stark nachgefragt wird. Ich kann mir beim besten Willen keinen Grund vorstellen, warum man jetzt auf einmal diese Differenz halbiert hat.“ Auch er sprach von Abkassieren.

Als Grund für die Preisentwicklung nennen die Konzerne die weltweit hohe Nachfrage nach Normalbenzin, das auch als 91-Oktan-Benzin bezeichnet wird. Zeitweise sei Normal auf den internationalen Märkten sogar teurer gewesen als das eigentlich hochwertigere Super mit 95 Oktan. Betroffen von der Preiserhöhung sind vor allem Fahrer einfacherer und älterer Autos, die oft noch mit Normalbenzin laufen. Teure und sportliche Autos sind dagegen eher auf Super oder gar auf das noch teurere Super Plus ausgelegt.

Branchenkenner vermuten seit Jahren, die Ölkonzerne wollten Normalbenzin lieber heute als morgen abschaffen: Der Wechsel auf Super würde zusätzliche Millioneneinnahmen bringen. Gleichzeitig würden die Kosten fallen, weil weniger Zapfpistolen gebraucht würden und weniger getrennte Tanks. Alle großen Konzerne weisen aber diese Spekulation zurück.

Die Mineralölkonzerne in Deutschland wollen an ihren Tankstellen auch weiterhin Normalbenzin mit 91 Oktan anbieten. Solange es eine ausreichende Nachfrage nach Normalbenzin gebe, werde das Produkt den Kunden angeboten, erklärten Sprecher von Shell und Exxon Mobil am Montag in Hamburg.

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden in Deutschland rund 12,6 Mill. Tonnen Otto-Kraftstoffe verkauft, davon 3,5 Mill. Tonnen Normalbenzin. Das entspricht einem Anteil von 27,8 Prozent. „Es ist allerdings richtig, dass die Nachfrage von Jahr zu Jahr zurückgeht und immer weniger Neuwagen auch Normalbenzin vertragen können“, sagte Cornelia Wolber von der deutschen Shell- Organisation. Moderne Motoren müssten oft das höherwertige Superbenzin mit 95 Oktan tanken. Es gebe bei Shell dennoch keine aktuellen Pläne, sich aus dem Verkauf von Normalbenzin zurückzuziehen. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher von Exxon Mobil.

Die höheren Preise für Normalbenzin, die seit rund drei Wochen gelten, führten die Sprecher auf das Preisniveau am europäischen Öl- Großmarkt in Rotterdam zurück. Es gebe eine verstärkte Nachfrage aus den USA und China nach Normalbenzin, die teilweise in Europa gedeckt werde und den Preisabstand zwischen Normal und Super habe schrumpfen lassen. Diese Entwicklung sei bereits seit dem vergangenen Jahr zu beobachten und werde nun auf dem Endverbraucher-Markt nachvollzogen. „Zeitweise haben wir Normalbenzin subventioniert, um den Preisabstand zu halten“, sagte Wolber.

Die Preise für Benzin sind gegenüber den Vormonaten leicht gesunken. Nachdem der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) wieder unter die 70-Dollar-Marke gerutscht ist, gab es zusätzlich auf den europäischen Produktmärkten eine leichte Entspannung. Das Preisniveau der Ölmärkte sei aber immer noch vergleichsweise hoch, meinten die Sprecher. Ein Liter Superbenzin kostete am Montag im bundesweiten Durchschnitt ungefähr 1,32 Euro. Das sind gut zehn Cent weniger als der Jahres-Höchststand im Mai. Im Juni und Juli hatte der Monatsdurchschnitt über 1,38 Euro je Liter gelegen. Diesel kostet aktuell etwa 1,13 Euro je Liter.

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