Nachrichten
Autoklau: Auf Nimmerwiedersehen in Frankfurt

Nirgendwo in Hessen werden so viele Autos geklaut wie in Frankfurt. Vort allem Nobelkarossen sind beliebte Beute.

FRANKFURT/M. Tina Bremer traute ihren Augen kaum - und ihre Freunde trauten ihr nicht. Lange suchten sie den nächtlichen Disco-Parkplatz in Neustadt (Holstein) ab, doch das Auto war weg. „Warst du mal wieder zu schusselig?“, glaubten die Freunde noch an einen Irrtum. Doch vergebens. Der Golf war gestohlen. „Das war vielleicht ein komisch Gefühl“, erinnert sich Tina.

Wer dieser Tage einen BMW X5 fährt, der hat gute Chancen, bald mitzufühlen. Der X5 ist das am meisten geklaute Auto in Deutschland, überaus beliebt bei professionellen Dieben, die auf Bestellung Autos klauen. Auf 1 000 Autos kamen letztes Jahr bundesweit fast 34 Diebstähle. Auf Platz zwei landete der VW Caravelle Multivan (11,7 Diebstähle auf 1 000 Autos). Dabei schiebt sich Frankfurt in der Statistik langsam an die Klau-Hochburgen Berlin und Hamburg heran. Während in beiden Städten die Fallzahlen sinken - in Berlin etwa sanken die Diebstähle pro 1 000 Autos von 8,8 auf 5,9 - ist Frankfurt auf dem Vormarsch.

Die Abnehmer der teuren Stücke sitzen meist in Osteuropa. „Da ist der Markt noch nicht gesättigt“, meint Herbert Vonhausen, Sprecher der Polizei Frankfurt. Mit 4,4 Diebstählen auf 1 000 Autos liegt Frankfurt weit über dem hessischen Landesdurchschnitt von 0,9 Diebstählen auf 1 000 Autos. 1 480 Wagen wurden im vergangenen Jahr in Frankfurt gestohlen, gut 300 mehr als im Jahr zuvor.

Und die Diebe werden immer raffinierter: Erst jüngst fanden die Frankfurter Beamten mehrere Wagen der Luxusklasse in einem Parkhaus - fast fertig für den Transport zu den neuen Eigentümern. Darunter war auch der noble Dienstwagen von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth.

„Der Fund in der Garage war für uns Gold wert“, sagt Vonhausen. Bei einzelnen Diebstahlsanzeigen ist die Polizei so gut wie machtlos. Die Fahrzeugsammlung in der Garage bietet nun die Chance, die Diebe und deren Hintermänner zu ermitteln.

Was weg ist, bleibt weg

Dabei sind heute die grenzfernen Städte wie Frankfurt kein Tabu mehr für Autoknacker. Denn sofort den Weg zur nächsten Grenze zu suchen, ist gar nicht mehr nötig. „Die stellen die Wagen hier in der Gegend unter und friemeln sie um“, sagt Vonhausen. Zunächst werden die Erkennungsmerkmale wie etwa die Fahrgestellnummer verändert, dann gibt’s neue Kennzeichen. „Entweder geklaute Kennzeichen oder Doubletten“, sagt Vonhausen.

Die technische Aufrüstung zum Diebstahl-Schutz ist dabei kein Hindernis. Dadurch sind vor allem die „Gebrauchsdiebstähle“ gesunken, also Diebe, die nur eine Spritztour mit dem Wagen machen wollen. Für echte Profis sind Wegfahrsperre und Co kein Problem. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, sagt Vonhausen. Er kann allenfalls raten, den Schlüssel bei sich zu behalten. Doch auch das hilft kaum.

Ist das teure Stück erstmal weg, gibt es kaum Hoffnung auf ein Wiedersehen. „Was weg ist, ist weg. Vor allem bei teuren Auto wie einem BMW X5 oder ein Audi A 8“, ist die Erfahrung von Vonhausen. Nur bei weniger hochwertigen Autos ist der „Gebrauchsdiebstahl“ wahrscheinlich. Wie etwa beim Golf von Tina Bremer. Nach drei Monate bekam sie plötzlich eine Rechnung von einem Abschleppunternehmen. Man habe ihren Wagen von einem Supermarktparkplatz entfernen müssen - in Lübeck.

Quelle: »NEWS Frankfurt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%