Automarke Qoros

Lernen von Skoda und Korea

Alle Versuche Chinas, auf dem deutschen Automarkt Fuß zu fassen, scheiterten bislang an gravierenden Mängeln bei Sicherheit und Qualität. Nun soll eine ganz neue Automarke den Durchbruch bringen: Qoros.
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Mit Qoros will China weg vom Image des Billiganbieters. Quelle: Reuters

Mit Qoros will China weg vom Image des Billiganbieters.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfMit desaströsen Ergebnissen endeten bislang alle Versuche chinesischer Autobauer, in Europa und Deutschland Fuß zu fassen. Ob "Landwind" oder "Brilliance", alle Fahrzeuge aus dem Reich der Mitte scheiternden bislang an gravierenden Mängeln bei Sicherheit und Qualität. Nun soll eine ganz neue Automarke den Durchbruch von Fahrzeugen "Made in China" auf dem europäischen Markt bringen: Qoros. Die jüngste Automarke der Welt setzt auf renommierte Partner und viel deutsches Knowhow.

China, inzwischen größter Automarkt der Welt, ist für Außenstehende noch immer ein Autoland voller Rätsel und Mysterien. Alle erfolgreichen ausländischen Marken bilden eine Kooperation mit einem einheimischen Unternehmen. So schreibt es das chinesische Gesetz vor. "FAW" steht beispielsweise für "First Automotive Works" und ist der einheimische Joint-Venture-Partner von Volkswagen. Daimler kooperiert mit der "Beijing Automotive Industry Holding" (BAIC), während Kia, Nissan oder der französische PSA-Konzern mit "Dongfeng" zusammenarbeiten.

Darüber hinaus bauen Dutzende von chinesischen Herstellern Autos, die ausschließlich für ihren heimischen Markt bestimmt sind. Diese Produkte aber können die Standards für technische Ausstattung, Sicherheit oder Verarbeitung nicht im Entferntesten erfüllen, die für einen erfolgreichen Vertrieb in Europa oder den Vereinigten Staaten unerlässlich sind.

Den ersten Versuch startete "Jiangling Motors" aus der südchinesischen Fünfmillionen-Metropole Nanchang mit dem SUV "Landwind", ein Modell auf Basis des Isuzu "Trooper", beziehungsweise des Opel "Frontera". 2005 unterzog der ADAC den 15.000 Euro teuren Offroader vor der für Herbst geplanten Markteinführung einer Crashtest-Serie. Die Ergebnisse fielen so katastrophal aus, dass der Importeur auf den Vertrieb des ABS- und ESP-freien Autos verzichtete.

Als Kooperationspartner von BMW sah sich Brilliance eher gewappnet, die Herausforderungen des deutschen und des europäischen Marks ab 2008 anzunehmen. Die beiden Mittelklassebaureihen "BS4" und "BS6" fielen beim NCAP-Crashtest aber ebenso mit Pauken und Trompeten durch wie bei zahllosen Tests, die gravierende qualitative Mängel offenbarten. Bereits 2009 musste die Vertriebsgesellschaft Konkurs anmelden.

Nun will Qoros den nächsten Versuch einer chinesischen Auto-Offensive in Europa wagen. Dazu hat der größte unabhängige chinesische Hersteller "Chery" mit einem Investor aus Israel ein Paket mit zwei Milliarden Euro Investitionsvolumen geschnürt. Bis 2015 sollen die Mittel in neue Produktionsstätten für bis zu 500.000 Fahrzeuge jährlich, ein Vertriebsnetz und vier komplette Modellreihen fließen. Die erste Baustufe des westlich von Shanghai gelegenen Werks Chanshu beschäftigt die ersten 350 der bislang 800 aktiven Mitarbeiter des 2007 gegründeten Labels.

Viel deutsches Knowhow
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10 Kommentare zu "Automarke Qoros: Lernen von Skoda und Korea"

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  • "[...] Durch den Transfer von Europäischen Know-How nach China wird dies den Herren leicht gemacht.Man muß und sollte immer daran denken das dieses Land ,nicht Demokratisch geführt ist ,und wenn es hart auf hart kommt ,die Fabriken die Deutsche Firmen gebaut haben ,über Nacht verstaatlicht werden. [...]

    Vollkommen richtig. Aber das supranationale Logengekungel wollte ja genau dies auf dem Weg zur One World. Da wertet sich jedes Schlechtreden der Produkte natürlich nur als künstlich geschaffenes Sammelbecken für Ressentiments der 'Ungebildeten'.

  • ESP braucht kein Mensch.

    Was man bräuchte, hat man vor vielen Jahren abgeschafft: Eine sichere Karosserie, z.B. mit Rahmenkonstruktion.

    Ich habe 2 unverschuldete Unfälle deswegen unverletzt überstanden, weil mein vielgeschmähter Landcruiser eine bärenstarke Karosserie hatte.

    Wenn man sich die Formel-1-Unfälle anschaut, wo man mit einem 250 Stundenkilometer-Crash unverletzt aus der rauchenden Kiste steigen kann, fragt man sich, was die Industrie für den normalen Autofahrer unterlassen hat.


  • Richtig, anfänglich hat man ja auch die Japaner nicht ernst genommen.

    Der Chinese kann alles bauen - vom Transrapid über iphone bis zum Auto.

    Wünschenswert wäre aber ein Auto, das auf den Elektronic- und Fahrhilfen-Firlefanz verzichtet und dafür entsprechend günstiger ist.

    Ich fahre seit 30 Jahren Toyota und habe noch nie eine Reparatur gehabt, die ich hätte selbst bezahlen müssen.

  • Man sollte jeden "Neuling" erst einmal ernst nehmen.
    Es kommt darauf an ,wie schnell die Chinesen lernen.Kopieren können diese schon ,wenn auch noch schlecht.Durch den Transfer von Europäischen Know-How nach China wird dies den Herren leicht gemacht.Man muß und sollte immer daran denken das dieses Land ,nicht Demokratisch geführt ist ,und wenn es hart auf hart kommt ,die Fabriken die Deutsche Firmen gebaut haben ,über Nacht verstaatlicht werden.Wenn man sich anschaut ,wie schnell bei den Zulieferern in China ,die Firmenschilder gewechselt werden ist dies nicht abwägig.Eine bessere Aufstellung der Deutschen Automobilindustrie in Deutschland sollte erfolgen,um alle eventualitäten abzusichern.

  • Bleibt auf eurem viel zu hohen Ross!
    Ich war in Deutschland Oberklasse Kunde und das bald 4 Jahrzehnte. Hier iun Brasilien habe ich das Fahren (aus verschiedenen Gruenden) in Kompaktwagen gelernt, ohne viel Schnickschnack und frage mich, wieso ich das nicht schon 40 jahre frueher gemacht habe.
    Hier in diesem Lang kamen die ersten Modelle aus China etwa vor 18 Monaten. Heute haben sie einen Marktanteil von fast 10% und bauen bereits mehrere Werke hier!
    Mal sehen wie die malocher in Deutschland ihre Meinung aendern, wenn sie bei VW entlassen aber beim Chinesen in der Nachbarschaft eingestellt werde? Auf einmal sind dann chinesische Autos SPITZE! Ich werds noch erleben, aber eben aus 10000 km Entfernung!

  • Wenn man objektiv hinsieht, stellt man fest, daß der BS4 keineswegs schlecht und schon gar nicht katastrophal im Crashtest abgeschnitten hat. Seine nach aktuellen EU-Kriterien bedingte Bewertung schneidet aufgrund eines sicherheitstechnischen "Ausstattungsmangels" mit 0 Sternen ab. Hauptsächlich weil das ESP fehlt. Das Crashverhalten liegt bei 3 Sternen und damit auf einem Niveau wie bei vielen anderen Autos seiner Zeit auch. So etwas sollte man unterscheiden wenn man von einem 'Crash-Test' spricht.

  • @Stefan

    Wir dürfen aber nicht vergessen, dass auch Dacia nicht ernst genommen wurde. Auch diese Fahrzeuge sind technisch gesehen keine Wegweiser. Sie finden aber trotzdem Kunden. Und das mit steigenden Absatzzahlen. Das liegt unter anderem daran, dass viele finanziell gar keine andere Möglichkeit mehr haben, als sich billigen Alternativen umzusehen. Und so werden auch die Chinesen ihre Autos irgendwann im deutschen Markt platzieren. Wenn die Autokäufer vor der Wahl stehen einen Kleinstwagen VW Up für 11.000 Euro zu kaufen oder für 7.000 Euro einen chinesischen Mittelklassewagen, dann wird es immer mehr geben, die nicht anders können, als den billigeren zu nehmen. Ich sag nur: Hohe Spritpreise, Hohe Strompreise, Maut-Planung, ständig steigende Abgaben und Steuererhöhungen. Die potenziellen Autokäufer in unserem Land werden dazu gezwungen, sich billiger auszustatten. Wenn unser Staat und unsere Autokonzernbosse den Hals nicht vollkriegen und den Bogen so überspannen, blüht der chinesischen Automarkt bei uns schneller auf, als es wünschenswert wäre.

  • Davor muß kein deutscher Automobiler Angst haben.
    Rentner und zusammengekauftes Know-How bilden kein Gegengewicht gegen hundert Jahre Know-How der Spitzengruppe.
    Und wenn ich sehe, wie chinesisches Spielzeug (was anderes kriegt man ja kaum noch zu kaufen, egal welcher Hersteller/Importeur drauf steht)schon den ersten Einsatz nicht überlebt, dann frag ich mich, wie wollen die ein komplexes Produkt wie ein Auto auf die Strasse und an den Mann/Frau bringen?
    Ein Auto unterhalb von Skoda gibts auch schon, das heisst Dacia. Und bevor ich mir solche Möhre antue, kauf ich lieber nen gebrauchten Golf.

  • China und Kracher ? Sie meinen wogh eher ein Plagiats-Böller !

  • Ohne das Ganze massiv zu subventionieren wird das nicht darstellbar sein. Die Chinesen können nicht hexen, weiss garnicht was da ständig diese Angst vor China bedeuten soll.

    Effektive und Qualitätsbewusste Produktion kostet in China mehr als in Deutschland (nur sieht man das immer erst am Ende was in der Kasse übrig bleibt), mal davon abgesehen dass die das zum einen erstmal garnicht können und zum anderen auch garnicht wollen (Kulturell bedingt).

    Die Chinesen werden niemals, ohne dass kräftig subventioniert wird, Qualitativ gleichwertige technisch hochwertige Fahrzeuge liefern können. Schliesslich ist das keine Leiterplatte wo man ein paar billige Kondensatoren von chinesischen Bauern einbauen lassen muss.

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