Automechanika

Daten erobern die Schraubermesse

Autos und ihre Bauteile werden im „Internet der Dinge“ stark vertreten sein. Auf der Messe Automechanika ist an vielen Stellen zu sehen, wie die digitale Datenflut die Fahrzeuge und den Umgang mit ihnen verändert.
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Das aus Acryl bestehende „ZF-Car“ des gleichnamigen deutschen Herstellers. Quelle: dpa
Messe Automechanika

Das aus Acryl bestehende „ZF-Car“ des gleichnamigen deutschen Herstellers.

(Foto: dpa)

FrankfurtDas Laptop ist schon länger ein wichtiges Arbeitsmittel in Autowerkstätten, wenn es darum geht, die in den Fahrzeugen gesammelten Daten auszulesen. Die zunehmende Vernetzung mit laufender Datenübertragung in Echtzeit wird die Kfz-Branche aber noch weit stärker verändern, sind sich Experten auf der Zulieferermesse Automechanika sicher, die an diesem Dienstag in Frankfurt eröffnet wird. Es geht dabei nicht nur um automatisiertes Fahren, sondern um digital optimierte Abläufe im ganz normalen Werkstattleben.

Der Zulieferer ZF hat in sein „Advanced Urban Vehicle“ (AUV) so ziemlich alle Techniken reingepackt, die bereits für den autonomen Betrieb eines Autos vorhanden sind. Der Kleinwagen kann seine Vorderräder fast im rechten Winkel ausstellen und schafft es so mit Hilfe eines raffinierten Doppel-Elektroantriebs an der Hinterachse in die kleinsten, zuvor selbst gefundenen Parklücken. Über die Datencloud ist das AUV stets im Bilde über die umliegende Verkehrslage und kann entsprechend vorausschauend fahren. Das Lenkrad schließlich merkt mit seinen Sensoren, ob es noch angefasst wird oder sich der Fahrer schon ganz auf die neuen Techniken verlässt.

Die Fahrzeuge stehen künftig - wie jetzt schon in der Formel 1 - im stetigen Daten-Kontakt zu ihren Werkstätten und kommunizieren selbstständig zu Wartung und Instandhaltung, heißt es in der Studie „Future of the Car“ der Teradata GmbH in Kooperation mit der International School of Management, Verkehrsclub AvD und Messegesellschaft. Droht ein Bauteil auszufallen, könnten Werkstatttermin und Ersatzteilbestellung automatisiert angestoßen werden, lautet die nicht allzu ferne Vision der Studie.

Stärker, schneller, sparsamer
Porsche Panamera 4 E-Hybrid
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Mit einer Plug-in-Hybridversion ergänzt Porsche das Antriebsangebot beim Panamera. Als 340 kW/462 PS starker Panamera 4 E-Hybrid kostet die ab sofort bestellbare Oberklasselimousine mindestens 107.553 Euro. Die Auslieferung startet im April.

Verbindung von Elektromotor und V6-Benziner
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Wie schon beim Vorgänger soll der Öko-Panamera den CO2-Flottenausstoß mit einer Verbindung von Elektromotor und V6-Benziner drücken. Als Verbrenner kommt der neue 2,9-Liter-Biturbomotor zum Einsatz, der im Hybridmodell 243 kW/330 PS leistet. Im Verbund mit dem 100 kW/136 PS starken E-Motor kann der Panamera auf eine Gesamtleistung von 340 kW/462 PS zurückgreifen.

Mehr PS ohne Mehrverbrauch
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Die 46 Mehr-PS gegenüber dem Vorgänger sollen aber nicht für Mehrverbrauch sorgen. Im Gegenteil: Mit einem – bauartbedingt sehr theoretischen - Normverbrauch von 2,5 Litern auf 100 Kilometern (56 Gramm CO2/km) unterbietet der Neue den Alten um gut einen halben Liter. Die elektrische Reichweite gibt der Hersteller mit 50 Kilometern an, was die Limousine in den meisten Märkten für die staatlichen Förderprogramme qualifiziert. Der Vorgänger mit seinen 36 Kilometern stieß in dieser Hinsicht bereits an Grenzen.

Maximal 278 km/h sind möglich
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Aber nicht nur bei den technischen Daten unterscheiden sich die beiden Panamera-Generationen, auch die Arbeitsteilung der beiden Motoren wurde nach dem Vorbild des Supersportwagens 918 Spyder neu ausgerichtet. So schaltet sich der E-Motor nun nicht erst bei einem kräftigen Tritt aufs Gaspedal ein, sondern schickt seine Kraft für zusätzlichen Turbo-Effekt über das gesamte Geschwindigkeitsband auf die Räder. Zudem sorgt er auch für ein gesteigertes Maximaltempo; das liegt nun bei 278 km/h, zuvor war bei 270 km/h Schluss.

Kraft auf alle Vier Räder
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Selbstverständlich kann der Fahrer dem Antrieb einen Arbeitsschwerpunkt vorgeben, so dass das Motorendoppel entweder besonders effizient oder besonders kraftvoll agiert. Auch das Aufladen und Schonen der Batterie für eine spätere rein elektrische Fahrt ist möglich. Beide Motoren übertragen ihre Kraft an alle vier Räder, vermittelt wird das über ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, das die Achtgang-Wandlerautomatik des Vorgängers ersetzt.

Blick ins Cockpit
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In die Nähe der niedrigen Normverbrauchswerte kommt der Panamera-Fahrer aber nur mit vollgeladener Batterie. Der flüssigkeitsgekühlte 14,1-kWh-Akku lädt an einer normalen Steckdose in knapp sechs Stunden auf, wer sich die optionale 7,2-kW-Ladetechnik bestellt, kann im günstigsten Fall nach 3,6 Stunden von der Ladesäule abkoppeln.

Derzeit günstigster Panamera
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Im aktuellen Panamera-Portfolio ist der 4 E-Hybrid mit seinen knapp 108.000 Euro das günstigste Modell. Oberhalb rangieren zurzeit das 324 kW/440 PS starke V6-Modell Panamera 4S (113.027 Euro), der Panamera Turbo mit 404 kW/550 PS (153.011 Euro) und der Panamera 4S Diesel als einziger Selbstzünder (310 kW/422 PS, ab 116.954 Euro). Die nachgereichten Basismodelle dürften den Einstiegspreis in die Baureihe aber unter die 100.000-Euro-Marke drücken, so dass der Spitzenrang des Hybrids als günstigster Panamera von begrenzter Dauer ist.

„Jedes Auto wird künftig bei einem Werkstattbesuch mehrere Terabyte Daten liefern“, sagt Jan Witkamp von Bosch. Wie Zulieferer-Konkurrent Continental arbeitet der Stuttgarter Konzern am Werkstattkonzept der Zukunft. Jedes ankommende Fahrzeug wird darin zunächst einem elektronischen Gesundheitscheck unterzogen, der mit den bereits vorhandenen Daten aufbereitet wird. Die Vernetzung sämtlicher Diagnosegeräte in der Werkstatt - beispielsweise solche zur Achsvermessung oder für die Licht- oder Klimaanlage – ist dabei Grundvoraussetzung für ein digitales Abbild des Fahrzeugs.

Um die so gewonnene Informationsvielfalt im Alltag beherrschbar zu machen, nutzen die Bosch-Ingenieure Techniken der „Augmented Reality“, wie sie aus TV-Fußball-Analysen oder dem Handy-Spiel „Pokemon-Go“ bekannt sind. Als „erweiterte Realität“ werden dabei über das Livebild eines Tablet-PCs zusätzliche grafische Informationsebenen gelegt, die sich je nach Zielgruppe stark unterscheiden können.

Auf diese Assistenten wollen wir nicht mehr verzichten
Fünf Beispiele für sehr sinnvolle Assistenzsysteme, die gar nicht unbedingt teuer sein müssen:
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Adaptiver Tempomat:

Die Adaptive Cruise Control (ACC) genannte Funktion (ca. 600 Euro beim VW Golf) hält nicht nur die Geschwindigkeit wie ein Tempomat, sondern auch den vorgegebenen Abstand zum Vordermann, mithilfe von Radar-, Lidar- und/oder Kamerasensoren.

Bremst der Vordermann, verzögert auch das eigene Fahrzeug, ebenso fährt es automatisch schneller. Die aufwendigsten heutigen Systeme können im Stop-and-Go-Verkehr auch selbstständig wieder anfahren. Neben mehr Komfort bringt der Abstands-Tempomat einen zusätzlichen Sicherheitsgewinn.

Fernlicht-Assistent:
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Ist der Fernlicht-Assistent eingeschaltet, blendet das Auto je nach Verkehrssituation selbstständig ab und wieder auf. Diese relativ einfachen Systeme gibt es ab etwa 150 Euro. Voraussetzung ist eine Frontkamera, die entgegenkommende Autos und Motorräder ebenso wie vorausfahrende Fahrzeuge erkennt.

Bei den aufwendigeren, adaptiven Systemen bleibt das Fernlicht selbst in diesen Situationen an und sorgt für gute Ausleuchtung. Nur in dem Bereich, wo das Licht andere Verkehrsteilnehmer stören könnte, wird ausgeblendet.

Totwinkel-Assistent:
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Das System, auch Blind-Spot-Assist genannt (ca. 400 Euro beim VW Golf) überwacht den sogenannten „Toten Winkel“, also jenen Bereich, den der Fahrer über die Spiegel nicht einsehen kann.

Nähert sich hier ein Fahrzeug, zeigt es der Assistent an, meist über ein Lämpchen im Außenspiegel. Setzt der Fahrer trotzdem zum Spurwechsel an, wird er vor einer drohenden Kollision gewarnt, meist optisch, akustisch und/oder durch Vibrationen im Lenkrad.

Notbrems-Assistent:
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Aktive Notbrems-Assistenten erkennen mit Hilfe von Sensoren (Radar, Kamera) eine kritische Situation, zum Beispiel einen drohenden Auffahrunfall mit dem Vordermann. Sie warnen den Fahrer (optisch, akustisch, Bremsruck), reagiert er nicht, leiten sie eine Notbremsung ein.

Je nach Hersteller und Fahrzeugklasse sind die Systeme bereits Serie oder können für wenige hundert Euro hinzu gebucht werden. Die aufwendigsten Systeme, zum Beispiel von Volvo, Mercedes oder Lexus erkennen Fußgänger auf Kollisionskurs und bremsen selbstständig.

Einpark-Assistent:
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Es gibt verschiedene Systeme – von der Rückfahrkamera, die zeigt, wie das Fahrzeug mit dem jeweils aktuellen Lenkrad-Einschlag in die Lücke steuern würde bis zu Systemen, die im Vorbeifahren den Parkplatz vermessen und dann den Wagen selbstständig in die Lücke zirkeln, der Fahrer muss nur noch Gas geben und bremsen. Sie sind bereits ab einigen hundert Euro erhältlich.

Für die Werkstattkunden könnten etwa Informationen über Sinn, Preis und Notwendigkeit der bevorstehenden Reparatur eingespielt werden, für die Mechaniker am Auto detaillierte Anleitungen zur Ausführung. Bei zunehmender Globalisierung und immer schnelleren Modellwechseln sollten die Mechaniker möglichst über ihr Smartphone an diese Informationen kommen können. Auch zusätzliche Autoteile lassen sich über die Oberfläche verkaufen, ist Witkamp überzeugt: „Augmented Reality ist die Benutzerschnittstelle der Zukunft.“

Natürlich dürfen auf der Automechanika auch dreidimensionale Datenbrillen nicht fehlen. Die Retail Performance Company hat beispielsweise eine Anwendung produziert, mit der potenziellen BMW-Kunden während einer simulierten Autofahrt die Arbeitsweise von modernen Hybrid-Motoren leicht verständlich erklärt wird. Doch dabei wird es nicht bleiben. Längst gibt es erste Prototypen, wie sich Mechaniker während der Arbeit Reparaturanleitungen vor Augen führen und zusätzliche Live-Unterstützung anfordern können.

Continental zeigt eine Daten-Plattform, mit der die gesamte Kundenbetreuung digital von der Fehlererkennung über die Terminbuchung bis hin zur Reparatur erleichtert werden soll. Die Fahrzeugdaten blieben dabei stets Eigentum des Fahrzeughalters, sagt Peter Wagner, Continental-Geschäftsführer Aftermarket. Er müsse immer selber entscheiden können, ob er seine Daten für die angebotenen Dienste weitergibt. Dazu müsse der Kunde angemessen informiert werden, wer letztlich die Daten nutze.

  • dpa
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7 Kommentare zu "Automechanika: Daten erobern die Schraubermesse"

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  • Ralph S.25.08.2016, 12:45 Uhr
    Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme.

  • Ralph S.17.08.2016, 15:55 Uhr
    Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

  • Ralph S.05.09.2016, 11:33 Uhr
    Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

    Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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  • Ralph S.17.08.2016, 15:55 Uhr
    Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

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