Autor Norbert Bauer über Meilensteine im Automobilbau und die Verbindung von Kultur und Technik
Wiederkehr der Jugendträume

Das Automobil galt einst als eine phantastische Utopie. Heute ist es ganz offiziell zum europäischen Kulturerbe erhoben worden. Den Weg dorthin hat Norbert Bauer in seinem Buch „Automuseen und Sammlungen in Europa“ unter die Lupe genommen.

Bei seinen Recherchen durchstreifte er mehr als 200 Museen auf dem europäischen Kontinent. In seiner historischen Bestandsaufnahme schildert er nicht nur technische Finessen der Automobilkunst, sondern dokumentiert auch den Lebensstil vergangener Epochen und die daraus resultierende Formgebung der Autos.

Warum haben Sie sich ausgerechnet mit den Tempeln der europäischen Autokunst beschäftigt?

Weil die Rolle des Automobils für die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts noch zu wenig beachtet wird. Das wollte ich ändern.

Was ist denn das Besondere an der automobilen Kultur?

Die Symbiose aus technischen Errungenschaften und dem ästhetischen Ausdruck. Aber es ist auch die Wiederkehr der Jugendträume oder der Gedanke an die göttliche Greta Garbo in ihrer weißen Rolls-Royce-Spezialkarosserie. All das macht den Reiz aus.

Haben Sie technische Leckerbissen entdeckt?

Ja, eine große Vielfalt an technischen Konzepten, genialen Erfindergeist und richtungweisende Erfindungen: den Dunlop-Luftreifen, das Lenkrad, die Hochspannungszündung oder die Scheibenbremse. Sie alle führen zum aerodynamischen und umweltverträglichen Gebrauchs-Automobil von heute.

Exotik bieten die Museen natürlich auch jede Menge. Angefangen von gewagten Rennwagen-Konstruktionen für Siegertypen bis hin zu Karossen, deren einziger Zweck dazu diente, Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen.

Bei welchen Autos werden Sie schwach?

Das sind die schnellen Grand Routiers von Delahaye und Delage mit ihren extravaganten dynamischen Formen. Eingeprägt haben sich mir auch die Blechkünstler Figoni & Falaschi und natürlich die Sportwagen-Designikone Jaguar E.

Schließlich die Vollblut-Sportwagen der sechziger und siebziger Jahre aus Italien. Aber Achtung, jetzt komme ich ins Schwärmen.

Und von welchen Museen schwärmen Sie?

Die beeindruckendsten Museen konzentrieren sich in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Italien. Hier kommt der Besucher regelrecht ins Staunen.

Wie ist die Verbindung zwischen persönlichem Lebensstil und Automodellen?

Persönlicher Lebensstil ist Ausdruck von Individualität, Lebensanschauung und Freizeitverhalten. Gesellschaftliche Position, Progressivität oder Tradition prägen auch die Autogeschichte des 20. Jahrhunderts. Und Automobilklassiker sind auch stilvoller Ausbruch des Individuums aus den Fesseln des Alltags.

Kommt daher möglicherweise auch die Vision vom Traumwagen?

Traumautos waren immer Ausdruck der Sehnsüchte der Gesellschaft. Sie symbolisieren als Mythen gesellschaftlichen Aufbruch, verbunden mit Lebensfreude und Zuversicht.

Welches sind heute im Automobilbau die Firmen, die solche Träume der Menschen realisieren?

Ich werde bewusst keine Namen nennen. Das sind jene, die Faszination, Ästhetik, Lebensstil und Dynamik mit einem qualitativ einwandfreien Produkt anbieten.

Welche Autos gehören zu den Meilensteinen im Automobilbau?

Es beginnt mit den Patent-Motorwagen von Benz. Natürlich gehören auch die frühen Modelle der französischen Autohersteller Panhard & Levassor dazu. Dann der Mercedes von 1901 mit seinem Maybach-Konzept. Der Rolls-Royce Silver Ghost ist als Prototyp des Luxuswagens auch dabei.

Weitere sind: Der Ford T als Beispiel für die Fließband-Produktion im Automobilbau; der Fiat Topolino („Mäuschen“) als liebevoll durchdachter Kleinwagen; die Citroën DS mit ihrer avantgardistischen Technik- und Designlinie; der Mini als Vorläufer des kompakten Kleinwagens; der Range Rover machte den Prestige-Geländewagen salonfähig und sich damit verdient; der NSU Ro 80 als Vorbild der heute viertürigen Limousine und schließlich der Renault Espace, der die Großraumwagen in Europa einführte.

Und was ist mit dem VW-Käfer?

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