Autosalon Paris Hybrid-Hype ohne deutsche Autobauer

Toyota hat ihn seit neun Jahren - und fährt längst satte Gewinne damit ein. Auf dem Pariser Autosalon ziehen zahlreiche europäische Firmen nach und präsentieren eigene Modelle mit einem spritsparenden Hybrid-Motor: Citroën, Peugeot, Saab...
Lexus RX 400h Hybrid: Während Toyota mit der Hybrid-Technik schon regen Umsatz verzeichnet, haben deutsche Autobauer noch nicht konkretes in der Pipeline.

Lexus RX 400h Hybrid: Während Toyota mit der Hybrid-Technik schon regen Umsatz verzeichnet, haben deutsche Autobauer noch nicht konkretes in der Pipeline.

HB PARIS. Nur an den Ständen der deutschen Autobauer sucht man vergebens nach der innovativen Technologie. Verschlafen die Deutschen einen Zukunftsmarkt?

„Schauen Sie sich die Daten an“, sagt Toyota-Manager Colin Hensley mit amüsiertem Gesichtsausdruck. 720.000 Hybrid-Wagen haben die Japaner seit Einführung des Prius 1997 verkauft, Tendenz steil steigend: Im ersten Halbjahr 2006 entschieden sich 135.000 Kunden für die Modelle mit Verbrennungs- und Elektromotor und einem Durchschnittsverbrauch von 4,3 Litern. „2010 werden wir eine Millionen Hybrids verkaufen“, prognostiziert Hensley. Mitte kommenden Jahres bringt Toyota mit dem Lexus LS 600 H den weltweit ersten V8-Hybrid-Antrieb auf den Markt. In Paris ist der elegante Luxus-Wagen schon eine Attraktion.

Citroën stellt in Paris mit dem Coupé C-Métisse einen Hybrid-Diesel-Konzeptcar vor; Peugeot ein 207 Coupé-Cabrio mit Brennstoffzelle. Die aufregendste Studie präsentiert Saab mit seinem 9,3 Cabriolet Hybrid-Biopower: Der Wagen mit Doppelaggregat sieht nicht nur geschmeidig aus. Er kann auch reinen Ethanol-Treibstoff tanken: 260 PS unter der Haube - kaum Emissionen aus dem Auspuff.

Die deutschen Autobauer erkennen zähneknirschend an, dass Toyota geschickt die Marktlücke genutzt und sich ein Spitzenimage aufgebaut hat. Ob in München, Stuttgart, Rüsselsheim oder Wolfsburg: Überall wird der steigende Hybrid-Hype mit einem gewissen Unbehagen beobachtet. „Auch BMW wird in die Technik einsteigen“, versichert Unternehmenschef Norbert Reithofer, ohne konkret zu werden. Zunächst setze man weiter auf effiziente Verbrennungsmotoren.

Bei Opel ist ebenfalls kein Hybrid in der Pipeline. Dabei arbeiten BMW, General Motors und DaimlerChrysler bei der Entwicklung zusammen. Ebenso haben VW, Porsche und Audi eine Hybrid-Allianz geschlossen.

„Alle reden darüber“, konstatiert DaimlerChrysler-Sprecherin Edith Meissner. Nur kann man ihrer Einschätzung nach in Europa zur Zeit noch kein Geld damit verdienen. Außerdem sei es ein „brachialer Irrtum“ zu glauben, die Hybrid-Technik löse alle Probleme. So ließen sich etwa auch mit Bio-Treibstoffen die Emissionen weiter senken. „Und um Sprit zu sparen, sind die neuesten Dieseltechnologien wesentlich billiger.“

Nur: Zum Unmut der Europäer ist die Diesel-Revolution der vergangenen 15 Jahre in den USA, dem wichtigsten Automarkt der Welt, weitgehend ignoriert worden. Dort fahren fast nur Lastwagen mit dem als dreckig und übel riechend geltenden Treibstoff. Und ausgerechnet in dem Land der endlosen Highways ist der Hybrid besonders sexy. „Dabei macht es keinen Sinn, wenn man mit 50 Meilen pro Stunde über Land gondelt“, sagt Meissner.

Wie geschaffen ist der Hybrid dagegen für den Stop-and-Go-Verkehr in europäischen Metropolen wie Paris, London oder Berlin. Analysten weisen zudem darauf hin, dass sich in Europa die Emissionsdebatte weiter verschärfen und der Spritpreis weiter steigen werde: Entwicklungen, die nach der Einführung des Hybrids geradezu schreien.

Allerdings folgen die Marktgesetze nicht immer der Rationalität. Und deswegen schicken die internationalen Automobilkonzerne mit deutscher Beteiligung ausgerechnet in Amerika bald Hybrid-Modelle ins Rennen. Wegen scharfer Auflagen für Dieselfahrzeuge in den USA werde man quasi dazu gezwungen, sagt VW-Chef Bernd Pischetsrieder grummelnd. Der Startschuss falle mit der Modellreihe 2009. Im Zuge der US-Einführung werde man möglicherweise auch auf den europäischen Markt gehen, sagt er nebulös. Chrysler bereitet für 2008 ein Hybrid-Modell seines Spritmonsters Dodge Durango vor. Und General Motors wird vermutlich kurz vorher seinen Geländewagen Chevrolet Tahoe mit der Technik ausrüsten.

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