Autotest Maserati Gran Cabrio
Was für ein Simulant!

Kurz bevor der Winter komplett über uns herein bricht, nimmt Zeit-Kulturkorrespondent Thomas E.Schmidt noch einmal im Cabrio Platz. Er fährt den offenen Maserati Gran Cabrio. Und weiß anschließend genau wie der ideale Fahrer für die 440 PS starke Sportwagensimulation aussieht, – oder die ideale Fahrerin.

Wenn ich in ein Auto der höheren Preisklassen steige, weiß ich immer schon, wie der jeweilige Idealfahrer aussieht. Zu diesem Wagen würde ein halstuchtragender Napoleon mit großer Nase und einem Doppelreiher im Stil von Nicolas Sarkozy gut passen - oder so ein vermeintlich jung gebliebener Typ in Jeans, mit Viertagebart und zu langen schwarzen Locken. Ich entspreche diesen Vorstellungen nicht, außer dass ich auch nicht mehr ganz jung bin. Ich koste ja auch nur vor.

Das Design dieses Cabrios ist natürlich hinreißend. Man glaubt auf den ersten Blick, hier käme ein kleiner ganz Wilder daher, doch dann fühlt man sich auch schon wie in einem riesigen Kaschmirpulli. Die Besonderheit des Maseratis besteht in einer Reihe von Bequemlichkeitskompromissen. Er ist für alle, die es nicht ganz hart gefedert mögen. Die Rücksitze sind breit, zur Not könnten auch die Schwiegereltern mitfahren, der Motor läuft ruhig. Ist das Verdeck geschlossen, kann man mit den Schwiegereltern sogar Händel hören. Und von der Rennstrecke träumen.

Der Kofferraum ist allerdings so klein, dass er hier nicht erwähnt werden müsste. Wenn Schwarzlocke dann allein unterwegs ist, schaltet er sich per Knopfdruck das sportive Motorengeräusch zu. Das Gran Cabrio ist schnell und trotzdem nichts für Puristen oder Geschwindigkeitsasketen, denn es hat den Komfort einer Limousine. Eine Sportwagensimulation, obschon eine gekonnte.

Es ist das Auto, das die Partnerin aussucht und das ihr am Ende besser gefällt als ihm. Manchmal soll das ja auch so sein, und die gewünschte Harmonie stellt sich umso nachhaltiger ein, wenn ein weiteres verlässliches Gefährt für die Langstrecken in der Garage wartet.

Das Exemplar, das ich fahren durfte, strahlte in der Farbe bianco fuji. Das ist ein cremiges Offwhite, entfernt an eine teure Bodylotion erinnernd und seidig in der letzten Herbstsonne schimmernd. Frauen und Männer waren vom bianco fuji gleichermaßen bezaubert. Mit der richtigen Farbe und dem richtigen Holz im Innenraum ist das Gran Cabrio ein echtes Unisexauto.

Seine ideale Fahrerin kennt die Männer und die Autos, sie sähe vermutlich Carla Bruni ein wenig ähnlich. Ich weiß auch nicht, wieso ich darauf komme, aber irgendwie stelle ich mir vor, dies wäre ein schönes Gefährt für Frankreichs Präsidentenehepaar. Er jedenfalls würde es bestimmt genießen. Dieser Wagen würde ihm das Gefühl geben, seine Frau und sein Volk liebten ihn innig.

Technische Daten

Motorbauart: 8-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 323 kW (440 PS)
Beschleunigung (0-100 km/h): 5,4 s
Höchstgeschwindigkeit: 283 km/h
CO2-Emission: 354 g/km
Durchschnittsverbrauch: 15,2 Liter
Basispreis: 132.770 Euro

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