Bagatellschäden
Was Richter zu Kratzer und Beulen sagen

Selbst kleine Kratzer oder Minibeulen bringen manche Autofahrer in Rage. Der Weg zum Kadi ist dann oft nicht weit.

Delle: "Das Kfz ist unfallfrei", stand im Kaufvertrag für ein sechs Jahre altes Auto. Kurz nach dem Deal erblickte der neue Besitzer Ausbesserungsstellen am Kotflügel links hinten. Der Verkäufer, ein Privatmann, räumte daraufhin ein, dass er vor einiger Zeit eine kleine Karambolage hatte, deren Folgen für 118 Euro im Handumdrehen beseitigt worden seien. Der Käufer trat sofort vom Vertrag zurück, erlitt jedoch vor Gericht Schiffbruch. Bei einem sechs Jahre alten Wagen dürfe niemand ein makelloses Äußeres erwarten, so die Richter. Wenn kleine Dellen für Beträge um die 100 Euro ausgebeult werden konnten, seien sie nicht als Unfallschaden zu werten (Landgericht München I, 32 O 11282/03). Wenn die Macken in der Karosserie tiefer als einen halben Zentimeter sind und die Reparaturkosten im vierstelligen Bereich liegen, darf ein sechs Jahre altes Gefährt aber nicht mehr als "unfallfrei" angepriesen werden (Bundesgerichtshof, VIII ZR 330/06).

Kratzer: Ein Taxifahrer rammte nachts ein parkendes Auto und hinterließ einen hässlichen Kratzer. Da er es eilig hatte, heftete er die Taxinummer sowie die Anschrift des Fuhrunternehmens an die Windschutzscheibe. Trotzdem wurde er wegen Fahrerflucht angezeigt – und verurteilt. Sein Argument, bei Kratzern könne man nicht von einem Unfall sprechen, wiesen die Richter zurück: Nur Karambolagen, die unbedeutende Schäden von unter 50 Euro hinterlassen, würden rechtlich gesehen nicht als Unfall gelten. Das sei hier aber nicht der Fall gewesen (Oberlandesgericht Nürnberg, 2 St OLG Ss 300/06).

Gutachter: Eine Frau wurde unschuldig in einen Autounfall verwickelt. Ohne sich vorher von einer Werkstatt einen Kostenvoranschlag zu besorgen, schaltete sie einen Gutachter ein, der den Blechschaden auf 718 Euro bezifferte. Für seine eigenen Dienste stellte der KfZ-Experte 320 Euro in Rechnung. Den Schaden zahlte die gegnerische Versicherung anstandslos – beim Gutachtersalär stellte sie sich jedoch quer. Angesichts des geringen Schadens hätte die Frau nicht sofort einen Gutachter einschalten dürfen, argumentierte die Assekuranz. Falsch, sagten die Richter. Zwar sei es richtig, dass bei Bagatellschäden nicht sofort ein Sachverständiger hinzugezogen werden dürfe. In diesem Fall habe der Schaden aber knapp über der Bagatellgrenze von 700 Euro gelegen. Somit müsse die Versicherung auch den KfZ-Experten bezahlen (Landgericht Coburg, 33 S 36/07).

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