Bausatz-Autos: Die Rückkehr der Tüftler

Bausatz-Autos
Die Rückkehr der Tüftler

Die Deutschen sind ein Volk von Bastlern und Schraubern. Davon ist Automobildesigner Bernd Michalak überzeugt und will das Do-it-yourself-Prinzip in der Garage wiederbeleben.

dpa/gms MAINZ/KEVELAER. Die Deutschen sind ein Volk von Bastlern und Schraubern. Davon ist auch der Mainzer Automobildesigner Bernd Michalak überzeugt und will nun in der Garage wiederbeleben, was in Haus und Hof bestens funktioniert: das Do-it-yourself-Prinzip.

Deshalb hat der Unternehmer die etwas in Vergessenheit geratene Idee des Kitcars aufgegriffen, zeitgemäß interpretiert und für den Automobilsalon in Genf einen flexiblen Auto-Baukasten angekündigt, mit dem Heimwerker einen ausgedienten Smart in ein neues Spaßfahrzeug verwandeln können.

Der Wagen mit dem Arbeitstitel C7 soll mit verschiedenen Karosserievarianten noch in diesem Jahr in Serie geben. Zwar werden solche Bausätze in Deutschland bereits von einigen Unternehmen angeboten. Doch standen bislang vor allem die Nachbauten von deutschen Oldtimer und vor allem britischen Sportwagen auf dem Programm. Schließlich wurde die Idee des Kitcars vor rund 50 Jahren in Großbritannien geboren.

„Angesichts der boomenden Ikea-Häuser und der vollen Baumärkte schien mir die Zeit reif für ein Auto, das man selbst zusammenbauen kann“, sagt Michalak. So wie sie im Wohnzimmer an Möbeln schrauben, sollen Vater und Sohn künftig auch in der Garage zu Werke gehen. Auf der Basis des Smart Fortwo bietet der C7-Bausatz die Möglichkeit, ohne Meisterbrief oder Studium binnen einer Woche einen fahrbereiten Sportwagen zu konstruieren.

Der Käufer des Bausatzes muss sich nur entscheiden, ob er einen zweisitzigen Roadster mit Hard- oder Softtop oder doch eine Clubsport-Version mit nur einem Sitz bauen will. Außerdem tüftelt Michalak an einem kleinen Sportkombi.

„Natürlich sollte sich der Kunde mit Schrauben und Schlüsseln auskennen“, rät Michalak. Doch tiefer gehende Kenntnisse sind für den Bau nicht erforderlich. Denn es muss weder gebohrt und geschweißt werden, noch benötigt der Tüftler Spezialwerkzeug oder eine Hebebühne. Dennoch bietet Michalak in Mainz und bei einigen Partnerbetrieben professionelle Unterstützung für die Bauphase.

Jeder Bausatz besteht aus einem Gitterrohrrahmen mit Bodenplatte, der Kunststoffkarosserie mit Hauben und Türen, einer neuen Armaturentafel und zwei neuen Türverkleidungen. „Alle anderen Teile vom Motor bis zu den Sitzen werden vom Spenderfahrzeug übernommen“, erklärt Michalak. Kosten soll der Do-it-yourself-Roadster nicht mehr als 5 000 Euro. „Dazu kommen dann noch einmal etwa 3 000 Euro für einen betagten oder verunfallten Smart.“

Die Idee des Auto-Bausatzes wurde in den fünfziger Jahren in Großbritannien populär, weil sie ein Steuerschlupfloch darstellte. Während beim Kauf eines Neuwagens die hohe Purchase Tax (PAT) berechnet wurde, gab es Einzelteile quasi steuerfrei. „Deshalb haben in England damals sehr viele Autofahrer ihren Wagen selbst zusammengeschraubt“, erklärt Kitcar-Händler Karlheinz Gesthüsen aus Kevelaer (Nordrhein-Westfalen). Fahrzeuge wie der Morgan Threewheeler, der Lotus Seven oder die Shelby Cobra wurden so auch auf dem Kontinent zur Legende und erfreuen sich als Kitcar noch heute großer Beliebtheit.

Deshalb gibt es in Deutschland ein knappes Dutzend Händler, die vornehmlich über das Internet auch heute noch Auto-Bausätze verkaufen. Laut Gesthüsen haben sie einen Kundenstamm von rund 1 500 Kitcar-Fans. Meist verkaufen sie wie die Firma VM in Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen) Neu- und Nachbauten britischer Originale - zum Beispiel den Seventy Seven. Oder sie lassen wie Classic Car Scheib in Ansbach (Bayern) richtig berühmte Oldtimer neu entstehen.

So hält der Automobilbauer Scheib nicht nur den MG TF mit VW-Technik unter einer Kunststoff-Karosserie bereit, sondern auch Bausätze für den Porsche 356 oder den Mercedes 300 SL Roadster. Die Preise für die Nachbauten schwanken beträchtlich: Während für rund 2 000 Euro bereits ein gebrauchtes Kitcar zu bekommen ist, kostet bei VM beispielsweise allein der Bausatz für eine Lotus-Replik knapp 9 000 Euro - Motor exklusive. „Aber nach oben sind in diesem Markt die Grenzen offen“, sagt Gesthüsen.

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