Nachrichten
Bei Fahrten im Nebel Sicherheitsabstand halten

Die Sicht wird trüber, andere Autos sind nur noch als Schemen zu erkennen. Schließlich wird alles von einer wabernden „Suppe“ verschluckt. Autofahrer, die bei dichtem Nebel unbeirrt weiterfahren, starten einen gefährlichen Blindflug.

dpa/gms FRANKFURT/MAIN/KöLN. Die Sicht wird trüber, andere Autos sind nur noch als Schemen zu erkennen. Schließlich wird alles von einer wabernden „Suppe“ verschluckt. Autofahrer, die bei dichtem Nebel unbeirrt weiterfahren, starten einen gefährlichen Blindflug.

Auffahrunfälle und Massenkarambolagen sind dann oft die Folgen. Durch die jahreszeitlich bedingt schlechtere Witterung häufen sich diese Unfälle im Herbst. Als Hauptursachen machen Verkehrsexperten vor allem zu hohe Geschwindigkeit und zu geringen Sicherheitsabstand aus.

„Nebel besteht aus kondensiertem Wasserdampf in der bodennahen Luftschicht“, erklärt der Diplom-Meteorologe Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Frankfurt. Dabei handele es sich um feine Wassertröpfchen mit einem Durchmesser von 0,01 bis 0,1 Millimeter. Nebel sei also „eine Art Wolke, die quasi auf dem Boden aufliegt“. Durch Streuung des Lichts beeinträchtigten die in der Luft schwebenden, mikroskopisch kleinen Wassertröpfchen die Sicht: „Je mehr Tröpfchen und je dichter, desto geringer ist die Sichtweite.“

Für den Verkehr ergeben sich dadurch besondere Risiken. Nach Angaben des TÜV Rheinland in Köln forderten Nebelunfälle im Jahr 2004 in Deutschland 380 Tote und Verletzte. Meist kracht es, weil trotz schlechter Sicht zu schnell gefahren wird. „Taucht plötzlich eine Nebelbank auf, muss das Tempo sofort angepasst werden. Als Faustregel gilt: Bei einer Sichtweite von weniger als 50 Metern darf man 50 km/h fahren“, raten die Sachverständigen. Das gelte auch für Autobahnen.

Je schlechter die Sicht wird, desto größer muss außerdem der Sicherheitsabstand werden - sonst erhöht sich die Gefahr von Auffahrunfällen. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn macht auf das Risiko einer Sinnestäuschung aufmerksam: Bei Nebel werden Entfernungen oft falsch eingeschätzt, da Gegenstände auf oder neben der Fahrbahn für weiter entfernt gehalten werden, als sie tatsächlich sind. Der Adac in München empfiehlt daher für Fahrten im Nebel die Faustformel „Sichtweite ist gleich Sicherheitsabstand“.

Als Orientierungshilfe bieten sich die Leitpfosten an, die im 50-Meter-Abstand neben der Fahrbahn stehen. Sind sie nicht mehr zu sehen, empfiehlt der TÜV, auf die Markierungen in der Straßenmitte zu achten: Der Abstand vom Beginn einer weißen Linie bis zum Beginn der nächsten betrage auf Landstraßen zwölf und auf Autobahnen 18 Meter.

Auf keinen Fall sollten sich Autofahrer an den Rückleuchten des Vorausfahrenden orientieren. „So ein Fahrverhalten verleitet dazu, den Sicherheitsabstand bei dichter werdendem Nebel eher zu verkürzen als zu verlängern“, warnt der TÜV. Wer sich an den Vordermann „dranhängt“, fordere Auffahrunfälle geradezu heraus. Durch zu dichtes Auffahren werde eine fatale Kettenreaktion in Gang gesetzt, wie Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart erklärt.

Subjektiv verringere sich zwar beim „Verfolger“ das beklemmende Unbehagen im Nebel, da er als Orientierungshilfe nun die Rücklichter vor Augen hat. Objektiv erhöhe sich jedoch das Unfallrisiko deutlich, da der bedrängte Vordermann seinerseits versuche, durch mehr Tempo den ursprünglichen Sicherheitsabstand wieder herzustellen. Durch diesen so genannten Druck- und Sogeffekt erhöht sich laut Hillgärtner allmählich die Geschwindigkeit der im dichten Nebel aufgereihten Kolonne. „Bereits das kurze Bremsen eines einzigen Autos kann dann die gefürchtete Massenkarambolage auslösen“, warnt der ACE-Sprecher.

Um die eigene Sicht und Sichtbarkeit zu verbessern, empfiehlt der TÜV, auch am Tag das Abblendlicht einzuschalten, sobald die Sicht schlechter wird. Auch sollten im Nebel regelmäßig die Scheibenwischer betätiget werden, um feine Wassertropfen von der Scheibe zu wischen.

Weil Nebelwände, mit denen nicht gerechnet wurde, besonders gefährlich sind, sollten Autofahrer darüber hinaus im Herbst an nebelkritischen Stellen generell vorsichtig fahren. Laut DWD-Meteorologe Gerhard Lux zählen zu diesen Gebieten im Herbst vor allem windschwache Lagen im Tal, in denen sich nachts kühle, feuchte Luft sammelt und zu Nebel kondensiert. Der DVR rät auch an Flüssen, großen Wiesenflächen und Waldgebieten zu vorsichtiger Fahrweise.

Info-Kasten: Nebelscheinwerfer und -schlussleuchte richtig nutzen

Bei einer Sichtweite von weniger als 150 Metern sollten die Nebelscheinwerfer zugeschaltet werden. Sie ermöglichten eine bessere Sicht, da ihr Lichtkegel nur den Bereich unmittelbar vor dem Fahrzeug ausleuchtet, erklärt Ulrich Köster vom Scheinwerferhersteller Hella in Lippstadt. Anders als beim Abblend- oder Fernlicht werde jedes Streulicht nach oben abgeschirmt, damit es nicht den Fahrer durch Reflexionen blendet. Daher könnten bei sehr dichtem Nebel auch nur die Nebelscheinwerfer eingeschaltet werden. Die Nebelschlussleuchte darf dagegen nur bei Nebel und einer Sichtweite unter 50 Metern benutzt werden, da sie sonst nachfolgende Autofahrer blenden würde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%