Beim Genfer Autosalon riecht es nach allem, nur nicht nach Öl
Salon-Löwen träumen vor kantigen Formen

Eigentlich sind die Schweizer ein viel zu vernünftiges Volk für diesen Salon der schicken Autos in Genf. Als neulich zu viel Feinstaub gemessen wurde, fuhr die ganze Nation von einer Stunde auf die andere nur noch 80 auf der Autobahn. Und Autofahrer, die mehr als 120 auf dem Tacho haben, heißen auch in seriösen Zürcher Zeitungen „hirnlose Raser“.

GENF. Im äußersten westlichen Zipfel des Landes, umgeben von Franzosen, die einst so göttliche Autos wie eine Citroën DS konstruierten, gelten jedoch seit heute die Gesetze der Unvernunft. Hier beim Genfer Autosalon dürfen Frau und Herr Schweizer und der Rest der Welt auch ihrer heimlichen Liebe frönen: kantigen Formen, die kein Gramm zu viel haben. Den Polstern, die sich anfühlen wie zarte Haut. Dem Chrom, der im Scheinwerferlicht blinkt wie ein Schminkspiegel.

Hier riecht es nicht nach Öl wie in der Werkstatt um die Ecke, wo die Familienkutsche zur Reparatur muss. Es duftet eher nach Politur der Marke „Quick Detailler“, die von Putzmännern in schwarz blitzschnell dahin gesprüht wird, wo fettige Finger Spuren auf metallisch glänzendem Lack hinterlassen haben.

Schöne Frauen posieren neben aufgeklappten Türen, lümmeln sich auf Beifahrersitzen, oder leihen einfach nur ihr nacktes Knie dem Fotografen, der zum Beispiel das bunte Alfa-Logo mit dem Kreuz und der Schlange um ein lebendiges Detail bereichern will.

Ach ja, Alfa. Die Sportmarke aus dem Fiat-Konzern präsentiert zwei echte Neuheiten bei diesem Salon. Das „Projekt 159“, wie die Alfisti die aktuelle Baureihe nennen, wird ab morgen um einen Kombi, der „Sportwagon“ heißt, und um einen offenen Spider bereichert. Wer sich für diese Modelle entscheidet, lässt seine Cola-Dose besser zu Hause, denn echte Italiener sind schließlich keine fahrenden Dosenhalter: Ablagemöglichkeiten sind rar.

Doch dieses Kriterium mag Automobilclubs erregen - bei Alfa interessiert es in etwa so wie eine zu hohe Ladekante. Viel spannender ist doch der Blick über das Dunkle des vorderen Lufteinlasses in der Mitte der Haube, von dem aus sich zwei Linien V-förmig wie die angelegten Flügel eines jagenden Falken zu den A-Säulen erstrecken. Ist doch egal, dass der Preis noch nicht festgelegt ist – dieses Auto lässt einen nicht mehr ruhig schlafen.

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