Beispielhafter Dacia Logan
Auch Billigautos können im Crash gut abschneiden

Der Einstand hätte kaum schlechter sein können: Da feierten die chinesischen Autobauer mit dem Landwind auf der IAA in Frankfurt ihre Europa-Premiere, da fuhr ihnen der ADAC mit einem Crashtest in die Parade. Doch Sicherheit muss keine Frage des Preises sein.

dpa/gms ISMANING/BRüHL. "Der Landwind ist eine Luftnummer“, wetterte der Club über den etwa 15 000 Euro teuren Geländewagen. „Autos mit einem so niedrigen Sicherheitsstandard sollten keine Freigabe für den europäischen Markt erhalten.“ Damit trat der AADAC eine neue Debatte über die Sicherheit so genannter Billigautos los.

„Sicherheit ist primär keine Frage des Preises“, sagt Hartmuth Wolff, der die Sicherheitsforschung im Allianz Zentrum für Technik (AZT) in München leitet. Aber sie müsse von Anfang an in ein Fahrzeug hinein konstruiert werden.

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Dass man dieses Ziel auch ohne teure Technik erreichen kann, zeigt laut Renault-Sprecher Thomas May-Englert das Beispiel des Dacia Logan, der mit 7 200 Euro nicht einmal halb so teuer wie der Landwind ist. Zwar hat auch das Auto der rumänischen Renault-Tochter nur zwei Airbags, kommt aber auf immerhin drei Sterne im Euro-Ncap-Crashtest.

Dabei sind es laut May-Englert nicht die Rückhaltesysteme, die den Logan sicher machen. „Im Motorraum des Dacia Logan sind die Aggregate so angeordnet, dass sie sich bei einem Frontalaufprall übereinander schieben.“ Der Instrumententräger sei ebenfalls wichtig: „Bei einer Kollision verringert seine Wabenstruktur aus Energie absorbierendem Polypropylen die auf die Knie einwirkenden Belastungen.“

Auch die als „Billigautos“ geltenden „Drillinge“ von Peugeot 107, Citroën C1 und Toyota Aygo sind trotz ihres Preises von unter 10 000 Euro kein Sicherheitsrisiko. Im Euro-Ncap-Chrashtest erreichten sie sogar vier Punkte. „Für uns war von vornherein klar, dass wir trotz des Preises in Sachen Sicherheit keine Kompromisse machen dürfen“, sagt Frédéric Drouin von Peugeot Deutschland in Saarbrücken.

Landwind lässt die Blamage beim Adac-Crashtest nicht auf sich sitzen. „In China hat das Auto die strikten Tests des Nationalen Prüfcenters bestanden und dabei eine sehr gute Sicherheitsperformance gezeigt“, teilt der in Belgien ansässige Europa-Importeur mit.

Untermauert werden sollen die Beteuerungen von einem Crashversuch des TÜV, bei dem laut Landwind „Fahrer und Passagiere gemäß den EU-Richtlinien sicher waren“. Dafür wurde der Geländewagen aber mit einer Strebe im Motorraum bestückt, die künftig alle Landwinds bekommen sollen. Der Hersteller, die Jiangling Motors Co. Group, werde das Bauteil schnellstmöglich in die Produktion einfließen lassen, so der Importeur. „Bereits ausgelieferte Fahrzeuge werden beim nächsten Ölwechsel oder Service-Stopp kostenlos nachgerüstet.“

Sicherheitsexperten wie Hartmuth Wolff vom AZT schreiben solchen Maßnahmen allerdings nur wenig Wirkung zu: „Auch wenn der Ncap-Test kein alleiniges oder gar absolutes Kriterium darstellt, ist eines klar: Wenn die Struktur beim Crash versagt, stimmt aus Sicherheitsaspekten das gesamte Karosseriekonzept nicht“, betont der Ingenieur. Nachbesserungen müssten dann durch konstruktive Änderungen in der Rohbaustruktur vorgenommen werden, sagt Wolff: „Nachträgliche Maßnahmen beim Importeur können das Grundproblem nicht lösen.“

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