Beschluss des EU-Parlaments
Neuwagen erstmals nach vier Jahren zur Hauptuntersuchung

Zurzeit müssen neue PKW in der EU drei Jahre nach Erstzulassung erstmals zur Hauptuntersuchung. Ab 2018 wird diese Frist um ein Jahr verlängert. Aber nicht für die deutschen Autofahrer.
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Straßburg/DüsseldorfNeuwagen in der EU müssen ab 2018 erstmals nach vier Jahren zum TÜV. Danach ist die Untersuchung alle zwei Jahre fällig. Das EU-Parlament stimmte am Dienstag in Straßburg für diesen Kompromiss.

Für deutsche Autofahrer ändert sich damit jedoch nichts an der geltenden strengeren Rechtslage: Die erste TÜV-Untersuchung ist drei Jahre nach der ersten Zulassung fällig, dann alle zwei Jahre. Bei dem Beschluss handelt es sich um Mindeststandards. Strengere Bestimmungen wie in Deutschland können bestehen bleiben, dürfen jedoch nicht über vier Jahren liegen.

In Deutschland gelten zudem seit 2012 verschärfte Prüfkriterien bei der Hauptuntersuchung für PKW. Nach dieser Neuerung gelten viele früher als geringfügig eingestufte Mängel inzwischen als "erheblich". Beispiele sind ein zu tief eingestelltes Abblendlicht, eine defekte Kennzeichenbeleuchtung oder eine falsche Blinkfrequenz. Selbst bei einem fehlenden oder falsch angebrachten Aufkleber mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit der Winterreifen erhält das Auto keine Plakette.

Auch Motorräder müssen in Deutschland regelmäßig zur Kontrolle. Schwere Motorräder ab 125 Kubikzentimeter (Ccm) sollen ab 2022 EU-weit geprüft werden, ebenso wie Anhänger ab 3,5 Tonnen. Die neuen Regelungen gelten auch für Nutzfahrzeuge und Busse bis 3,5 Tonnen. Ausnahmen von den neuen Regelungen sollen auf Wunsch von Großbritannien und der Niederlande für Anhänger bis 3,5 Tonnen und Wohnwagen gelten.
Mobile Kontrollen von LKW werden verschärft. „Die Suche nach abgefahrenen Reifen oder zu schwachen Bremsen gehört künftig zum europaweiten Kontrollstandard“, sagte der Berichterstatter des Parlaments, Werner Kuhn (CDU).

Die Verbraucherzentrale NRW hatte 2013 bei einer Stichprobe in 50 Werkstätten und Prüfstellen Preise für HU und AU zwischen 79 und 110 Euro ermittelt, auch abhängig vom Alter des Fahrzeugs.

2012 hatte ein Vorschlag von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas für Aufregung gesorgt, demzufolge ältere Autos in Europa jährlich zur HU gemusst hätten. Die jährliche Kontrolle für Pkw und Kleinlaster spätestens bei einem Kilometerstand von 160.000 anzusetzen, fiel aber bei der EU-Verkehrsministerkonferenz und im Parlament durch.

Mehr als fünf Menschen sterben nach Angaben der EU-Kommission jeden Tag bei Unfällen, bei denen technische Fehler an Fahrzeugen eine Rolle spielen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

Kommentare zu " Beschluss des EU-Parlaments: Neuwagen erstmals nach vier Jahren zur Hauptuntersuchung"

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  • Ich frage mich, wie man eine Blinkfrequenz -sollte sie denn nicht stimmen (und wer legt die fest) - einstellen kann. Mein schönes altes Auto hat einen Blinkgeber, das ist eine Bimetallfeder drin, die öffnet und schließt - dieser Blinkgeber geht entweder oder er geht nicht. Aber einstellbar ist da gar nichts. Gäbe es noch Sendungen wie "der 7.Sinn" und würde man die Autofahrer nicht zu technischen Dummies erziehen, weil man an modernen Autos NICHTS mehr selbst machen kann, täten die Leute auch eher danach gucken, daß die Karre in Ordnung ist. So verlassen sich alle drauf, daß alles i.O ist, wenn der Piepser des Elektronik-Monsters sich nicht meldet. Aber wie man sieht, geht auch Elektronik kaputt.
    Wegen solcherlei Erlassen gehören diesen EU-Bonzen eigentlich nur Ohrfeigen - sonst nichts. Den ganzen Tag. Und wenn sie fragen, warum, gleich noch eine hinterher. Und der TÜV-Lobby gleich mit.

  • "oder eine falsche Blinkfrequenz" !!!

    Mehr als 5 Menschen sterben nach Angaben der EU-Kommission jeden Tag bei Unfällen, bei denen technische Fehler an Fahrzeugen eine Rolle spielen.

    Riskanter als Autofahren (wegen z.B. fehlerhafter Blinkfrequenz 8-))) ist das Lesen der EU-Vorschläge zu diesen und anderen Themen. Ich möchte nicht wissen, wieviel Leute sich hier bereits tot gelacht habe.

  • "Bei dem Beschluss handelt es sich um Mindeststandards. Strengere Bestimmungen wie in Deutschland können bestehen bleiben, dürfen jedoch nicht über vier Jahren liegen."

    Ach nee, und wo bleibt da der übliche "Gleichbehandlungsstandard"? Ich habe gerade HU und AU machen lassen und war mit schlanken 103 Euronen dabei. Wann nimmt diese verdammte Geldschneiderei endlich ein Ende? Und unser Wolfgang freut sich wie Bolle über 19%. Sorry, aber mit einem Bundestagseinkommen würde ich darüber auch nur lachen. Aber ich muss für mein Geld ARBEITEN!!!

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