Besinnung auf Kernkompetenzen: „Sperenzchen lassen wir jetzt grundsätzlich bleiben“

Besinnung auf Kernkompetenzen
„Sperenzchen lassen wir jetzt grundsätzlich bleiben“

Der ADAC steht massiv in der Kritik – und reagiert: Deutschlands größter Automobilclub will sich auf seine Kernkompetenzen besinnen. Bei politischen Fragen sollen demnächst die Mitglieder konsultiert werden.
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MünchenDer skandalgeschüttelte ADAC will sich nach den Worten seines Präsidenten künftig wieder mehr den Kernkompetenzen des Automobilclubs zuwenden und damit dessen beschädigtes Image aufpolieren. „Was sind unsere Stärken? Die wollen wir sauber und ordentlich für das Mitglied einsetzen. Sperenzchen lassen wir jetzt grundsätzlich bleiben“, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer der „Automobilwoche“. Künftig wolle der Club bei jedem Test und jedem Index prüfen, ob dieser zum Markenkern gehöre. „Wenn er nur eine Pressemitteilung wert ist, lassen wir ihn weg.“

Auch bei politischen Diskussionen wolle der ADAC künftig vorsichtiger agieren, kündigte Meyer an. Wenn der Club künftig zu politischen Fragen Position beziehe, sollten zunächst die Mitglieder durch ein anerkanntes Institut befragt werden. „Das Ergebnis dieser Umfrage, zertifiziert und bestätigt – das ist dann die Position des ADAC, weil sie eine Mehrheitsposition ist“, betonte Meyer. Die föderale Struktur des ADAC mit seinen Regionalclubs werde auf jeden Fall beibehalten.

Der ADAC wird seit Tagen von einem Skandal erschüttert: Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ hat der Club eingestanden. Umstritten ist auch die Nutzung von Rettungshubschraubern durch das ADAC-Präsidium.

Politik macht Druck

Der Druck auf den ADAC wächst, auch von politischer Seite. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) forderte ebenso wie Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Konsequenzen aus dem Autopreis-Skandal. „Alle Karten müssen auf den Tisch“, sagte Seehofer dem Magazin „Focus“. Zudem brauche der ADAC „mehr wirksame, allerdings unabhängige Kontrollen“. Seine Parteikollege Alexander Dobrindt sieht den ADAC und seine Mitglieder am Zug. Sie müssten jetzt dafür sorgen, dass es auch eine Neuordnung gebe. “Schäuble sagte der „Bild am Sonntag“: „Der ADAC hat sich mit der Affäre selbst schwer geschadet.“ Er fügte hinzu: „Verantwortung, Kontrolle und Transparenz müssen jetzt die Stichworte sein.“

Seehofer sagte, beim ADAC habe sich „offenbar an einigen Stellen eine Tendenz zur Abgehobenheit und vielleicht sogar zur Selbstüberhöhung eingeschlichen". Er warnte davor, dass „Macht, die nicht wirksam kontrolliert wird, früher oder später aus den Fugen gerät“. Der ADAC müsse sich auch eine neue Struktur geben. Über Fragen wie den Entzug der Gemeinnützigkeit werde zu reden sein.

Das Münchner Amtsgericht prüft derzeit die Gemeinnützigkeit des mit 19 Millionen Mitgliedern größten deutschen Vereins. Nach „Focus“-Informationen sieht die zuständige Staatsanwältin in den Fälschungen des inzwischen zurückgetretenen Kommunikationschefs Michael Ramstetter bislang keine strafbare Handlung. Ramstetter hatte eingeräumt, dass er seit Jahren bei der Leserwahl des beliebtesten Autos der Deutschen, des „Gelben Engels“, die Zahlen der abgegebenen Stimmen gefälscht hatte.

Auch zweifelhafte Hubschrauberflüge des ADAC-Präsidiums werden jetzt von der Münchner Staatsanwaltschaft geprüft. Ein Sprecher der Behörde sagte dem „Focus“, es werde derzeit untersucht, ob es sich bei diesen Flügen um eine Form der Vorteilsannahme gehandelt habe. Allerdings sei noch nicht entschieden, ob die Prüfung in ein wirkliches Ermittlungsverfahren münde. Der ADAC hatte bestätigt, dass mehrere Mitglieder des Präsidiums Rettungshubschrauber für Dienstflüge benutzt hatten.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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