Bislang keine Stellungnahme des Herstellers - Gelegentlicher Spannungsabfall könnte Bremssystem beeinträchtigen
BMW-ABS ein Fall für den Staatsanwalt

Laut einem Zeitungsbericht sollen Motorräder der Marke BMW ernste Probleme mit ABS-Bremssystemen haben. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt nun wegen "Gefährdung des Straßenverkehrs".

HB MÜNCHEN. „Wir ermitteln wegen Gefährdung des Straßenverkehrs gegen BMW“, sagte Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld der „Süddeutschen Zeitung“. Angesichts der Brisanz werde man „möglichst noch vor der Sommerpause“ einen Experten zur Prüfung einsetzen. BMW-Sprecher Jürgen Stoffregen sagte dem Blatt, der Konzern sehe keine Veranlassung für Nachbesserungen oder eine Rückrufaktion.

Die „SZ“ berichtete, mehrere Fahrer seien in der Vergangenheit davon überrascht worden, dass das Antiblockier-System der BMW-Maschinen teilweise versagt habe. Grund des Problems sei, dass es zu gelegentlichem Spannungsabfall und damit zum Ausfall des ABS kommen könne. Die Bremswirkung werde stark verringert, der Fahrer brauche plötzlich viel mehr Kraft, um den Bremshebel anzuziehen.

Vor einigen Wochen stürzte dem Bericht zufolge ein Fahrer bei einem Sicherheitstraining des ADAC nach dem Ausfall des ABS und wurde erheblich verletzt. Ein BMW-Fahrer habe Anzeige gegen den Konzern erstattet, hieß es weiter.

BMW weiß angeblich spätestens seit August 2004 von der Anfälligkeit des Systems, als das von einem Betroffenen informierte Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg um eine Stellungnahme gebeten habe. M€X, das TV-Wirtschaftsmagazins des Hessischen Rundfunks, hatte - ebenso wie Spiegel Online - bereits Anfang Juni über den Fall berichtet. Heute Abend um 21:55 Uhr wird das Thema erneut in der Sendung Plusminus im Ersten Fernsehprogramm aufgegriffen.

In dem Bericht der "Süddeutschen" heißt es weiter, BMW-intern gebe es Zweifel an der Funktionssicherheit des Bremssystems. Der Hersteller suche bereits einen anderen Zulieferer.

Nach Recherchen des Hessischen Rundfunk (HR) von Anfang Juni häufen sich indes bei BMW-Motorrädern mit Integral-ABS Ausfälle des Bremsdruckverstärkers. Insgesamt könnten über 220 000 weltweit ausgelieferte Motorräder von den Elektronikproblemen betroffen sein, darunter auch das Flaggschiff K 1200 S, berichtete das Wirtschaftsmagazins „M€X“.

Dem Hessischen Rundfunk liegen zahlreiche Fälle von BMW-Fahrern vor, bei denen in kritischen Situationen das Bremssystem versagte. Übrig blieb für die zum Teil fast 400 Kilo schweren Maschinen nur die Restbremskraft. BMW bestätigte gegenüber dem HR die technischen Probleme; es handele sich aber um eine Größenordnung, die innerhalb des Rahmens liege, wie sie technisch komplexe Systeme aufwiesen. Beim Übergang in die Restbremsfunktion, so BMW weiter, werde die Bremskraftunterstützung sowie das ABS deaktiviert. Damit gehe eine Reduzierung der Bremsleistung einher, die aus technischen Gründen unvermeidbar sei.

Das Integral-Bremssystem wurde vom KBA bereits Anfang des Jahres untersucht. Auslöser waren Hinweise des ADAC, dem Mitte vergangenen Jahres mehrere Hinweise von Mitgliedern über Probleme mit der Bremse vorlagen. Die Münchner Techniker informierten daraufhin noch im September BMW und das Kraftfahrtbundesamt.

BMW ist der Vorreiter für ABS bei Motorrädern. Seit 2001 werden die Topmaschinen zusätzlich mit einem Bremskraftverstärker angeboten.

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