Blick in die Statistik
Als Auto-Zusammenstöße die Ausnahme waren

Autofahren war vor 100 Jahren noch hochgradig lebensgefährlich: Das Risiko, bei Unfällen im Straßenverkehr zu sterben, war 56 Mal mal höher als heute, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden zum 100-jährigen Bestehen der Unfallstatistik mitteilte.

HB WIESBADEN. Obwohl Autos damals nur einen Anteil von 37 Prozent an allen Kraftfahrzeugen stellten, kamen 85 Prozent der Getöteten bei Autounfällen ums Leben, wie die Statistiker erklärten.

Laut der ersten Erhebung in den Jahren 1906 und 1907 gab es im Deutschen Reich 27.026 zugelassene Kraftfahrzeuge, darunter 15.954 Krafträder, 957 Lastkraftwagen und 10.115 Autos. Die Statistiker zählten aber bereits 4.864 Unfälle, bei denen 145 Personen getötet und 2.419 verletzt wurden. Insgesamt stieg der Kraftfahrzeugbestand bis vergangenes Jahr auf das 2.083-Fache, die Zahl der Verkehrstoten aber „nur“ auf das 37-Fache.

Hohe Motorleistung schien die Fahrer besonders leicht zu überfordern: Von den 54 zugelassenen Kraftfahrzeugen mit mehr als 40 PS waren fast alle, nämlich 48, im ersten Jahr der Statistik in Unfälle verwickelt. Dabei war der Zusammenstoß mit einem anderen Kraftfahrzeug bei der damaligen geringen Dichte an Fahrzeugen ein seltenes Ereignis: 196 derartiger Kollisionen wurden gezählt, davon allein 152 in Berlin. Häufiger waren Unfälle mit Fußgängern oder Radfahrern (32 Prozent), mit Reitern und Geschirren (27 Prozent), Straßenbahnen (11 Prozent) oder als Folge des Durchgehens von Zugtieren (10 Prozent).

Zahl der Toten sinkt seit über 50 Jahren fast kontinuierlich

Für das Jahr 1953 errechneten die Statistiker das erste Bundesergebnis: 12.631 Verkehrstote kamen damals auf fast 4,8 Millionen Fahrzeuge. Beide Zahlen stiegen in den Folgejahren: 1970 wurden 21.332 Verkehrstote gezählt, der Kraftfahrzeugbestand hatte auf 20,8 Millionen zugenommen. Seitdem allerdings sank die Zahl der Verkehrstoten mit nur wenigen Ausnahmejahren: Im vergangenen Jahr kamen 5.362 Menschen ums Leben, dabei waren bereits 56,3 Millionen Fahrzeuge registriert.

Die „Statistik der beim Betrieb von Kraftfahrzeugen vorkommenden schädigenden Ereignisse“ wurde am 1. April 1906 eingeführt, 20 Jahre nach der Patentierung des ersten Automobils, wie das Bundesamt mitteilte. Ab Januar 1907 wurde zum ersten Mal auch der Kraftfahrzeugbestand erhoben.

Der Auto Club Europa (ACE) erklärte dazu, die Unfallrisiken und -folgen könnten noch weiter vermindert werden. Voraussetzung dafür sei aber nicht nur eine bessere Sicherheitstechnik. Denn nicht angepasste Geschwindigkeit und ungenügendes Abstandhalten gehörten zu den Hauptunfallursachen. Angesichts des andauernden Rückgangs der Zahl der Unfallopfer im Straßenverkehr sei es möglich, dass Deutschland das von der EU ausgegebene Ziel erreicht, die Zahl der Verkehrstoten bis 2010 zu halbieren, was für Deutschland ein Absenken auf 3.750 bedeute, erklärte der ACE.

Laut ADAC ist Autofahren in Deutschland bis heute eine Männerdomäne: Mehr als zwei Drittel der pro Jahr zurückgelegten 600 Milliarden Kilometer werden demnach von Männern gefahren. Allerdings haben die Frauen den Angaben zufolge mit jetzt 32 Prozent etwas aufgeholt, vor acht Jahren hatte ihr Anteil an den Kilometern noch bei 28 Prozent gelegen.

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