Blitz-Marathon
Dauerkontrolle auf Deutschlands Straßen

Runter vom Gas! In einer bislang beispiellosen Aktion führen 15.000 Polizisten heute 24 Stunden lang bundesweit an 8.700 Stellen Geschwindigkeitskontrollen durch. Das Pilotprojekt in NRW gilt als voller Erfolg.
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Düsseldorf, BerlinAutofahrer aufgepasst! An diesem Donnerstag sind beim bundesweiten Blitz-Marathon an mehr als 8.700 Stellen fast 15.000 Polizisten in Stellung gegangen. Mit Radar- und Lasergeräten machen sie 24 Stunden lang Jagd auf Temposünder. Die Innenministerkonferenz hatte die bundesweite Aktion im Mai beschlossen. Alle 16 Länder und Stadtstaaten beteiligen sich, wie das NRW-Innenministerium am Mittwoch in Düsseldorf sagte. Die Idee stammt aus NRW, wo bereits viermal landesweit kontrolliert wurde.

Am Donnerstagmorgen um 6.00 Uhr gingen die Beamten in Position. Am Freitagmorgen um 06.00 Uhr sollen die letzten Posten geräumt werden. Zum Konzept gehört, die Kontrollstellen vorab zu veröffentlichen. Es gehe nicht darum, möglichst viele Autofahrer zur Kasse zu bitten, sondern ihr Verhalten nachhaltig zu ändern, erklärte das Ministerium. Entsprechend wurden in NRW bei den bisherigen Blitz-Marathons nur etwa halb so viele Autofahrer erwischt wie bei normalen Tempokontrollen ohne Vorankündigung.

"Wir wollen nicht still und heimlich hinterm Busch blitzen, sondern jeder soll sich an dem Tag mit dem Thema beschäftigen", sagt NRW-Innenminister Jäger. Ziel sei, das Verhalten der Autofahrer zu ändern. In Nordrhein-Westfalen gab es bereits viermal 24-stündige Tempokontrollen. Die Kontrollstellen werden dabei vorab bekanntgegeben. Beim bislang letzten, vierten "Blitz-Marathon" waren etwa 28.000 Autofahrer mit zu hoher Geschwindigkeit erwischt worden. 700.000 wurden kontrolliert.

Die Quote der ertappten Autofahrer ist dabei etwa halb so hoch wie sonst bei Tempokontrollen. Daten aus Städten wie Köln und Dortmund legten nahe, dass die Autofahrer ihr Tempo seit Beginn der Aktionen in NRW gedrosselt hätten, so der NRW-Innenminister. Auch sei die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten seit 2012 überdurchschnittlich stark gesunken. Dies seien Anzeichen für einen nachhaltigen Erfolg.

Inzwischen habe sich der 24-Stunden-Blitz-Marathon zum internationalen Exportschlager entwickelt, heißt es. Im Kampf gegen zu schnelles Fahren gehe die Polizei jetzt auch in Finnland, Portugal, Polen, Irland, Niederlande, Luxemburg und Australien mit Großeinsätzen nach nordrhein-westfälischem Muster gegen Raser vor. Die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten in NRW sei seit 2012 überdurchschnittlich stark gesunken.

Auch der Automobilclub ADAC hält die Aktion für sinnvoll. Sie sei ein Mosaiksteinchen, um die Zahl von Unfällen und Verkehrstoten - 2012 waren es 3600 - weiter zu verringern. Wichtig sei aber ebenso das direkte Gespräch mit den Geblitzten: „Der Verkehrsteilnehmer sollte direkt nach dem Verstoß angehalten und informiert werden. Dadurch wird der erzieherische Effekt größer“, sagte Sprecher Andreas Hölzel.

Scharfe Kritik kam dagegen aus der hessischen Landespolitik: „Dies ist Volkserziehergehabe, wie es in autoritären Staaten üblich sein mag“, schimpfte Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) am Mittwoch in Wiesbaden. Er sprach von einem „martialischen Auftritt der Innenminister“, der wegen der stark gesunkenen Zahl der Verkehrstoten völlig unverhältnismäßig sei.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @GK_
    Der Begriff "Rasen" ist relativ, oder? Es geht eigentlich um die generelle Überschreitung der vorgegebenen zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Mich wundert, mit welcher Selbstverständlichkeit hier einige Leser ihren Gesetzesbruch rechtfertigen. Ich hoffe sehr, liebe Ignoranten, daß Sie oder Ihre Familie nicht zu Opfern werden. Manche verstehen es wohl erst dann.

  • Ich bin gegen die PKW-Maut, aber für die Einführung eines generellen Tempolimits. Wie GK_ in einer Stellungnahme im Prinzip sagt: Die meisten Straßen sind ohnehin dicht.

    Und nein: Nicht jeder Unfall wird durch überhöhte Geschwindigkeit verursacht. Generell eher durch mangelnde Disziplin: Sekundenschläfer, nicht-Blinker, Vorfahrt-Missachter. Weitere Beispiele gefällig?

  • @Raser_Opfer
    Sie müssen in einem anderen Land wohnen als ich. Bitte benennen Sie mir gern mal ein paar Strecken, wo man überhaupt noch 'rasen' könnte (wenn man das wollte). Ich komme viel rum, aber außer verstopften (und maroden) Straßen habe ich schon lange keine Straße mehr gehabt, die noch nicht mit Geschw.begrenzungsschildern und natürlich Hunderten von Warnhinweisen überladen ist und wo sich der Verkehr aufgrund der chronisch hohen Verkehrsdichte sowieso von selbst herunterregelt, egal ob Autobahn oder ländlicher Bereich.

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