BMW 02: Nischen-Paule war der Zeit voraus

BMW 02
Vom Halbstarken zum Premium-Oldtimer

Nischen-Paule war der Zeit voraus

Hahnemann setzte seine Mission fort. Schnell gab es von Baur ein Cabrio auf der Basis des 1600, das letzte Vollcabrio der Firma bis 1985. Trotz Verstärkungen fährt sich das Cabrio auch heute schon als 1600 sehr kommod und man hat nie das Gefühl untermotorisiert zu sein.

Die meisten Cabrios fielen dem Rost zum Opfer, in Deutschland sind derzeit rund 400 2002 und 1602 Vollcabrios zugelassen. Bei Classic Trader werden bis zu 75.000 Euro verlangt. Noch seltener sind die von 1971 angebotenen Modelle mit Targabügel. Aber nicht so beliebt.

 

Nischen-Paule konnte es nicht lassen. Und der 02 erschien als 1971 Touring. Das Auto nahm die Heckklappe der Kompaktklasse vorweg. Und hatte als erster Kombi überhaupt eine asymmetrisch geteilt umklappbare Heckbank.

Obwohl damals Golfbags eher in Jaguars oder Aston Martin Shooting Brakes transportiert wurden. Die Schräghecklimousine entstammte der Feder des französischen Designers Paul Braque, der von Mercedes-Benz zu BMW gewechselt war. Nischen-Paule war der Zeit voraus: Der Touring war ein Flop.

 

Neben Cabrio und Touring gab es den Wagen in einer Vielzahl von Motorvarianten: 1502, 1602, 1802, 2002, 2002, 2002 ti, der 1971 vom tii abgelöst wurde. Von 75 bis 130 PS, mit Vergaser und Einspritzung. Als Krönung wurde der Motor zwangsbelüftet und auf der Höhe der Energiekrise als 2002 turbo präsentiert.

Das Auto war genauso martialisch wie die Tuning-Umbauten aus den Hinterhof-Garagen. Genietete Kotflügel, deutliche Front- und Heckflügel. Zuviel für den Zeitgeist in der Ölkrise war die Spiegelschrift, in der der Typenschriftzug 2002 Turbo auf den Frontspoiler geklebt war. Was als Autobahnräumer gedacht war, war zu viel.

Das erste Serienauto mit Turbomotor aus deutscher Produktion wurde nur ein Jahr gebaut und erreichte gerade mal eine Stückzahl von 1674 Autos. Der Wagen ist so kompliziert, dass man wahre Fachleute braucht, um ihn in Betrieb zu halten. Der Turbo ist bei unverändert knapp einer Tonne und 170 PS trotzdem auch nach heutigen Maßstäben ein Ausbund an Fahrdynamik.

Wenn er denn fährt. Und wer ein echtes Exemplar bekommt, muss wohl deutlich über 80.000 Euro dafür ausgeben. Solche Preise reizen natürlich auch zu Nachbauten. Wer einen echten will, sollte also auf eine lückenlos dokumentierte Historie achten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%