BMW 640d xDrive: Weltweit exklusive Mischung

BMW 640d xDrive
Weltweit exklusive Mischung

Luxus-Limousinen und großen Coupés mit Dieselmotoren sind schon lange kein Tabu mehr. Nun kombinieren die Müncher auch den 640d mit Allradantrieb zum 640d xDrive.
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MünchenDass der Diesel als Kraftquelle bei Pkw sein Kaltblüter-Image als Taxi-Triebwerk oder illegaler Verwerter von Landwirtschaftsdiesel lange abgelegt hat, gilt als Binsenweisheit. Moderne Diesel gehen heute ab wie Sportskanonen. Besonders aus dem Hause BMW bürsten Dreier und Fünfer gerne mit kraftvollen Selbstzündern die linke Autobahnspur. In das automobile Oberhaus der großen Coupés haben sich bislang nur die Müncher mit ihrem 640d gewagt. In Kombination mit Allradantrieb entsteht ab sofort eine weltweit einzigartige Mischung.

Die wesentlichen Komponenten dieser Mischung sind bekannt. Da wäre einmal der Motor, der sich allenthalben Ruhm und Ehre erworben hat. Denn bis zum Erscheinen der dreifach aufgeladenen Selbstzünder der M GmbH durfte sich der Dreiliter-Reihensechszylinder als einzigartiger und leistungsstärkster Vertreter unter den selbstzündenden Reihen-Sechsern bezeichnen. Motorblock und Kopf sind komplett aus Leichtmetall gegossen. Dabei sorgt ein neues Gussverfahren für eine hohe Verdichtung des Materials, die wiederum für besondere Stabilität der tragenden Motor-Komponenten sorgt.

Eine Commonrail-Einspritzung hält in der Kraftstoffzuleitung den Diesel mit 2 000 bar Druck zur Einspritzung bereit. Die Aufladung erfolgt über zwei Turbolader. Ein kleiner Lader setzt dem sich langsam aufbauenden Abgasstrom bei niedrigen Drehzahlen weniger Trägheitsmomente entgegen, sodass der Ladeprozess bereits bei geringen Drehzahlen einsetzt. Ab dem mittleren Bereich setzt sich der große Lader in Bewegung.

Das funktioniert in der Praxis mit einer bemerkenswerten Konsequenz. Der Motor schiebt den fast 4,9 Meter langen Viersitzer mit einer gleichmäßigen und wuchtigen Kraftentfaltung an. Das Leistungsangebot von 230kW/313 PS ist ja schon ausreichend für sportliche Fahrleistungen. Aber die Durchzugskraft von 670 Newtonmeter maximales Drehmoment, die praktisch unmittelbar nach Leerlaufdrehzahl bereits bei 1 500 U/min zur Verfügung steht, lässt im Vergleich zum Diesel den Dreiliter-Benziner mit 235 kW/320 PS fast alt aussehen.

Und der ist mit seinen 450 Newtonmetern ja nicht wirklich schwach auf der Brust unterwegs. Dass unter der langen Haube des Gran Tourismo ein Selbstzünder arbeitet, ist nur in kurzen Momenten rigoroser Leistungsabfrage akustisch bemerkbar. Seine Diskretion verdankt der Antrieb einmal der umfassenden Isolation des Motorraums und dem perfekten Walten der Achtgang-Automatik, die wohl zum Besten gehört, was auf dem Gebiet der Kraftübertragung bei einem Pkw momentan zu haben ist. Die einzelnen Schaltvorgänge laufen derart diskret und schnell ab, dass sie sich auch einer sensiblen Wahrnehmung entziehen.

Der machtvolle Dampf des Antriebs erklärt die Sinnhaftigkeit des Allradantriebs. Wenn 670 Newtonmeter entfesselt werden, sind vier angetriebene Räder allemal besser als zwei. Im Fahrbetrieb vermittelt dieses Antriebskonzept, das 3 480 Euro Aufpreis einfordert, jenes beruhigende Quäntchen Sicherheit mehr, das so nachhaltig die Entspannung beim Fahren perfektioniert. Die Allrad-Option ist übrigens auch in Verbindung mit dem 4,4-Liter-V8-Benziner erhältlich, der mit 300 kW/407 PS antritt.

Es geht so vehement mit diesem Coupé voran, dass kaum Zeit bleibt, sich in dem zwischen den Attributen “mondän”, “sportlich” und “edel” changierenden Ambiente im Innenraum gründlich zu orientieren. Eigentlich schade. Aber genau so wollen wir auf die große Reise gehen. In einen perfekt justierbaren, sportlichen Sitz gebettet, einen klar gegliederten Armaturenträger vor Augen, perfekt klimatisiert und auf Wunsch noch wie im Konzertsaal beschallt, darf jedes Ziel für den anstehenden Weg mindestens eine vierstellige Distanz in Kilometern aufweisen. Dabei sollten im Fond erwachsene Insassen nicht wirklich Platz nehmen, die Rückbank geht eher als Kinderhort durch.

Der Normverbrauch von 5,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer klingt für einen 1,8-Tonner sensationell. Für die Praxis taugt der Wert soviel wie eine koreanische Gebrauchanleitung für das Verständnis eines komplexen Smartphones. Aber auch bei zügiger Gangart erfordert es Mutwillen, einen zweistelligen Verbrauchswert zu erzielen. Dass dabei im Anbetracht von 81 680 Euro Grundpreis für den 640d xDrive nicht der Spargedanke bei potentiellen Kunden im Vordergrund steht, versteht sich. Aber für die Umwelt ist jeder nicht verbrauchte Liter Kraftstoff ein guter Liter. Wer beim Fahren mit einem BMW Sechser mit dieser Umwelt in noch engeren Kontakt treten will, sei die Cabrio-Version mit Diesel und Allrad empfohlen.

Technische Daten: BMW 640d xDrive:

Zweitüriges, viersitziges Coupe,
Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4 894/ 1 369/ 1 894/ 2 855 mm
Leergewicht: 1 780 kg, zulässiges Gesamtgewicht: 2 300 kg,
Gepäckraum: 460 Liter, Tankinhalt: 70 Liter,
Preis: 81 680 Euro.

Sechzylinder-Reihenmotor aus Leichtmetall,
Direkteinspritzung, Turbolader,
Leistung: 230 kW/313 PS bei 4 400 U/min,
max. Dremoment: 630 Nm, bei 1.500 - 2.500 U/min,
0 – 100 km/h: 5,2 s, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h,
Normverbrauch kombiniert: 5,7 l/100km (Diesel),
CO2-Ausstoß 149 g CO2/km, Euro 5.

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