Boom bei Pedelecs
Experten fordern gesetzliche Regeln

Elektrofahrräder boomen. In Deutschland wurden bis jetzt 600.000 Stück verkauft. Erstmals befasst sich jetzt der Verkehrsgerichtstag mit diesen Pedelecs. Es geht um Tempolimit, Führerschein und Helmpflicht.
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GoslarPedelecs stehen hoch im Kurs. Nach Angaben des ADAC sind in Deutschland mittlerweile mindestens 600.000 dieser Pedal Elektrik Cycles unterwegs. Allein 2011 wurden bundesweit rund 300.000 elektrisch unterstützte Fahrräder verkauft. „Es ist wahrscheinlich, dass dieser Trend anhält“, sagt ADAC-Präsident Peter Meyer. „Die meisten Fahrradfahrer über 55 Jahre kaufen heute Pedelecs.“

Gleichzeitig wachse die Sorge, dass das Unfallrisiko steigt, sagt der Sprecher des Auto Club Europa (ACE), Rainer Hillgärtner. Aus diesem Grund will sich der Deutsche Verkehrsgerichtstag (VGT) in dieser Woche in Goslar erstmals mit dem Thema Pedelecs befassen. Es geht darum, ob und wie Pedelec-Fahrer versichert sein sollten, ob ein Führerschein erforderlich ist und ob Tempolimit und Helmpflicht einzuführen sind.

Es gebe viele offene Fragen, sagt der Verkehrsexperte des Deutschen Anwalt Vereins (DAV), Walter Weitz. Der Gesetzgeber müsse Pedelecs zügig in Gesetze und Verordnungen aufnehmen, weil unter anderem unklar sei, ob und ab welcher Motorleistung eine Fahrerlaubnis erforderlich ist und ob Pedelecs Radwege benutzen sollen und ob die Fahrer einen Helm tragen müssen.

Die Helmpflicht müsse wegen des erheblichen Unfallrisikos für Fahrer aller Pedelecs eingeführt werden, fordert der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft. Bei Elektrofahrrädern, deren Batterie maximal 250 Watt leistet und die nicht schneller als 25 Stundenkilometer fahren, seien keine besonderen Regelungen erforderlich, meint dagegen ADAC-Präsident Meyer. „Denn diese Pedelecs sind herkömmlichen Fahrrädern gleichzusetzen.“

Anders sehe es bei sogenannten Speed-Pedelecs mit 500 Watt Leistung aus. „Dort sehen wir deutlichen Regelungsbedarf“, sagt Meyer. „Denn schon der Elektromotor alleine reicht, um auf Tempo 20 zu kommen. Wenn man dazu noch strampelt, erreicht man 45 Stundenkilometer.“ Derartige Pedelecs benötigten ein Versicherungskennzeichen und dürften nicht auf Radwegen fahren. „Außerdem muss eine Helmpflicht her“, sagt Meyer.

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Verkehrsclubs appellieren an die Kommunen

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  • ... und sonst habt Ihr keine Probleme!!!
    Die Griechen kämpfen ums Überleben, und Ihr denkt an so`n Shit!!

  • Jetzt gibt es neue Fahrräder, da ist ein E-Motor drin. Würde mich interessieren, ob hier nun das zusätzliche Gewicht berücksichtigt ist- ich gehe davon aus: Nein.
    Fahrradgabeln sind auf Lasten von 1000 Newton ausgelegt,
    was ein Zusatzgewicht tief liegend nicht berücksichtigt. Die Bremsen von Mofas waren von Mopeds abgeleitet, die Federgabeln auch.
    Die neuen Pedelecs haben alle Bremsen, die von normalen Rädern abegeleitet sind.
    Hier haben die Leute, die so etwas zulasssen, versagt.
    Ein durrchschnittliches Velo bewegt sich mit ca. 15 km/h, Pedelecs mit 25, macht etwa die 3-fache kinetische Energie bzw. Bremsweg.

    Weiterhin sind die Verkehrswege grundsätzlich nicht auf diesen "Run" ausgelegt- Der Sprit kostet knapp 2 Euro und
    die Radwege sind zu 90% viel zu schmal. Wenn die Verkehrsdichte und die Durchschnittsgescvhwindigkeit da steigt, wird es tatsächlich gefährlich.
    Die Diskussion ist aber steinalt: Es ist natürlich purer Zynismus, Die Radfahrer auf viel zu schmale und unzumutbare Radwege zu sperren und dann den Helm zu fordern. Ist natürlich das bequemste.
    Vorschrift ist/war: Radweg einspurig 1.5m, Zweirichtungsradweg 2.5m. Wieviele Prozent der Radwege hat das? 10?

    Das Schimpfen der Fussgänger, die Radwege als Vielzweckbenutzungsfläche- i.E. "Spazierweg"
    benutzen und sich dann wundern- Radwege sind als Verkehrswege nicht respektiert. Busfahrpläne kann man nur vom Radweg ablesen, die TAZ ebenfalls nur vom Radweg kaufen.
    Neue Ampeln "wachsen" mittig im Radweg (Norderstedt).

    Dann sind noch die neuen Fussgängerschutzrichtlinien, die dazu geführt haben, dass KFZ unübersichtlich wurden
    (Die A-Säule wanderte nach vorne), dass die Fussgänger bei einem Unfall besser geschützt sind, ein Anstieg der Unfallzahlen aber vorprogrammiert ist.
    Jeder, der in ein Auto steigt, merkt, dass das unübersichtlicher ist als vor 10 Jahren.

    Welcher wundert sich, dass die Unfallzahlen steigen?
    Nur Politiker und "Experten"....

  • Der Bundesverkehrsminister Peter Mautsauer von der CSU hat, wie sollte es anders sein, die Zeichen der Zeit nicht erkannt und versagt. Es reicht einfach nicht nur über Maut nachzudenken. Wer nicht weiter denken kann ist für den Job ungeeignet.

    Die Elektroräder sind eine potentielle Gefahr für alle, besonders für Fussgänger. Die müssen ein Kennzeichen haben und eine Zwangshaftpflichversicherung. Das ist das mindeste was sein muss.

    Es gibt noch sehr viele nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten um die Unfallzahlen zu senken. Wer aber nur ans Abzocken denkt, der wird diese Möglichkeiten nicht erkennen und auch nicht vorschreiben. Durch diese Art des Abzockens wie die gehandhabt wird ist noch kein Unfall verhindert worden.

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