Bremsprobleme
BMW sieht Rekord-Rückrufaktion gelassen

Da werden Erinnerungen an Toyotas Desaster wach: BMW ruft ruft weltweit 350 000 Autos wegen Bremsproblemen in die Werkstätten - die größte Rückrufaktion der Firmengeschichte. Trotzdem verfallen die Münchener die Situation zu beschwichtigen.
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HB PARIS. Der Autobauer BMW spielt die größte Rückrufaktion in seiner Geschichte herunter. „Wir haben keinen Unfall zu verzeichnen. Wir haben die Fahrzeuge präventiv zurückgerufen“, sagte Finanzchef Friedrich Eichiner am Freitag auf dem Pariser Autosalon im Reuters-Interview. „Die Sicherheit geht vor.“ Der Münchner Oberklasse-Hersteller bittet freiwillig gut 350 000 Fahrzeuge weltweit wegen eines Problems im Bremssystem in die Werkstätten - das entspricht rund einem Viertel einer Jahresproduktion. Allein in den USA sind knapp 200 000 Autos betroffen, der Rest verteilt sich über die Welt.

Diesmal sollen 345 000 Wagen der noblen BMW-Reihen 5er, 6er und 7er sowie 5 800 Luxuslimousinen vom Typ Rolls-Royce Phantom in die Werkstätten. Die Fahrzeuge mit 8- und 12-Zylindermotoren wurden zwischen 2002 und 2010 gebaut. Bei ihnen kann es zu Ölverlust in der Hydraulik kommen; in der Folge verringert sich die Leistung des Bremskraftverstärkers. „Das heißt nicht, dass man nicht bremsen kann“, betonte Eichiner. Dies sei mechanisch weiter möglich. „Wenn irgendwo ein gewisses Risiko entsteht, auch ein sehr geringes, dann ist die BMW-Philosophie: Wir reagieren sofort.“ Trotz vieler Qualitätskontrollen könne man nicht alles zu 100 Prozent absichern.

Der Konzern hatte bereits im Juli 12 000 Fahrzeuge seiner neuen Limousine 5er und ihres Ablegers GT in Nordamerika und China zurückgerufen. Im Mai wurden fast 122 000 Motorräder in die Werkstätten gebeten. „Ich glaube nicht, dass es irgendwo Imageschäden gibt.“ Die Kunden würden sogar anerkennen, dass der Konzern versuche, Probleme zu lösen. In der teuren automobilen Oberliga sind allerdings die Ansprüche der Fahrer auch höher.

Mit großen und hochmotorisierten Autos verdient BMW besonders viel Geld. Der als Dienstwagen beliebte 5er kostet in der Basisausstattung ab rund 40 000 Euro, das Flaggschiff 7er startet bei rund 70 000 Euro. Für einen handgefertigten Phantom müssen betuchte Kunden mindestens 360 000 Euro hinblättern. Bei der neuen kleineren Variante des Rolls-Royce, dem Phantom, und beim neuen 5er treten nach Konzernangaben die Probleme im Bremssystem nicht auf.

Rückrufe habe jeder Hersteller irgendwann, sagte Eichiner. Aber seit Weltmarktführer Toyota mehrere Mio. Fahrzeuge zurückrufen musste, sei die Sensibilität groß. Die Kosten für die jüngste BMW-Rückrufaktion könne er noch nicht beziffern. „Ich habe noch keine Zahlen. Die Frage ist, wie teuer die Lösung ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein riesen technologischer Aufwand ist.“

Zur Situation auf den weltweiten Automärkten sagte der BMW-Finanzchef: „Wir haben noch keinen Aufschwung, der auf breiter Basis steht.“ Der Markt in den USA „bei weitem noch nicht da, wo wir vor der Krise waren“. Auch in Deutschland sehe die Situation „nicht so gut aus, im Rest von Europa, mit Ausnahme vielleicht von Großbritannien auch nicht“. Die Märkte Spanien, Portugal, Italien und Griechenland steckten noch in der Krise. China mache dem Konzern dagegen anhaltend Freude.

Wie die Konkurrenz hatte auch BMW im September seinen Absatz weiter gesteigert. Im ganzen dritten Quartal lagen die Verkaufszahlen über den Erwartungen, sagte Vorstandschef Norbert Reithofer. Daimler sprach vom besten Septemberwert aller Zeiten. Rivale Audi erzielte in den ersten neun Monaten bereits wieder einen höheren Absatz als im gleichen Zeitraum des Rekordjahres 2008. BMW rechnet zwar im dritten Quartal mit einem Ergebnisschub, weil zuletzt die Modelle aus den großen und teuren Reihen besonders gefragt waren, und die Rabatte nach der Krise immer kleiner werden, wollte aber die Vorsicht fürs Gesamtjahr nicht ablegen. Eichiner sagte: „Wir haben im vierten Quartal immer Sonderbelastungen.

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