CAR-Studie
Diesel-Autos finden immer weniger Käufer

Im deutschen Automarkt deutet sich eine Trendwende an. Die Diesel-Welle ebbt ab, weil neue, kleine Ottomotoren sich im Markt stärker durchsetzen. „Alternative Antriebe“ fahren aber weiter hinterher.
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Essen/DüsseldorfDer Trend zu Diesel-Autos scheint in Deutschland vorerst beendet. Im ersten Halbjahr 2013 wurden laut einer Studie mit 47,3 Prozent etwas weniger Neuwagen mit Diesel-Antrieb zugelassen als noch im Vorjahreszeitraum (47,9 Prozent). Aufs Jahr hochgerechnet deutet sich damit der erste Rückgang seit 2009 an, erläutert Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Centers Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen. „Die stürmische Entwicklung des Diesels der letzten Jahre ist gestoppt.“
Als Hauptgrund sieht der Experte die wachsende Beliebtheit von kleinen, sparsamen Benzin-Motoren, wie etwa der Ecoboost-Antriebe von Ford, die ähnliche Verbrauchswerte wie Diesel erzielen könnten. So fuhren unter allen Benzin-Motoren, die im ersten Halbjahr 2013 in Neuwagen auf die Straße kamen, mehr als ein Drittel mit einem Hubraum von weniger als 1.200 cm. Jahre 2008 lag dieser Wert bei noch unter 16 Prozent.

„Smart is beautiful“ lautet offenbar die derzeitige Maxime der Motorenentwickler, allerdings nicht aus freien Stücken, sondern durch EU-Politik angespornt. Strengere Emissionsvorgaben haben zu der regelrechten Revolution im Motorenbau geführt.

Dieselabgase führen trotz moderner Rußfilter im direkten Vergleich eben doch zu deutlich größeren Umweltbelastungen als Benziner. Und insbesondere die hohen Stickoxid-Emissionen der Diesel machen den Kommunen Ärger. So kommt für Käufer heutiger Diesel-Fahrzeuge mit Euro-5-Norm das potenzielle Risiko hinzu, dass diese in Zukunft wegen der hohen Stickoxid-Belastungen in Ballungsräumen Fahrverboten unterliegen könnten, warnt Dudenhöffer.

Alternative Antriebe können laut der CAR-Studie von dieser Entwicklung nicht besonders profitieren. Benzin und Diesel machten im ersten Halbjahr 98,5 Prozent der Antriebe aus. „Von der Umsetzung einer Strategie zu alternativen Antrieben ist man damit in der Bundesrepublik noch Lichtjahre entfernt“, meint der Wissenschaftler.

Außerdem würden deutsche Hersteller bei den Zukunftsantrieben immer noch hinterherhinken: So komme der japanische Autobauer Toyota etwa bei neu zugelassenen Hybrid-Fahrzeugen in Deutschland auf fast 80 Prozent Marktanteil.

Das Festhalten der Bundesregierung am Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 bezeichnete der Experte in einem Interview als "Lachnummer". Von diesem Ziel sei man Lichtjahre entfernt. Um es zu erreichen, sind Anreizsysteme notwendig. "Wir brauchen eine City-Maut wie in London. Wer hier mit einem Elektroauto in die Stadt fährt, ist von der Zahlung der Gebühr befreit. Das wäre nicht nur ein Anreiz für Fahrer eines Elektroautos, sondern würde auch die Luft in den Innenstädten sauberer machen, wenn es entsprechende Zufahrtbeschränkungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor geben würde."

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das Handelsblatt (auch die VDI-Nachrichten aus demselben Hause)
    beeindruckte früher daduch, dass es nicht den Moden und
    Geldvernichtungsprojekten der Politik hinterherlief,
    sondern von sich aus auch über Technologien berichtete,
    die (warum nur ...?) immer wieder in den Anfängen stecken
    bleiben: Da wäre die synthetische Photosynthese zu nennen,
    die neue Zugänge zur Gewinnung von Kraftstoffen eröffnen könnte.
    (Dazu gibt es Grundlagenforschung in den USA.)
    Zu nennen wäre etwa auch das Thema wasserstofftragender
    Kohlenwasserstoffe, (Beispiel statt aller: Carbazol).
    Technologien wasserstofftragender Kohlenwasserstoffe würden
    es erlauben, zu klimaneutralen Treibstoffen zu gelangen und
    dabei die traditionelle Tankstelleninfrastruktur beizubehalten.
    In diesem Sinne sollte das Handelsblatt wieder mehr
    "Regelmäßiger Dienst zu andernorts unterbleibenden Nachrichten"
    werden. Artikel wie dieser hier ("Mehr Leute wohnen in der Stadt.
    Sie fahren dort kürzere Strecken. Sie kaufen deshalb kleinere
    Autos. Was sich auf den Verkauf von Dieselfahrzeugen
    auswirkt.") sind dagegen eigentlich eher verzichtbar. Bitte!

  • Bei Toyota wunder man sich ja überall, dass die Autos trotz des Designs gekauft werden. Würden die es mal schaffen attraktive Autos zu bauen, dann würden die wahrscheinlich ihren Umsatz um 50% steigern.

  • Hybrid mag ja für die Stadt nett sein, aber wenn Sie viel Autobahn fahren bringt das nix.

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