Caravan-Firmen bieten rollende Arbeitsplätze an
Mobilität für Büro-Nomaden

Gemütlichkeit ist für Jan Dohmeyer kein Thema, vor allem nicht, wenn es um sein Baby, den Domo geht. Ein Reise-Van, der eben nicht nur ein Freizeitvehikel ist, sondern mit einigen speziellen Zutaten zum rollenden Büro wird.

Mit seinem Businessmobil steuert Dohmeyer in eine (noch) kleine, aber immer feiner werdende Nische im Caravan-Markt. Herkömmliche Wohnmobile haben zwar oft schon einen Backofen, aber nicht unbedingt einen Fernsehanschluss und noch selten einen Internetzugang. Dabei ist Mobilität mehr denn je gefragt im Arbeitsmarkt, nicht nur bei jungen Jobnomaden.

Das älteste Businessmobil dürfte der Schaustellerkarren sein, früher ein klappriger Bretterverschlag auf vier Rädern, gezogen von einem PS, heute längst eine motorstarke Villa für Pop-Stars auf Tournee und Zirkusprinzessinnen.

Das weltbekannteste Businessfahrzeug ist zweifellos das Papamobil, zum Beispiel jene Mercedes M-Klasse mit Panzerglasaufbau, in der sich Papst Benedikt XVI. beim Weltjugendtag in Köln sehen ließ (vier Tonnen schwer, 279 PS stark). Nicht das einzige Schaufahrzeug des Heiligen Vaters. Der Vatikan verfügt über etwa fünf Dutzend dieser Spezialfahrzeuge, von denen bei Auslandsreisen immer mehrere mitgeführt werden.

Der Bedarf an Businessmobilen ist also da, nicht nur bei Gauklern und in klerikalen Kreisen, erkannte Dohmeyer. Mit der Konzeptstudie „Domo“ – einer international klangvollen Wortkombination aus Eigennamen und Automobil – gewann das Ingenieurbüro DO!NG des 36-Jährigen in Stockelsdorf bei Lübeck vor fünf Jahren den Existenzgründerwettbewerb „Fit for Boss“.

Der Titel ist Programm für Dohmeyers Modell. Als Basisfahrzeuge für den Domo lassen sich Mercedes Sprinter und Volkswagen Crafter konfigurieren – wichtig wegen des jeweiligen weltweiten Servicenetzes.

Mit dem Multimobil auf Rädern kommen Businessmen in Fahrt: Es ist alltagstauglich wie ein PKW, hat eine größere Transportkapazität und bietet die Möglichkeit, in dem Gefährt zu arbeiten und zu wohnen.

Allerdings ohne Raffgardinen, geblümte Sitzbezüge und Plastikeichen-Dekor. Dohmeyer umschreibt es höflich: „Herkömmliche Wohnmobilkonzepte orientieren sich meist sehr stark an subjektiv empfundenen Tendenzen zur Gemütlichkeit. Im hochwertigen Office-Ambiente sieht die Farb- und Formensprache jedoch ganz anders aus.“

Deshalb kommen im Domo patentierte Fertigungsverfahren sowie superleichte und formstabile Werkstoffe aus der Luftfahrtindustrie zum Einsatz, kombiniert mit hochwertigen Materialien aus der Automobilindustrie. Dohmeyer: „Nach meiner Ausbildung bei Airbus sammelte ich Erfahrungen in einem Zulieferbetrieb für BMW und Mercedes. Die Armaturentafel für die S-Klasse war sozusagen mein Meisterstück.“

Und Vorbild für das Business-Vehikel. Die Domo-Ausstattung wirkt denn auch fast wie ein Nobelhotelzimmerchen. Nicht alle Extras sind auf den ersten Blick erkennbar. Dass Sitz-Schlaf-Kombinationen mit wenigen Handgriffen in Sekundenschnelle umbaubar sind, ist selbstverständlich. Aber ein komplettes Bad auf 0,4 Quadratmetern verblüfft. Für Dohmeyer eine Platzfrage: „Die Dusche brauche ich nur ein paar Minuten, da darf sie nicht dauerhaft Platz wegnehmen.“ Deshalb verschwindet sie nach Gebrauch wie eine Küchenschublade auf Teleskopauszügen. Auch der Waschtisch ist klappbar.

Manche Tricks machen sich erst wohltuend bemerkbar, wenn ein Businessmobil in Fahrt kommt: kein Klappern von Oberschränken, keine Tür springt auf. Vor allem aber sind es die raffinierten Ein- bzw. Umbauten und das Plus an Technik (in Domo beispielsweise stecken vier Patente), die ein herkömmliches Freizeit- zu einem Arbeitsgefährt machen: eine größere Tischplatte, mehr Licht, netzunabhängige 230-Volt-Versorgung, Regale, auf denen Aktenordner Platz haben, unter den Sitzklappen verbirgt sich eine Hängeregistratur.

Im Wagendach ist ein 17-Zoll-Flachbildschirm integriert, an den ein PC oder Notebook angeschlossen werden kann. Ein Zweitbildschirm für erweiterte Präsentationen lässt sich leicht installieren.

Alles in allem kostet der mit einem Business-Paket für 1 950 Euro aufgerüstete Domo rund 50 000 Euro. Dohmeyer: „Ich bin überzeugt, dass unser Konzept Nachahmer findet. Aber wir haben einen technologischen Vorsprung von fast fünf Jahren.“!

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