Carsharing
„Die Kiste muss verfügbar sein“

Junge Städter verzichten zunehmend auf ein eigenes Auto. Jetzt testen sie erste Konzepte, um trotzdem im Geschäft zu bleiben. Die Hersteller locken mit neuen Leihkonzepten, wie Car2go von Daimler. Mu by Peugeot nennt es der französische PSA-Konzern, und in der Münchner BMW-Welt lief vor wenigen Tagen BMW on demand an. In Ulm spricht der Erfolg bereits für sich.
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Junger Aufsteiger, ledig, trendbewusst - wenn man Manuel Gurski im eleganten Nadelstreifenanzug das erste Mal sieht, könnte man ihn sich gut am Steuer eines flotten Sportcoupés vorstellen.

Pustekuchen. Der 28-Jährige aus Ulm ist die pure Enttäuschung für Autoverkäufer. »Ich habe seit fünf Jahren kein eigenes Auto mehr«, erzählt der Bilanzbuchhalter, der aus dem 90 Kilometer entfernten Kempten in die doppelt so große 120.000-Einwohner-Stadt an der Donau zog. »Ich gebe mein Geld lieber für Reisen und andere Dinge aus«, sagt Gurski und greift zu seinem iPhone.

Junge Städter, die sich vom eigenen Auto verabschieden, sind offenbar keine Ausnahme mehr. Exakte Zahlen gibt es nicht, aber Indizien zuhauf: 75 Prozent der jungen Erwachsenen haben einen Führerschein, aber 45 Prozent davon fahren kaum Auto, ergab gerade die Jugendstudie Timescout in sechs deutschen Großstädten; 80 Prozent der 20- bis 29-Jährigen waren der Meinung, dass man in der Stadt kein Auto braucht. Dazu passt, dass sich der Anteil der unter 30-Jährigen bei den Neuwagenkäufern in Deutschland seit Ende der neunziger Jahre von 17 auf 7 Prozent (2009) halbierte.

In Metropolen wie Paris, London, New York, Tokyo oder Berlin nehme der Anteil der Haushalte, die ein Auto besitzen, seit Jahren ab, beschreibt Thomas Weber, Forschungsvorstand beim Daimler-Konzern, den Trend. Weltweit steige die Tendenz, in die großen Ballungszentren zu ziehen. Die Menschen hätten ein großes Mobilitätsbedürfnis, sagt Weber, aber da sei auch die Kehrseite der Medaille: »Die Straßen sind übervoll, das Fahren in der Stadt macht immer weniger Spaß, die Emissionen sind zu hoch und die Parkplätze knapp.«

Die Chefetagen in den Autokonzernen sind jedenfalls vom Trend zur Autoabstinenz alarmiert. Jetzt testen sie erste Konzepte, um trotzdem im Geschäft zu bleiben: Car2go heißt das Projekt von Daimler , Mu by Peugeot nennt es der französische PSA-Konzern, und in der Münchner BMW-Welt lief vor wenigen Tagen BMW on demand an.

In Ulm und um Ulm herum

In Ulm wird die neue Mobilitätswelt schon intensiv erprobt. Vom Daimler-Forschungszentrum auf dem Eselsberg hoch über der schwäbischen Industriestadt aus steuert Robert Henrich eine Flotte von 200 weiß-blau lackierten Smarts. Der 41-Jährige ist Geschäftsführer von Car2go. Er erklärt das Prinzip des »neuartigen Mobilitätskonzepts«: Wer sich bei der Daimler-Tochter gegen eine einmalige Gebühr von 19 Euro anmeldet und sich im Car2go-Shop neben dem Rathaus einen kleinen Chip auf den Führerschein kleben lässt, kann zu jeder Tag- und Nachtzeit so einen Smart entern.

Mit Internet, Smartphone, Hotline oder durch einfaches Umschauen kann der Kunde den nächstgeparkten freien Smart schnell finden. Nach dem Trip darf er den Zweisitzer überall im »Geschäftsgebiet« wieder abstellen - auf ausgewiesenen Car2go-Parkflächen oder einfach am Straßenrand. Ein Knopfdruck auf den Navigationsbildschirm am Armaturenbrett, und der Nutzer ist ausgeloggt. Die Telematik meldet via Satellit Standort und Tankinhalt, der Smart steht für den Nächsten bereit. Abgerechnet wird online - jede Minute kostet 19 Cent. Die auf dem Eselsberg ausgetüftelte Telematik macht es möglich. Sprit und beliebig viele Kilometer sind inklusive.

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  • ich denke der folgende Satz:

    »Die Straßen sind übervoll, das Fahren in der Stadt macht immer weniger Spaß, die Emissionen sind zu hoch und die Parkplätze knapp.« des Herrn Weber spricht gegen noch mehr Smarts die rumstehen und Parkplätze blockieren.

    Alleine in Hamburg fehlen demnächst 300 Parkplätze durch Smarts von Daimler und es werden sicherlich schnell 500 sein!

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