Carsharing
Mein Auto, dein Auto

Immer mehr Menschen verzichten auf ein eigenes Auto und teilen sich einen Wagen mit anderen. Aber nicht für jeden ist Carsharing auch geeignet.
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Bernd Hüttner ist glücklich ohne eigenen Pkw. Mobil ist er trotzdem, und Auto fährt er auch. Seit acht Jahren nutzt der Bremer Carsharing. "Man muss sich nicht um Reparaturen, Versicherungen und TÜV kümmern. Es gibt immer einen Parkplatz und Autos verschiedener Größen, je nach Bedarf", sagt er.

Etwa 158.000 Menschen in Deutschland machen bereits von Carsharing Gebrauch und teilen sich ein Auto mit anderen. Mobilitätsexperten schätzen, dass diese Form der Autonutzung für etwa 1,5 Millionen Deutsche interessant sein könnte. Denn durchschnittlich 23 Tage im Monat steht ein Pkw ungenutzt herum. Eine Zeit, in der andere den Wagen eigentlich nutzen und sich die Kosten untereinander teilen könnten. Das würde nicht nur Geld sparen, sondern sich auch positiv auf die Umwelt auswirken.

Etwa vier bis zehn0 Autos pro geteiltem Wagen können durch Carsharing eingespart werden. Wenn weniger Autos gebraucht würden, könnten Energie- und Rohstoffe bei der Herstellung gespart werden; es gäbe zudem weniger Schrott und mehr Platz in den Städten. Im Zusammenspiel mit der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, mit Radfahren und Zufußgehen würde zudem der CO2-Ausstoß verringert. Es gibt also viele ökologische Gründe, auf den eigenen Wagen zu verzichten und sich lieber ein Auto mit vielen zu teilen.

Unter Carsharing versteht man die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen. Und die ist heute schon in 270 Städten und Gemeinden zu haben. Bislang ist der Markt noch überschaubar. Deutschlandweit gibt es 110 Anbieter und 2.200 Stationen, an denen 4.600 Fahrzeuge bereit stehen.

Die meisten Anbieter sind lokal und regional organisiert. Mittlerweile dominieren aber vier kommerzielle Anbieter die Szene. Diese vier - Deutsche Bahn, Cambio, Stadtmobil und Green Wheels - sind bundesweit vertreten. "Es gibt alles im Carsharing, vom lokalen Verein mit nur einem Auto bis zum Konzern mit über Tausend Fahrzeugen", sagt Dirk Bake vom Bundesverband Carsharing.

Das Konzept ist bei allen Anbietern gleich: Der Nutzer schließt mit dem Anbieter einen Rahmenvertrag ab oder wird Mitglied im Verein. Oft wird dabei eine Aufnahmegebühr, ein Beitrag für die Versicherung sowie eine Kaution fällig. Der Kunde muss außerdem einen Tarif auswählen, der sich aus zwei Komponenten berechnet: den Zeit- und den Kilometerkosten. In dem Tarif sind die Tankkosten meist schon enthalten. Zumeist kann man unter verschiedenen Tarifen auswählen. Für Vielfahrer gibt es meist Vergünstigungen, und auch Besitzer von Jahreskarten aus dem öffentlichen Nahverkehr haben bei einigen Anbietern Vorteile. Der Kunde erhält schließlich ein sogenanntes Zugangsmedium für die Wagen des Anbieters, beispielsweise den Schlüssel zu einem Tresor, in dem die Fahrzeugschlüssel lagern, oder eine elektronische Karte. Außerdem gibt es die notwendigen Benutzerunterlagen, die Nutzungsbedingungen und häufig auch eine kurze Einführung.

Nach drei Monaten entnervt einen Gebrauchten gekauft

Dann kann es losgehen. Die Autos stehen auf bestimmten Parkplätzen. Wer einen Wagen braucht, bucht ihn entweder telefonisch oder über das Internet. "Bei den meisten Anbietern ist dies bis zu 20 Minuten vorher möglich", sagt Bake. Bei der Buchung muss der Kunde allerdings auch angeben, wie lange er voraussichtlich unterwegs sein wird. Wer das Auto länger braucht als vorab angegeben, zahlt drauf. "Allerdings kann man bei den meisten Anbietern auch kurzfristig telefonisch Bescheid sagen, wenn man den Wagen länger braucht, und umbuchen", sagt Bake. Carsharing eignet sich also je nach Bedürfnis nicht für jeden.

Tanja Schröder beispielsweise hat sich nach nur drei Monaten als Autoteilerin entnervt einen Gebrauchten gekauft. "Das Carsharing war viel zu teuer für mich. Es war für meine Bedürfnisse völlig ungeeignet", erzählt die Versicherungskauffrau. Über 1.000 Euro habe sie in drei Monaten bezahlt. Schröder lebt in Bremen. Sie arbeitet allerdings in Achim, einer Kleinstadt bei Bremen. An einigen Tagen im Monat braucht sie ein Auto, um zu ihrem Reitunterricht in einem Dorf bei Achim zu kommen. "Mit dem Carsharing waren zwar die Kilometerkosten gering, allerdings haben die Zeitkosten den Preis in die Höhe getrieben. Ich bin ja morgens mit dem Wagen zur Arbeit gefahren und habe ihn erst am späten Abend zurückgebracht."

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