„Challenge Bibendum“
Alternative Antriebe: Die Abkehr von der großen Vision

Die Automobilindustrie ist bei der Entwicklung alternativer Antriebe ein Stück voran gekommen. Diesen Eindruck vermittelt die achte Auflage des Wettbewerbs „Challenge Bibendum“, zu der der Reifenhersteller Michelin nach Paris eingeladen hat. Dabei sind die Hersteller von großen Visionen zur Politik kleiner Schritte zurückgekehrt.

HB PARIS. Mit rund 100 Fahrzeugen wurde der Beweis angetreten, dass Autos mit Erd- oder Flüssiggas, Hybrid- und Elektroantrieben oder Brennstoffzellen oft mit nur noch geringen Einschränkungen alltagstauglich sind. Dabei sind die Hersteller von großen Visionen zur Politik kleiner Schritte zurückgekehrt. Zwar waren nach Angaben der Veranstalter auch Fahrzeuge mit Brennstoffzellen auf der Strecke. „Doch spielt der klassische Verbrennungsmotor nach wie vor die Hauptrolle“, sagt Hans Folkesson, der für Ford in Europa die Umweltaktivitäten leitet.

Allerdings werden diese Motoren seiner Überzeugung nach in Zukunft immer seltener mit konventionellem Benzin oder Diesel betrieben. Weil fossile Kraftstoffe langsam zur Neige gehen, beginnt nach Folkessons Einschätzung eine Ära neuer oder zumindest alternativer Kraftstoffe.

Vor dem Konferenzzentrum drehten deshalb zahlreiche Fahrzeuge ihre Runden, die Bio-Ethanol oder synthetisch aus Biomasse hergestellte Kraftstoffe verbrennen. „Es geht diesmal weniger um alternative Motoren als um alternative Kraftstoffe, weil diese Lösungen teilweise sofort verfügbar sind“, sagte ein Entwickler aus dem Mercedes-Tross.

So wurde der Smart mit Gastanks ausgerüstet, der Saab 9-5 und der Ford Focus fahren mit einem Benzin-Alkohol-Gemisch (E85). Und der Audi Q7 fährt mit Diesel aus Erdgas. Am weitesten geht Volvo mit einem Prototypen, der mehrere Kraftstoffe verarbeiten kann.

Doch müsse man gar keine speziellen Motoren einbauen, sagte Ford- Experte Folkesson: Weil alle modernen Motoren schon heute eine Beimischung von bis zu zehn Prozent Ethanol zum Benzin und fünf Prozent Biokraftstoff zum Diesel vertragen, könne der Anteil nachhaltiger Mobilität von heute auf morgen deutlich gesteigert werden. „Derzeit kommen auf zwei Liter alternative Energie 98 Liter konventioneller Sprit“, sagte Folkesson.

Bei den nächsten Motorengenerationen könnte der Anteil alternativen Sprits noch erhöht werden, sagt Folkesson und gibt etwa für die Konzernmarke Volvo eine Marschroute von 20 Prozent aus. Damit liegen die Schweden auf einer Linie mit VW. Dort hatte sich zuletzt Forschungschef Matthias Rabe für Alkohol im Tank stark gemacht.

Zwar wird nach einhelliger Meinung dem Verbrennungsmotor noch lange die Zukunft gehören. Doch könnte ihm immer häufiger ein Elektroantrieb zur Seite stehen. Von diesem Hybrid-Konzept waren in Paris neue Varianten zu sehen. Bei Smart oder Peugeot und Citroën etwa gibt es die Kombination aus Diesel und Elektromotor. Andererseits betreiben Energieversorger und Forschungsinstitute nun auch den Verbrennungsmotor im Hybridantrieb mit Erd- oder Flüssiggas.

Außerdem gibt es als Zwischenschritt mehr „Micro-Hybride“, wie sie Zulieferer Valeo oder Ford im Fiesta vorstellten. Sie helfen dem Motor beim Anfahren und schalten das Aggregat etwa an der roten Ampel ab. Das Einsparpotenzial beziffern die Entwickler im Stadtverkehr mit bis zu 15 Prozent.

Mindestens ebenso viel Potenzial steckt aber im Fahrer selbst, betonen die Entwickler des Zulieferers Siemens VDO. Bei der Forschung an Assistenzsystemen der Zukunft haben sie nach Angaben einer Sprecherin herausgefunden, dass Hinweise der Elektronik den Menschen zu einem deutlich sparsameren Fahrstil erziehen können.

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