Chef Kalbfell verlässt überraschend die angeschlagene BMW-Marke
Rolls-Royce: Phantom-Schmerzen

Rüdiger Czakert wirkt ziemlich unscheinbar, dafür aber auch sehr seriös: graue Haare, dunkelblaue Strickjacke, gemütliche bayerische Art. Seine Firma „Auto König“ residiert zwischen Feldern und Wiesen, rund dreißig Kilometer östlich von München in einem Dorf namens Anzing.

MÜNCHEN/GOODWOOD. In der Bussi- Gesellschaft sind der Mittsechziger und seine Frau Gussi bestens verdrahtet. Ob zu Schlagersänger Udo Jürgens oder Modezar Rudolf Mooshammer – Czakert hat beste Kontakte zu fast allen, die Geld haben. Und das hat einen guten Grund: Seine Firma ist eine von nur 70 weltweit, die Gefährte der Marke Rolls-Royce verkaufen darf. Immerhin zwanzig Autos des Modells „Phantom“ (Listenpreis: 370 000 Euro) hat Czakert in den letzten zwölf Monaten veräußert. „Aber es war nicht einfach“, räumt der Autohändler, seit dreißig Jahren im Geschäft, offen ein.

Seit anderthalb Jahren gehört die britischste aller Automarken zum deutschen BMW-Konzern. Seit wenigen Monaten erst wurde Rolls-Royce von Karl-Heinz Kalbfell geführt. Der hatte gleich große Ziele verkündet. Bis zum Jahresende wollte Kalbfell tausend Stück verkaufen. „Wir sind gut drauf. Das Verkaufsziel steht unverändert“, erklärte er erst vor wenigen Wochen im südenglischen Goodwood, wo die neue Rolls-Royce-Fabrik steht.

Bis Anfang des Monats aber kletterte der Absatz nur auf 485. Gestern dann wurde bekannt, dass Kalbfell ausgerechnet in dieser heiklen Situation das Unternehmen nun schon wieder verlassen hat. Dass die enttäuschenden Verkaufszahlen der Grund für den plötzlichen Abgang des Chefs seien, wird in München energisch dementiert. Nach Angaben aus Branchenkreisen liegt Kalbfell ein Angebot von Fiat-Auto-Chef Herbert Demel vor, die Markenführung von Alfa Romeo zu übernehmen. Firmensprecher in Italien wollten den Wechsel weder bestätigen noch dementieren.

Kalbfell hat die Edelmarke Rolls- Royce nicht in den Griff bekommen, das Geschäft mit den superteuren Karossen läuft längst nicht so geschmiert wie ein fabrikneuer 7er. Zunächst übernimmt BMW-Finanzvorstand Stefan Krause kommissarisch die Leitung der Marke.

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