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Comeback der Amphibien-Fahrzeuge

Das angestammte Terrain des Autos ist die Straße. Doch der anhaltende Trend zum Geländewagen macht deutlich, dass sich immer mehr Menschen zumindest in der Theorie auch abseits befestigter Straßen bewegen wollen.

dpa/gms HAMBURG. Das angestammte Terrain des Autos ist die Straße. Doch der anhaltende Trend zum Geländewagen macht deutlich, dass sich immer mehr Menschen zumindest in der Theorie auch abseits befestigter Straßen bewegen wollen.

Dabei könnten ihnen künftig noch mehr Wege offen stehen. Denn im Kielwasser der Geländewagen taucht derzeit wieder eine Fahrzeuggattung auf, die fast in Vergessenheit geraten war: das Amphibien-Auto.

Diese Mischung aus Boot und PKW war über lange Jahre nicht nur bei Militär und Rettungsdiensten, sondern auch bei Privatpersonen beliebt. Nach dem Ende des einzigen deutschen Herstellers Amphicar, der bis 1963 immerhin rund 3 500 Fahrzeuge gebaut hatte, war es jedoch außerhalb von Fanclubs und Sammlerkreisen um die Zwitter-Autos ruhig geworden. Mittlerweile arbeiten Tüftler und Kleinserienhersteller auch in Deutschland an einem Comeback der Amphibien-Fahrzeuge.

Das jüngste Projekt ist der Spios Schwimmwagen des ehemaligen Rennfahrers Walter Spitaler aus St. Leon-Rot in Baden Württemberg. Der fünf Meter lange Dreiachser bietet Platz für bis zu neun Personen, ist auf den ersten Blick allerdings eher ein Boot mit Rädern als ein Auto, das schwimmen kann. Denn die über einen stabilen Rahmen gespannte Aluminium-Karosserie erinnert nicht von ungefähr an eine zu groß geratene Badewanne. Ein konventionelles Dach hat der Spios ebenfalls nicht. „Seit März 2004 haben wir für den Prototypen von der Typprüfstelle des TÜV die Zulassung erhalten“, sagt der Erfinder.

Seitdem fährt der Spios mit einem bei Ford entlehnten Vierzylinder mit 73 kW/100 PS und maximal 123 Kilometern pro Stunde (km/h) über die Landstraßen. Wenn es an Land nicht mehr weiter geht, gleitet das Amphibienfahrzeug ins Wasser. Der Kapitän lässt den Außenborder mit 15 kW/20 PS oder 38 kW/50 PS an und fährt mit bis zu 38 km/h durch die Wellen. Noch ist der Spios ein Einzelstück. „Doch die Serienfertigung zu Netto-Preisen zwischen 60 000 und 80 000 Euro wird im Januar beginnen“, sagt Spitaler.

Schon einen Schritt weiter ist der Brite Alan Gibbs, der seit einem knappen Jahr den Aquada in Kleinserie produziert. Der offene Dreisitzer, der entfernt an einen Mazda MX-5 erinnert, wird für Preise ab rund 200 000 Euro angeboten und ist nach Angaben des Herstellers das schnellste Amphibien-Fahrzeug der Welt. So wurde mit dem Aquada kürzlich der Ärmelkanal in nur 40 Minuten überquert.

An Land schafft der Wagen mit einem 129 kW/175 PS starken V6-Motor immerhin 160 km/h. Und wenn er im Wasser auf Knopfdruck die Räder unter die Kotflügel zieht, und der Sechszylinder seine Kraft durch eine Düse am Heck bläst, hängt das potenzielle James-Bond-Auto mit 50 km/h so manche Yacht ab. Inzwischen hat das Unternehmen auch eine Geländewagen-Studie mit der selben Amphibien-Technik vorgestellt. Der Humdinga besitzt Allradantrieb und kann fünf Personen inklusive Gepäckzuladung transportieren.

Ebenfalls aus England kommt der Amphijeep, der mit Technik von Suzuki bestückt ist. Angeboten wird der Schwimmwagen für knapp 30 000 Euro - dann allerdings nur als Bausatz. Wer es lieber etwas sportlicher mag, für den hat das Unternehmen Watercar aus den USA für etwa 150 000 Doller aus der nachgebauten Karosserie eines Chevrolet Camaro, dem Fahrwerk einer Corvette und dem 2,5 Liter großen Turbomotor des Subaru Legacy einen offenen Zweisitzer im Programm. Nur eine Studie bleibt dagegen wohl der Splash, mit dem der Schweizer Tuner Rinspeed im März auf dem Genfer Automobilsalon für Aufsehen sorgte. Die Konstruktion mit ausfahrbaren Tragflügeln ist nach Angaben des Unternehmens für eine Serienfertigung zu aufwendig.

Bei den Grenzgängen zwischen Land und Wasser müssen Autofahrer allerdings nicht auf Platz und Komfort verzichten. Das beweist die amerikanische Firma Terrawind, die ein fast 20 Tonnen schweres Wohnmobil aufs Wasser schickt.

Allerdings hat das fahrende Hausboot mit Küche, Wohn- und Schlafzimmer, Klimaanlage, Fernsehkonsole und Spülmaschine seinen Preis. Denn schon für die kompakte Version mit einem 242 kW/330 PS starken 7,2-Liter-Diesel verlangen die Amerikaner nach eigenen Angaben rund 850 000 Dollar. Wem dort der Platz nicht reicht oder der Motor zu schwach ist, der kann für 1,2 Mill. Dollar auch mit der großen Ausgabe vornehm baden gehen.

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