Computer soll Oberklasse-Audi lenken
"Der will nur einparken!"

Bereits in drei Jahren könnte Audi sein erstes autonom fahrendes Auto in Serie produzieren. Die Technik soll Teil der Ausstattung der neuen Oberklasse-Limousine A8 sein, deren Einführung für 2016 geplant ist.
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Ingolstadt/DüsseldorfIn drei Jahren könnte Audi sein erstes autonom fahrendes Auto in Serie produzieren. Die Technik hatte der Hersteller zum Jahresbeginn auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas bereits vorgestellt. Und wie "auto motor und sport" jetzt mutmaßt, könnte sie bereits Teil der Ausstattung der neuen Oberklasse-Limousine A8 sein, deren Einführung für 2016 geplant ist. Damit soll das Fahrzeug zum Beispiel selbsttätig in eine Garage einfahren und im Stau selbständig steuern können.

Audi hatte als erster reiner Autohersteller (nach Google und Continental) die offizielle Lizenz bekommen, im US-Bundesstaat Nevada auf öffentlichen Straßen computergesteuerte Fahrzeugen im Verkehrsalltag testen zu dürfen. Dabei geht es den Ingolstädtern wie den meisten anderen an diesem Thema forschenden Konzernen abwer nicht in erster Linie um die Umsetzung der Vision eines selbstfahrenden Wagens, sondern darum, Autofahren sicherer und bequemer zu machen.

"Allein in den USA sterben jedes Jahr 28.000 Menschen bei einem Unfall auf einem Highway", hatte Toyota-Manager Mark Templin, General Manger der Lexus Division, auf der CES gesagt. "Und bei den Teenagern sind Auto-Unfälle die Todesursache Nummer eins. Das müssen wir ändern."

Auf der CES zeigten unter anderen Audi und Toyota ihre Systeme, mit denen Autos gefährliche Situationen computergestützt erkennen können. Bei Audi erkennt beispielsweise eine Software die Begrenzungslinien der Fahrspuren und den Kurs des Autos. Falls sich der Wagen einer Linie annähert, ohne zu blinken, hilft das System dem Fahrer mit dezenten Lenkeingriffen, in die Spur zurückzusteuern. Der Fahrer kann selbst festlegen, wie früh der Eingriff erfolgen und ob es eine Vibration am Lenkrad geben soll.

Andere Systeme überwachen den Verkehr vor dem Auto und warnen den Fahrer mit akustischen und optischen Signalen vor einem Auffahrunfall. Wenn der Fahrer nicht reagiert, bremst der Wagen. Und falls eine Kollision nicht mehr zu vermeiden sein sollte, versucht das System zumindest die Aufprallgeschwindigkeit zu verringern, um mit der Straffung der Gurte die Folgen des Unfalls zu mindern.

In einem Stau können die computergestützten Autos komplett die Kontrolle über Lenkrad, Gaspedal und Bremse übernehmen. Bei Audi wertet die "Adaptive Cruise Control mit Stop & Go-Funktion" die Daten von beinahe 30 Steuergeräten aus, um das gesamte Umfeld des Fahrzeugs zu analysieren. Diese Sensoren kommen auch bei den Park-Hilfe-Systemen zum Einsatz, bei denen das Auto selbst das Kurbeln am Lenkrad übernimmt.

Soll das Auto in eine besonders enge Lücke eingeparkt werden, kann der Fahrer vor dem Einparken bequem aus dem Auto aussteigen und es per Funkschlüssel oder Smartphone anweisen, selbstständig einzuparken. Audi will diese neue Version des "pilotierten Fahrens" mit dem nächsten A8 einführen, spricht wohl aber ganz bewusst nicht von "selbstfahrenden Autos" oder "autonomem Fahren", sondern wählen mit dem Begriff des "pilotierten Fahrens" eine Metapher aus der Luftfahrt.

Kein Wunder, denn rein rechtlich bleibt, wie im Cockpit, die Verantwortung bzw. Haftung beim Piloten, nicht beim Computer, auch wenn der ins Lenkrad eingreift. So müssen auch bei den aktuellen Tests in Nevada stets Inhaber eines gültigen Führerscheins hinterm Steuer sitzen, selbst wenn sie als Lenker passiv bleiben.

Damit das klappt, kommt neben einer Kamera, den Ultraschall-Sensoren und den Radar-Sensoren auch ein neu entwickelter Laser zum Einsatz, der die Fahrbahn und die Straßenränder scannt. Dieser ist hinter dem Kühlergrill angebracht. Das System scheint bereits heute zuverlässig zu funktionieren. "Auf den 37.000 Kilometern, die wir bisher gefahren sind, waren noch keine menschliche Korrektur notwendig geworden", sagt Audi-Entwickler Björn Giesler.

Den Aufpreis für die Technik für das autonome Fahren will Audi durch die Verwendung von zahlreichen, serienmäßigen Assistenten reduzieren. So müssen hierfür weder die elektromechanische Lenkung noch das Bremssystem modifiziert werden. Die Kosten für den Laser-Scanner konnten die Ingolstädter mithilfe der Zulieferer Ibeo Automotive Systems und Valeo drastisch reduzieren. Haben diese bislang den Gegenwert eines Kleinwagens ausgemacht, soll die Produktion jetzt nur noch einen dreistelligen Euro-Betrag kosten.

Dem Audi-Kunden will man das Steuer aber nicht abnehmen. In bestimmten Fahrsituationen, in Staus oder beim Einfahren, könne die Maschine das Steuer übernehmen, sagte Audi-Entwicklungschef Wolfgang Dürheimer auf der CES. "Und wenn ich Spaß haben will, fahre ich selbst."

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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Motor-Informations-Dienst / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ein Audi A4 oder A6 nur mit ABS, ESP, ein paar Airbags und ohne diesen ganzen teuren elektronischen Schnickschnack, für dessen Entwicklung jeder Kunde mitbezahlt, selbst wenn er ihn nicht ordert... Seufz! Man ja wohl noch mal träumen dürfen.

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