Coys-Auktion
60 Porsche-Raritäten unterm Hammer

Vom Diesel-Traktor über den Autobahn-Porsche der niederländischen " Rijkspolitie" in Originalbemalung bis zum Carrera GT für rund 700.000 Euro: Das britische Auktionshaus Coys versteigert wieder besondere Schätzchen.
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Hedingham Castle, etwas mehr als eineinhalb Autostunden nordöstlich von London gelegen, ist nicht irgendein x-beliebiges britisches Gemäuer. Mehr als einmal beging englischer Hochadel in der Burg Mord und Totschlag, so dass es heute zu den Gebäuden mit der höchsten Gespensterdichte in der Grafschaft Essex zählt. Am Sonntag, dem 6. September 2015, wird sich aber alles um friedliche und vor allem irdische Dinge drehen. Dann findet hier eine große Versteigerung historischer Porsche-Modelle statt.

60 Raritäten kommen unter den Hammer - vom Traktor über ehemalige Polizeiautos bis zum Rennwagen. Die runde Zahl erklärt das veranstaltende Auktionshaus Coys mit dem Produktionsbeginn des Porsche 356 Carrera vor 60 Jahren.

Die Sportversion des 356A, (benannt nach der Carrera Panamericana, einem Langstreckenrennen auf öffentlichen Straßen in Mexiko) wurde ab Oktober 1955 gebaut. Der Wagen brachte es mit seinem Vier-Zylinder-Boxermotor (1,5 Liter, 77 kW/105 PS) in der Version 1600 GS Carrera „de Luxe“ auf 200 km/h. Die Carrera-Modelle waren leichter als die anderen Serien-Porsche. Erkennbar waren sie an den jeweils zusätzlichen sechs Luftschlitzen links und rechts neben dem Motorluftgitter. Der damalige Preis lag knapp unter 16.000 Mark.

Nach Coys-Vorgaben zwischen (umgerechnet) 9.500 und 13.600 Euro soll der erste Porsche bei der Auktion am 6. September bringen, ein Traktor mit einem Einzylinder-Dieselmotor (10,2 kW/14 PS, 20 km/h) aus dem Jahr 1958, der die längste Zeit seines bisherigen Lebens bei einer Winzerfamilie im italienischen Piemont verbrachte. Inzwischen ist er perfekt restauriert.

Mit einem 1966er FIA Porsche 911 schrieb der auf dem Kontinent weniger bekannte britische Rennfahrer Roy Lane bei zahlreichen Bergrennen auf der Insel Geschichte. Schätzpreis umgerechnet 130.000 bis 165.000 Euro. Wesentlich teurer dürften ein Rechtslenker 356 B Super Cabriolet von 1960 und ein 1959er 356 A Cabrio kommen. Deren Mindestangebote müssen zwischen 190.000 und 220.000 Euro liegen.
Aufgrund seiner vielfältigen Aktivitäten und Erfolge galt der in London geborene Vic Elford in den 1960er und 1970er Jahren als einer der größten Allrounder der Motorsport-Geschichte. Allein viermal gewann er für Porsche die 24 Stunden von Le Mans und trug in Zuffenhausen den Spitznamen "Quick Vic". Sein Privatwagen Anfang der 1970er Jahre war ein Porsche 911 S, der restauriert und bis auf den heutigen Tag scheckheftgepflegt in Hedingham unter den Hammer kommen soll. 

Weitere wichtige Beispiele aus der Porsche-Geschichte sind ein 1982er 911 3.0 SC der niederländischen " Rijkspolitie" in Originalbemalung ( rund 140.000 Euro), ein rechtsgelenkter Porsche 964 Speedster, von dem nur 14 Exemplare gebaut wurden (etwa 250.000 Euro) und ein 356 Carrera Coupé Grand Sport aus dem Jahr 1956 mit Fuhrmann-Maschine (luftgekühlter Vierzylinder-Boxermotor, 99 kW/135 PS, 240 km/h), die unter Porsche-Kennern legendären Ruf genießt.

Für dieses Auto gibt es keinen Schätzpreis im Gegensatz zu dem als teuersten ausgewiesenen Kandidaten, einem 2006er Porsche Carrera GT Supersportwagen (5,7 Liter-zehn-Zylinder-V-Motor, 450 kW/612 PS, 334 km/h) mit nur 6.300 Meilen auf dem Tacho, eines der ersten Autos von Porsche, das in Leipzig gefertigt wurde. Mindestgebot zwischen 680.000 und 750.000 Euro. 

Interessierte können die Auktion unter "www.Coys.tv" am 6. September ab 15:30 Uhr (2:30 pm englische Zeit) im Internet verfolgen. Für eine Teilnahme am allabendlichen Spaziergang "Ghost Walks - Haunted Hedingham" (Besuch bei den Geistern von Hedingham) nach Einbruch der Dunkelheit ist allerdings persönliche Anwesenheit erforderlich. Gänsehaut ist im Preis von umgerechnet 17 Euro inbegriffen.

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